Leipzig

Ausstellung zu jüdischem Leben und Bach

Bachmuseum und Bach-Archiv im Thomaskirchhof, Leipzig Foto: picture alliance / Schoening

Das Leipziger Bach-Museum präsentiert von Donnerstag an eine Ausstellung mit Zeugnissen jüdischen Lebens im 18. und 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht die Begeisterung von Jüdinnen und Juden für den Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750). Das Museum habe sich dafür auf Spurensuche in der eigenen Sammlung begeben, sagte Museumsleiterin Kerstin Wiese am Mittwoch in Leipzig.

Einige der wertvollsten Stücke verdanke das Bach-Archiv den jüdischen Sammlern und Musikverlegern Max Abraham (1831-1900) und Henri Hinrichsen (1868-1942).

In dem Museum sind bis 13. Dezember unter anderem Noten-Handschriften und Dokumente zu sehen, die die Bach-Begeisterung und Sammelleidenschaft jüdischer Familien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts belegen. Vor allem in Berlin habe es einen regelrechten »Bach-Kult« gegeben, sagte Wiese.

Archiv ersteigerte Mendelssohn-Brief

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist ein erst im April vom Bach-Archiv ersteigerter originaler Brief von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) aus dem Jahr 1842, in dem er einen Besuch in Leipzig im Zusammenhang mit dem von ihm gestifteten Bach-Denkmal ankündigt. Persönliche Begegnungen Johann Sebastian Bachs mit Jüdinnen und Juden seien nicht belegt, sagte Wiese. Zu Zeiten des Komponisten hätten gesellschaftliche Gruppen und Schichten komplett getrennt voneinander gelebt.

Doch ein regelrechter »Bach-Kult« habe sich kaum zwei Jahrzehnte nach dem Tod des Barockkomponisten im Haus des Berliner Bankiers Daniel Itzig (1723-1799) entwickelt. Seine drei Töchter seien virtuose Cembalistinnen gewesen. Sie hätten Bachs Musik und die seiner Söhne aufgeführt und deren Werke gesammelt.

Rezeption in jüdischen Familien

Der Musikwissenschaftler und Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Peter Wollny, sagte, in Berlin seien Gesellschaftsschichten früher als andernorts zusammengewachsen. »Auf dieser Basis entsteht das interessante Phänomen der Bach-Rezeption in den jüdischen Familien«, sagte Wollny. Die Familien blieben in ihrem Glauben verwurzelt, hätten aber vor allem die Instrumentalmusik Bachs geschätzt.

Zur Diskussion um aus heutiger Sicht umstrittene judenfeindliche Texte etwa in der »Johannes-Passion« sagte Wollny: »Für Bach stand außer Frage, die Textvorlage vollständig zu vertonen.« Insofern »könnte man annehmen, dass dies Bachs Meinung ist, aber es ist der biblische Text«, sagte der Bach-Forscher. Die Passion enthält Passagen, in denen »die Juden« als unerbittliche Widersacher Jesu dargestellt werden.

1810 erste Orgel in deutscher Synagoge

Ein Kapitel der Ausstellung beschäftigt sich mit der historischen Debatte zwischen orthodoxen und liberalen Juden, ob in jüdischen Gottesdiensten Orgeln erklingen dürfen. Der »Orgelstreit« sei Ausdruck für jüdische Identität und Emanzipation, sagte Wiese. Die erste Orgel in einer deutschen Synagoge sei 1810 im niedersächsischen Seesen eingeweiht worden.

Außerdem präsentieren Hörstationen unter anderem den Klang eines Schofars, eines traditionellen jüdischen Blasinstruments. Ebenso informieren sie über den Alltag jüdischer Kaufleute im 18. Jahrhundert in Leipzig, etwa zu Streitigkeiten um die Feier des jüdischen Laubhüttenfestes.

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