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Der Rest der Welt

Der Schnellste: Sebastian Sawe Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

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Marathon oder Volcano Race – von Schnelligkeit und meiner Unsportlichkeit

von Katrin Richter  01.05.2026 09:57 Uhr

Eine Stunde, neunundfünzig Minuten, dreißig Sekunden: Diese Zahlen muss ich bei dieser Kilometernummer echt ausschreiben – denn diese unfassbare Zeit lief der Kenianer Sebastian Sawe beim London-Marathon am vergangenen Sonntag. Um mir vorzustellen, wie schnell das ist, habe ich es mir angelesen. Das ist so, als düse man mit einem E-Scooter die 42,195 Kilometer die Strecke entlang. Sebastian Sawe, dieser 31-jährige Sportler, ist also ähnlich schnell wie ein E-Scooter.

Egal wie intensiv ich trainiere, ich werde nie in E-Scooter-Geschwindigkeit einen Marathon laufen. Letʼs face it: Ich werde wohl auch in Schneckengeschwindigkeit keinen Marathon laufen.

Was also könnte eine sportliche Herausforderung sein, überlegte ich mir, nachdem ich diese läuferischen Nachrichten am Wochenende genug bestaunt hatte. Ah, ich weiß: Vielleicht einfach mal mein eigenes Sportprogramm auch wirklich durchziehen?

Manchmal rudere ich auf meinem Water Rower, manchmal staube ich ihn auch nur ab.

Seit Januar war ich ein Mal schwimmen (eigentlich wollte ich jede Woche ein Mal gehen). Okay, ich rudere zu Hause auf meinem stylischen Water Rower, aber manchmal staube ich ihn auch nur ab. Ich meine, jetzt ist schon fast Mai, das Jahr ist so gut wie rum, oder?

Weil ich also so viel über den Marathon las, hatte ich in meinem Instagram-Feed ziemlich viel Werbung zu Crossläufen, Sportschuhen und Hikes an interessanten Orten. Eine Werbung allerdings interessierte mich. Das Volcano Race auf dem Golan Ende Mai. Das klingt doch super! Knapp vier Wochen zum Trainieren hätte ich auch noch. Vulkanlandschaften sind außerdem wunderschön. Ich denke da an die Volvic-Wernung aus der Auvergne oder an Lanzarote, diese tolle Mondlandschaft mit schwarzen Stränden.

Aber zurück zum Volcano Race. Man kann zwischen mehreren Kategorien wählen – drei, sechseinhalb, 15 und über 30 Kilometer – und einer 15 Kilometer langen Gehstrecke. Der Trail führt auf 32 Kilometer vorbei an fünf erloschenen Vulkanen, mit einem Anstieg auf 1000 Meter. Die Veranstalter betonen die Einbettung des Rennens in die Frühlingslandschaft, in der man seine Beharrlichkeit und seine Willenskraft testen könne. Es sei eine unvergleichliche Reise bis hin zum Zieleinlauf. Wenn man es dann schafft.

Die Leute, die in den Videos auf der Website des Volcano Race zu sehen sind, sehen ja eigentlich ganz frisch aus zum Ende des Rennens und wirken jetzt auch nicht so, als würden sie die krassen Profi-Sportler sein. Und der bislang älteste Teilnehmer ist Jahrgang 1949. Er hat sich für die sechseinhalb Kilometer angemeldet. Beneidenswert.

Rennen zwischen erloschenen Vulkanen? Ich würde ja nur fotografieren!

Manche Leute machen halt einfach richtig gern Sport. Ich nicht. Ich fand Sport schon in der Schule langweilig. Dass ich rudere, hat nur damit etwas zu tun, dass ich keine anderen Übungen zusätzlich machen muss, um den ganzen Körper zu trainieren – reine Faulheit. Außerdem kann ich nebenbei Musik hören oder einfach dem Wasser lauschen. Trotzdem würde mich so ein Rennen durch eine Vulkanlandschaft reizen. Wahrscheinlich wäre ich die Letzte, weil ich permanent die Landschaft fotografieren würde.

In Berlin gibt es beim Marathon ja den Bus, der alle einsammelt, bei denen – sportlich gesehen – Hopfen und Malz verloren ist. Beim Volcano Race könnte ich mir vorab schon einen Platz darin buchen. Aber sollte ich es doch schaffen, dann würde ich definitiv tanzen – auf dem Vulkan. Immerhin ist er erloschen.

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