Das Leipziger Bach-Museum präsentiert eine Ausstellung mit Zeugnissen jüdischen Lebens im 18. und 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht die Begeisterung von Jüdinnen und Juden für Johann Sebastian Bach (1685-1750). Das Museum habe sich dafür auf Spurensuche in der eigenen Sammlung begeben, sagte Museumsleiterin Kerstin Wiese am Mittwoch in Leipzig. Einige der wertvollsten Stücke verdanke das Bach-Archiv den jüdischen Sammlern und Musikverlegern Max Abraham (1831-1900) und Henri Hinrichsen (1868-1942).
Die Ausstellung würdigt beide Persönlichkeiten und führt zugleich in die Geschichte der Leipziger Musikbibliothek Peters ein. Abraham leitete den Verlag Peters von 1880 an. Er stellte seinen Neffe Henri Hinrichsen an und machte ihn 1894 zum Teilhaber.
Originaler Mendelssohn-Brief
In der Schatzkammer des Bach-Museums sind bis zum 13. Dezember unter anderem Notenhandschriften und Dokumente zu sehen, die die Bach-Begeisterung und Sammelleidenschaft jüdischer Familien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts belegen. Vor allem in Berlin habe es einen regelrechten »Bach-Kult« gegeben, sagte Wiese.
Ein Höhepunkt der Ausstellung ist ein erst im April vom Bach-Archiv ersteigerter originaler Brief von 1842, in dem Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) seinen Besuch in Leipzig im Zusammenhang mit dem von ihm gestifteten Bach-Denkmal ankündigt.
Außerdem präsentieren Hörstationen beispielsweise ein Synagogenkonzert mit Werken jüdischer und christlicher Komponisten sowie den Klang eines Schofars, eines traditionellen jüdischen Blasinstruments. epd