Sorry, ja, schon wieder etwas aus Berlin. Aber diese Stadt macht es einem auch nicht leicht, nicht nichts zu sagen, um einmal Seeed zu zitieren. Diesmal geht es allerdings nicht um irgendwelche im Kreis fahrenden Bahnen mit riechenden Menschen, sondern es geht um Vierbeiner, genauer gesagt um Hunde, noch genauer gesagt um badende Hunde. Denn die Berliner Bäder-Betriebe haben der schwimmbegeisterten Stadt – neuerdings gibt es ja auch ein temporäres Bad vor einem Theater – eine neue Tradition beschert: Immer zum Sommersaisonende öffnen ausgewählte Bäder für das Hundeschwimmen. Ja, Sie lesen richtig. Nicht Berlin, sondern Fiffi geht baden.
Den Anfang machte am vergangenen Sonntag das Sommerbad Staaken-West an der Grenze zu Brandenburg. An zwei weiteren Sonntagen und einem Samstag im September können Hunde ihre Menschen mit ins Sommerbad am Insulaner und in das Sommerbad Gropiusstadt nehmen, pro Pfote einen Euro zahlen – der Mensch zahlt zwei – und mal so richtig in die chlorreduzierten Gewässer eintauchen, in denen sich sonst alle anderen Zweibeiner tummeln. Das hat der Stadt noch gefehlt.
Einige sprangen furchtlos hinein, schwammen ein paar Bahnen ...
Auf der anderen Seite: Hunde sind die besseren Gäste, wie die Initiatorin der Aktion am Sonntag in einem Interview sagte. Die Tiere würden sich gut benehmen, und alles liefe super. Eventuell, das sage ich, ist das einfach generell ein besseres Konzept: Tiere statt Menschen? Wie schopenhauerisch!
Die Regeln für das Hundeschwimmen sind denen für Menschen nicht unähnlich: »Langsam ans Wasser gewöhnen, um Temperaturschocks zu vermeiden«, »Nicht mit vollem Magen schwimmen lassen, es drohen Schwächezustände«, »Auf die Verfassung achten und Überanstrengung vermeiden«, »Halsband vor dem Schwimmen abnehmen, damit sich Pfoten nicht verfangen können« (das mit dem Halsband kommt auf den Bezirk an). Und zu guter Letzt: »Nach dem Schwimmen gründlich abtrocknen, um Sonnenbrand oder Auskühlung zu verhindern.« Voilà.
Außerdem sind die Bilder und Videos, die vom Hundeschwimmen in den sozialen Medien zu sehen waren, ein Garant für gute Laune. Einige sprangen furchtlos hinein, schwammen ein paar Bahnen, merkten, dass irgendetwas nicht stimmte, und schwammen in hohem Tempo raus. Schüttelten sich und sprangen gleich wieder rein.
Andere wollten lautstark gar nicht erst rein
Andere wollten lautstark gar nicht erst rein, gingen aber dann doch, weil einer vorrannte, und wieder ein anderer – der war wirklich der beste – stand wie bestellt und nicht abgeholt mit den vier Pfoten am Beckenrand und ließ sich – unbeeindruckt von den menschlichen Begeisterungsstürmen – mit Wasser benetzen. Frei nach dem Motto: »Ja, toll, und jetzt stehenwa hier oder wat?« Ich wäre ob dieser katzenhaften Coolness fast-beinahe zur Hundefreundin geworden, aber wirklich nur wegen des gerade beschriebenen Exemplars. Ansonsten sind mir die Vierbeiner einfach zu … na ja … es sind eben keine Katzen, die ihr Ding machen.
Wer von den Berliner Hundemenschen also zu Rosch Haschana und vor Jom Kippur nicht weiß, wie er seinen gelangweilten städtischen Wohnungs-Vierbeiner adäquat unterhalten soll, der kann ihn ja auf ein Bad einladen.
Ich füttere derweil lieber die honigfarbene Katze in meinem Hinterhof. Der ist nämlich Wasser und der Rest der Welt ziemlich egal.