Glosse

Der Rest der Welt

Suchen Sie noch Lesestoff für den Sommer? Heißer Tipp: Jewish RomComs! Die amerikanische Autorin Jean Meltzer schreibt jüdische Romantic Comedies und wird in Fachkreisen »Queen of Jewish Romance« genannt.

Meltzers Bücher sind allesamt Kassenschlager: Kissing Kosher (Koscher küssen), The Eight Heartbreaks of Hanukkah (Acht gebrochene Herzen zu Chanukka) und The Matzoh Ball (Der Mazzeknödel – wird übrigens bald verfilmt!). In dem Buch prallen Chanukka und Weihnachtskitsch aufeinander – eine jüdische Autorin von Weihnachtsromanen muss ausgerechnet eine Chanukka-Geschichte schreiben. Ein anderes Buch, Mr. Perfect on Paper, nimmt die jüdische Partnersuche aufs Korn und fragt, ob es den perfekten jüdischen Partner wirklich gibt. Und in Magical Meet Cute darf sogar ein Golem aus der jüdischen Mystik bei der Suche nach der großen Liebe mitmischen.

Die Hauptfiguren sind immer jüdische Frauen: mit Allergien, Ängsten, übergriffigen Verwandten, chronischen Krankheiten, Dating-Frust und einer beneidenswerten Fähigkeit, sich auch in den unpassendsten Momenten noch Gedanken darüber zu machen, ob genug Essen auf dem Tisch steht. Außerdem gibt es natürlich jede Menge Missverständnisse, charmante Männer und das obligatorische Happy End. Aber zwischen all den romantischen Verwicklungen geschieht etwas Interessanteres. Jüdisches Leben erscheint weder als Folklore noch als pädagogische Pflichtveranstaltung. Schabbat ist kein exotisches Dekor, sondern Alltag.

Bei Meltzer muss niemand seine Identität erklären. Die Figuren leben ihr Judentum, wie andere Romanheldinnen ihren Beruf oder ihre Leidenschaft leben.

Genau darin liegt der Reiz. Bei Meltzer muss niemand seine Identität erklären. Die Figuren leben ihr Judentum, wie andere Romanheldinnen ihren Beruf oder ihre Leidenschaft leben: mal selbstverständlich, mal chaotisch, manchmal widersprüchlich, aber immer als Teil ihrer Persönlichkeit.

Dass das so erfrischend wirkt, sagt einiges über den Buchmarkt. Die Romantic Comedy hat ja inzwischen für nahezu jede Zielgruppe ein eigenes Regal: Royals, Kleinstädte, Buchhandlungen, Bäckereien, Vampire und Hexen. Warum also nicht auch jüdische Heldinnen, deren größtes Problem nicht ihre Herkunft, sondern das erste Date ist? Jean Meltzer beweist, dass diese Geschichten nicht nur funktionieren, sondern ein großes Publikum finden.

Ihre Romane erzählen von Familien, die sich lieben und gleichzeitig in den Wahnsinn treiben. Von Feiertagen, die perfekt geplant sind und trotzdem im Chaos enden. Von Müttern, die ungefragt Ratschläge verteilen, und Großmüttern, die längst wissen, wer am Ende zusammenkommt. Kurz: von Dingen, die Lesern überall vertraut vorkommen. Meltzer schreibt Literatur, in der jüdisches Leben selbstverständlich ist.

Und vielleicht ist genau das der größte Verdienst der selbst ernannten »Queen of Jewish Romance«: Sie hat dem Genre keinen neuen Plot geschenkt. Sondern eine Perspektive, die dort längst hingehörte. Und wer meint, RomComs seien bloße Wohlfühllektüre, wird hier eines Besseren belehrt: Zwischen Witz, Romantik und Wortgefechten steckt stets auch ein kluger Blick auf Identität, Zugehörigkeit und moderne jüdische Lebenswelten.

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