Nachruf

Eine Trennung inspirierte Billy Steinberg zu »Like a Virgin«

Billy Steinberg (1950 - 2026) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der amerikanische Songwriter Billy Steinberg, der zu den prägenden Hitlieferanten der Popmusik der 1980er- und 1990er-Jahre zählte, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Seine Familie würdigte ihn als »visionären Texter, hingebungsvollen Ehemann, liebevollen Vater und einen der einflussreichsten Songwriter seiner Generation«.

Der Jude Steinberg schrieb gemeinsam mit Tom Kelly zahlreiche Welterfolge, darunter »True Colors« für Cyndi Lauper, »So Emotional« für Whitney Houston, »Eternal Flame« für The Bangles sowie »I Drove All Night« und »I’ll Stand By You«. Viele seiner Texte entstanden aus persönlichen Erfahrungen, die später zu Songs wurden, mit denen sich Millionen Menschen identifizieren konnten.

Besonders eng ist sein Name mit Madonnas Durchbruchshit »Like a Virgin« verbunden, der 1984 ihr erster Nummer-eins-Hit in den USA wurde. Steinberg erklärte später, der Song sei von einer schwierigen Beziehung und einem emotionalen Neuanfang inspiriert gewesen. »Ich schrieb über eine persönliche Situation. Ich hatte eine schwierige Beziehung, aus der ich mich befreien musste, und dann lernte ich jemand Neuen kennen – darüber begann ich zu schreiben«, sagte er rückblickend.

Holprige Entstehungsgeschichte

Die Entstehungsgeschichte des Liedes verlief zunächst holprig. Die Plattenfirmen zeigten wenig Interesse, einige Verantwortliche rieten sogar dazu, den provokanten Titel zu ändern. Steinberg lehnte das ab: »Ich wusste, dass der Titel und das Thema im Vergleich zu anderen Poptexten schockierend wirken könnten, aber ich mochte die Idee eines Konzepts, das so noch nicht gemacht worden war.« Erst als ein Warner-Manager den Song hörte, erkannte er dessen Potenzial und schlug ihn Madonna vor.

Lesen Sie auch

Die Sängerin selbst reagierte zunächst skeptisch. »Ich dachte: Oh mein Gott. Alle sagten, es sei ein großartiger Song, und ich fand ihn schrecklich«, erinnerte sie sich. Doch der Ohrwurm ließ sie nicht los, und schließlich erkannte sie das Potenzial: »Ich konnte ihn nicht aus dem Kopf bekommen. Dann dachte ich: Das könnte richtig cool sein.« Der Produzent, Komponist und Gitarrist Nile Rodgers, der auch die Band Chic betreibt, verwandelte das Stück in einen Funk-Pop-Hit, der sich millionenfach verkaufte und sechs Wochen die US-Charts anführte.

»Like a Virgin« sorgte auch für Kontroversen: Kritiker monierten sexuelle Anspielungen und religiöse Bezüge. Gleichzeitig wurde der Song zum Markenzeichen von Madonnas Image als provokante Popikone – nicht zuletzt durch ihren legendären Auftritt bei den MTV Awards 1984 im Brautkleid.

Wenig glamourös

Steinberg und Kelly lernten Madonna erst Jahre nach dem Erfolg persönlich kennen. Der Songwriter erinnerte sich an eine kurze Begegnung, die wenig glamourös ausfiel: »Ich sagte: ›Madonna, ich wollte dich schon lange treffen.‹ Und sie antwortete: ›Na, jetzt hast du es ja‹ – und ging weg.« Trotzdem bleibt Steinbergs Vermächtnis untrennbar mit einem der größten Pop-Hits der Musikgeschichte verbunden.

Im kalifornischen Fresno wuchs Billy Steinberg zunächst auf, bis seine jüdische Familie mit ihm nach Palm Springs zog. Sein Vater Lionel Steinberg war ein prominenter Winzer.

Billy Steinberg starb bereits am Montag in seinem Haus in Los Angeles, an Krebs. Er hinterlässt seine Frau Trina sowie seine Kinder Carolina, Ezra, Max und Raul. »Als Vater gab er nicht nur seine Liebe zur Musik weiter, sondern auch Disziplin, Integrität und seine Ehrfurcht vor großem Songwriting«, erklärte Ezra Steinberg. »Er glaubte daran, Dinge zu schaffen, die Bestand haben – in der Kunst, in Beziehungen und im Vermächtnis.« im

TV-Tipp

Die Puppe mit dem Hitlergruß: Das turbulente Leben der Unternehmerin Käthe Kruse

»Ich kauf‘ Euch keine Puppen - macht Euch selber welche!« Max Kruses junge Geliebte nahm diese brüske Absage wortwörtlich und wurde berühmt. Arte zeichnet die bewegte Biografie von Käthe Kruse nach

von Manfred Riepe  11.03.2026

Amulette

Erfurter Ausstellung zeigt israelische Kunst

Die Galerie Waidspeicher zeigt Werke israelischer Künstlerinnen und 555 Hamsa-Amulette aus Jerusalem. Das Motiv der Hamsa in Form einer geöffneten Hand ist im Judentum, im Islam und im Christentum gebräuchlich

von Matthias Thüsing  10.03.2026

München

Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt

Der Kolumnist bedient sich bei einem Podcast eines Slogans der Nationalsozialisten, um damit den AfD-Nachwuchs zu kritisieren. Deshalb wird gegen ihn ermittelt - jedoch nicht besonders lang

 10.03.2026

New York

Ben Stiller: »Krieg ist kein Film«

Immer wieder nutzt die US-Regierung bekanntes Film- oder Musikmaterial für eigene Videoclips - wohl ohne zu fragen. Jetzt beschwert sich deswegen Schauspieler Ben Stiller

 10.03.2026

Comedy

Streichelzoo mit Fischen

Die Serie »JoJo & Simha: Exploring Berlin3000« erzählt auf Social Media von drei tollpatschigen jüdischen Handwerkern der Zukunft

von Pascal Beck  09.03.2026

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Sprache

»Wat willste?«

Die Autorin Lea Streisand hat ein Buch über den vielleicht schönsten Dialekt des Deutschen geschrieben, das Berlinerische. Ein Besuch zwischen »ick«, »icke« und »dufte«

von Katrin Richter  08.03.2026

Berlin/Los Angeles

Weimer lädt Chalamet in die Oper ein: »Kann mal daneben liegen«

Interessiert sich wirklich niemand mehr für Oper und Ballett? So findet es zumindest »Marty Supreme«-Star Timothée Chalamet. Wie der Kulturstaatsminister den Oscar-Anwärter umstimmen will

 08.03.2026