Glosse

Der Rest der Welt

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Der Rest der Welt

Meine Rache am System oder Wie ich an »weißes Gold« komme

von Ralf Balke  18.01.2026 09:13 Uhr

Das Bierchen am Abend kostet locker zehn Euro, einfachstes Streetfood wie Schawarma schlägt mit mindestens 16 Euro zu Buche, und nach ein paar Einkäufen im Supermarkt fühlt man sich knietief im Dispo. Denn Tel Aviv ist nicht nur eine der aufregendsten Städte auf der Welt, sondern dummerweise auch eine der teuersten. Und weil die Regierung weder willens noch in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass sich an den Lebenshaltungskosten irgendetwas ändert, bleibt es jedem selbst überlassen, mit einigen Tricks Geld zu sparen.

Mein ganz persönlicher Tipp lautet: in Cafés und Kneipen Toi­lettenpapier mitgehen lassen. Jawohl, Sie haben richtig gehört, Toi­lettenpapier. Rollenweise stecke ich es in meinen Rucksack, das »weiße Gold«.

Das ist meine kleine Rache am »System«, sprich einer Gastronomie mit ihren Mondpreisen. Außerdem sehe ich es einfach nicht ein, bei Superpharm 20 Euro und mehr für Klopapier hinzulegen. Nicht, dass ich es mir nicht leisten könnte, ich will es aber einfach nicht. Auch ist man immer gleich gezwungen, Mengen zu kaufen, mit denen eine zwölfköpfige ultraorthodoxe Familie in Bnei Brak einen Monat lang über die Runden käme. Packungsgrößen mit acht oder zehn Rollen sind unbekannt, wahrscheinlich werden sie nicht nachgefragt, weil ihre Käufer ansonsten von der grell geschminkten Dame an der Kasse als vereinsamte Menschen ohne Familie oder Sozialkontakte mitleidig belächelt würden.

Natürlich habe ich nie ein Geheimnis aus meiner Art der Toilettenpapier-Akquise gemacht

Natürlich habe ich nie ein Geheimnis aus meiner Art der Toilettenpapier-Akquise gemacht, sondern immer damit geprahlt, dass ich nicht so dumm bin wie andere, dafür so viel Geld auszugeben.

Meinem israelischen Umfeld war das Ganze stets so peinlich, dass einige von ihnen mir regelmäßig Klopapierrollen zustecken, damit ich von meinen kleinen Raubzügen ablasse – und ich war überrascht, dass Israelis überhaupt etwas peinlich sein kann.

Deutsche Freunde, die regelmäßig nach Israel reisen, machten sich ebenfalls lange Zeit darüber lustig. Aber irgendwann gaben auch die ersten von ihnen zu, dass sie gleichfalls damit angefangen hätten, Klopapier in Kneipen einzustecken. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die Israelis diese Art des Sparens für sich entdecken. Aber ob sie es zugeben werden, daran habe ich meine Zweifel.

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