In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Stephan-Andreas Casdorff bei der Diskussionsveranstaltung ‚Der Osten - Chancen und Talente für Deutschland‘ im Tagesspiegel Verlagshaus. Berlin, 04.10.2023 Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Die Jüdische Allgemeine nimmt zwei Gastbeiträge von Stephan-Andreas Casdorff, Editor-at-Large beim »Tagesspiegel«, wieder offline. Betroffenen sind die Texte »Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?«, erschienen am 26. Mai 2026, und »Merz und Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit«, erschienen am 22. März 2026.

Der Entscheidung der Redaktion war die Bekanntgabe des Tagesspiegels vorausgegangen, dass Casdorff mehrfach Meinungstexte mit Künstlicher Intelligenz (KI) geschrieben habe und bis auf weiteres für die in Berlin erscheinende Zeitung nicht mehr publizistisch aktiv sein werde. Casdorff erklärte demnach, einen »Riesenfehler« gemacht zu haben. Er räumte ein, KI für Texte genutzt zu haben, und bat um Entschuldigung. Die Jüdische Allgemeine hat bisher vergeblich versucht, Casdorff zu erreichen.

Zwischen Januar 2024 und Mai 2026 hat Casdorff auch in der Jüdischen Allgemeinen vier Texte veröffentlicht, die alle mit dem KI-Detektor »Pangram« überprüft wurden. Während die beiden früheren Texte keinerlei Auffälligkeiten zeigten, sind die beiden späteren laut der selbst auf KI-Technologie basierenden »Pangram«-Software sehr wahrscheinlich mit einer KI verfasst worden.

Ob ein Text ganz oder teilweise mit KI generiert wurde, kann auch mit spezialisierter Software nicht endgültig bewiesen werden. »Pangram« gilt jedoch als äußerst zuverlässiger KI-Detektor mit einer Falsch-positiv-Rate von unter einem Prozent. Die Redaktion der Jüdischen Allgemeinen entschied sich daher, die beiden betroffenen Meinungsbeiträge von Casdorff zu depublizieren.

Der Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, Philipp Peyman Engel, kündigte in Reaktion auf den Fall an, dass sich die Redaktion künftig strengere Regeln im Umgang mit KI geben werde. Dazu gehöre, Leitartikel und Kommentare von nun an vor Veröffentlichung darauf zu überprüfen, ob sie KI-generiert wurden. ja

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