Glosse

Der Rest der Welt

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Ich habe über viele Themen nachgedacht, über die ich schreiben könnte: den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zum Beispiel, der zeigt, wie trocken es in Berlin und Brandenburg ist. Ziemlich rot und düster.

Oder Eskapismus durch Muffinbacken. Erst vergangene Woche hat der Fauda-Darsteller Itzik Cohen ein Muffin-Rezept mit den Dingen zusammengestellt, die er gerade noch im Schrank hatte, Sojamehl und so, funktionierte aber offenbar. Oder über das abendliche Irgendwo-Sitzen und auf Bäume-Starren – wussten Sie, wie erholsam das ist?

Also, über all das wollte ich schreiben und musste mir selbst eingestehen, dass das nichts wird. Mein Freund Igor fragte mich, ob ich mich nicht auch wie in einer apokalyptischen Utopie fühlte. Irgendwie: ja. Deswegen schreibe ich mal wieder über eine kleine Meldung mit vier Pfoten. Und an alle, die jetzt die Augen rollen und denken, was ist das denn für ein naiver Müll: mir doch egal.

Here we go: Es ist eine Meldung, die ich im israelischen Fernsehen gesehen habe. Yulia Sokolov erzählte, dass sie als Reservistin Nachtschicht hatte, als sie über die WhatsApp-Gruppe ihres Wohnhauses Nachrichten erhielt, dass ihr Haus nicht mehr da sei. Eine iranische Rakete hatte alles zerstört. Sie dachte: »Vergiss das Gebäude, ich habe eine Katze, ich bekam Panik.« Wie sollte es der Kater aus dem Haus geschafft haben?

Here we go: Es ist eine Meldung, die ich im israelischen Fernsehen gesehen habe.

Nach ihrer Schicht ging sie in ihre Straße und wollte mit eigenen Augen sehen, was geschehen war. Sie wischte sich die Tränen weg und sagte zu ihrem Partner: »Ich gehe da hinein.« Yulia wurde von einem Offizier begleitet und konnte kaum fassen, dass sie überhaupt hineingehen durfte. Jedenfalls wusste sie, dass sich ihr Kater manchmal unter dem Bett versteckte, aber das Bett war zur Hälfte eingestürzt, kein Kater. Sie suchte weiter und rief nach ihm: »Rambo! Rambo?« Nichts. Die junge Frau begann, sich damit abzufinden, dass ihre Katze es wohl nicht lebend aus dem Haus geschafft hatte.

Doch dann entdeckte sie Spuren seiner Pfoten im Staub, danach hörte sie ein Miauen, und schließlich fand sie ihren weiß-braunen Kater Rambo, der draußen auf der Klimaanlage saß. Am Leben und miauend. Während Yulia das erzählte, lachte sie weinend, weinte sie lachend und war überglücklich: »Ich habe kein Zuhause mehr, aber das ist mir egal, denn meine Katze ist am Leben.«

Dass Katzen neun Leben haben, das wusste man schon zu Shakespeares Zeiten. Schlagen Sie mal bei Romeo and Juliet nach, es ist das Zitat von Mercutio. Außerdem besagt ein englisches Sprichwort, dass Katzen neun Leben haben, weil sie in drei spielen, in drei herumstreunen und in den letzten drei dann einfach dableiben.

Rambo jedenfalls hat bei Yulia und ihrem Partner jetzt sein bestes Leben. Schnurrr.

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Kulturkolumne

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