Berlin-Wahl

»Die Linke ist keine antisemitische Partei, aber sie hat ein Problem mit Antisemitismus«

Shahak Shapira (Archivfoto) Foto: picture alliance / Horst Galuschka/dpa

Der jüdische Satiriker Shahak Shapira hat den Wahlerfolg der Berliner Linken in einem Interview mit dem Tagesspiegel kommentiert. Shapira sieht bei der Partei ein reales Antisemitismusproblem, warnt zugleich aber vor pauschalen Vorwürfen. »Die Linke ist keine antisemitische Partei, aber die Linke hat ein Problem mit Antisemitismus«, sagte er. Als Beispiele nannte er unter anderem die Verharmlosung des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober, die Leugnung antisemitischer Motive der Hamas und Holocaustrelativierungen.

Auf Nachfrage nach der Warnung des Zentralrats der Juden vor einer Koalition mit der Linkspartei sagte Shapira, wenn eine deutsche Partei Wahlkampfveranstaltungen abhalte, bei denen »Yallah Intifada« gerufen werde und diese trotzdem die Wahl gewinne, dann sei der Schaden schon angerichtet. »Das ist eine kulturelle Verschiebung, die man nicht mit Warnungen aufhalten kann.«

Spitzenkandidatin Elif Eralp

Mit Blick auf die Spitzenkandidatin Elif Eralp äußerte sich Shapira differenziert. Eralp habe eine klare Grenze zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung und antisemitischen Positionen gezogen. Problematisch sei jedoch, »dass sie sich überhaupt erst von ihrer eigenen Partei distanzieren muss«.

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Er glaube aber auch, dass Antisemitismusvorwürfe gegen Elif Eralp manchen Menschen aufgrund ihres Migrationshintergrunds leichter von der Zunge gehen würden. Auch den Begriff »importierter Antisemitismus« lehnt Shapira ab. »Es gibt mehr als genug Antisemitismus überall, man muss nichts importieren«, sagte er. Judenhass ausschließlich auf Migranten zurückzuführen, habe ihm »noch nie behagt«.

Die Debatte über Israel bestehe derzeit aus »120 Prozent Emotion und null Prozent Pragmatismus«.

In der deutschen Debatte beobachtet Shapira eine starke Fokussierung auf den Nahostkonflikt. Er werde selbst bei einer Bezirkswahl zum wahlkampfentscheidenden Thema und Israel zur Projektionsfläche. Zugleich vermisse er eine stärkere Orientierung an konkreten Lösungen. »Wir brauchen Emotion, aber wir brauchen auch Pragmatismus«, sagte Shapira. Die Debatte bestehe derzeit häufig aus »120 Prozent Emotion und null Prozent Pragmatismus«.

Progressive linke Haltung zu Israel

Als Grundlage für eine progressive linke Haltung zu Israel nennt Shapira gleiche politische Rechte und Sicherheit für Israelis und Palästinenser, für ihn verbunden mit einer Zwei-Staaten-Lösung. Hinzu kämen der Schutz jüdischen Lebens, die Ablehnung von Angriffen auf Zivilisten sowie die Möglichkeit, Besatzung und Regierungspolitik zu kritisieren, ohne Menschen kollektiv verantwortlich zu machen.

Seine Forderung fasst der Comedian im schriftlich geführten Interview Tagesspiegel zugespitzt zusammen: »Sei einfach kein bescheuerter Radikaler!« ja

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