Der Flughafen Ben Gurion kämpft mitten in der Sommer-Reisesaison mit massiven Verspätungen. Wie Arkia-Geschäftsführer Oz Berlowitz in einem Interview des Radiosenders 103FM erklärte, liegt die Wartezeit für von Verspätungen betroffene Passagiere im Schnitt bei 90 Minuten. Lediglich etwa ein Drittel aller Flüge starte derzeit fahrplanmäßig.
»Das Bild am Flughafen Ben Gurion zeigt derzeit Passagierzahlen, die sich dem annähern, was wir vor dem Krieg gesehen haben, zwischen 90.000 und 100.000 Passagiere pro Tag,« so Berlowitz. Er rechnet damit, dass dieser Andrang bis Ende August sowie während der Feiertage im Tischri-Monat Mitte September anhalten wird.
Der Manager zeigte sich trotz der Probleme erfreut darüber, dass der Flughafen wieder seine zentrale Funktion als »Israels Tor zur Welt« erfülle – »besonders nach allem, was wir durchgemacht haben, und vor dem Hintergrund der relativen Ruhe in Bezug auf Iran.«
Geparkte US-Maschinen
Die Rückkehr zu derart hohen Passagierzahlen hat nach Angaben von Berlowitz zugleich mehrere operative Schwachstellen offengelegt. So stehen nach wie vor US-amerikanische Flugzeuge auf dem Rollfeld, was Parkpositionen blockiert und den Fluggesellschaften Spielraum nimmt. »Jede belegte Parkposition wirkt sich auf die Flexibilität der Airlines aus und führt zu Verspätungen,« erklärte er.
Hinzu komme eine zunehmende Überlastung des Luftraums über Europa und dem Nahen Osten sowie vereinzelte Ausfälle in der Flugsicherung. Berlowitz verwies dabei auf eine kürzliche Radarstörung in Norditalien, die zahlreiche Flugrouten durcheinandergebracht habe. Israels geografische Lage mache das Land für solche Vorfälle besonders anfällig, da ein Großteil der Europa-Flüge über Zypern und Griechenland verlaufe.
»In solchen Situationen sitzen die Passagiere bereits im Flugzeug, startbereit, doch dann teilt der Pilot mit, dass man ein bis zwei Stunden auf die Freigabe der Flugroute warten müsse,« erklärte Berlowitz.
Personalmangel bei Bodendiensten
Es gibt aber weitere Gründe für die konstanten Verzögerungen: Berlowitz nannte in dem Interview Personalmangel bei den Bodenabfertigungsgesellschaften. Innerhalb weniger Monate sei die Zahl der täglichen Starts und Landungen am Flughafen Ben Gurion von rund 15 auf mehrere Hundert gestiegen – ein Tempo, mit dem die operativen Systeme kaum Schritt halten könnten. »Es handelt sich um Fachkräfte, die man nur schwer und nicht kurzfristig rekrutieren und ausbilden kann, sodass ein Mangel entstanden ist, der sich auf die Einhaltung der Flugpläne auswirkt,« sagte er.
Bereits eine vergleichsweise geringe Verspätung am frühen Morgen könne sich über Stunden hinweg auf den gesamten Flugplan auswirken, so Berlowitz weiter. Arkia betreibe zwar eine eigene Kontrollzentrale und bemühe sich, Passagiere frühzeitig zu informieren. Allerdings erreichten Mitteilungen über Flugplanänderungen nicht immer jene Reisenden, die ihr Ticket über ein Reisebüro oder andere Drittanbieter gebucht hätten, räumte der Airline-Chef ein.
Trotz aller Schwierigkeiten zog Berlowitz eine positive Bilanz: Entscheidend sei, dass der Flughafen Ben Gurion in Betrieb sei und Flüge tatsächlich stattfänden, statt gestrichen zu werden – »und das ist wichtig in der komplexen Region, in der wir leben,« schloss er. im