Glosse

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images

Glosse

Der Rest der Welt

Wie sich JD Vance Samtpfoten und Menschen nähern kann

von Katrin Richter  08.08.2024 16:11 Uhr

Team Katze oder Team Hund? Diese tierische Gretchenfrage stellt sich mir fast jeden dritten Morgen, wenn ich mir in einem meiner beiden Lieblingscafés einen Flat White hole. Denn die Belegschaft dort freut sich über das Trinkgeld, das die Kunden entweder in den Becher mit der Aufschrift »Team Katze« oder »Team Hund« werfen können. Die Antwort versteht sich – zumindest bei mir – von selbst: Team Katze.

Wer könnte die eigensinnigen vierpfotigen Schnurrer denn nicht mögen, auch wenn sie einen 90 Prozent des Tages komplett ignorieren? Viele Jahre hatte ich selbst einen Kater, Herr Elvis hieß er, er mochte Joghurt und wurde 15 Jahre alt. Ich fand ihn im Hinterhof, er las sich als König mit Allüren – besonders, wenn es ums Futter ging. Er probierte in einem Versuch für diese Zeitung sogar einmal koscheres Futter aus – ich habe es dann vom Teppich weggewischt.

Wieso erzähle ich das alles? Nicht nur, weil am 8. August Weltkatzentag ist, sondern auch, weil diese Tiere seit gut zwei Wochen auch politisch sind – und zwar ausgerechnet im amerikanischen Wahlkampf. Denn das Internet, das nicht vergisst, erbrach, wie damals mein Kater so viele Büchsen Katzenfutter, die Aussage des vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auserwählten Vizes, James David Vance, poppig JD Vance, der 2021 in einem Interview mit dem damaligen Fox-News-Moderator Tucker Carlson Frauen ohne Kinder – wie Jetzt-Vizepräsidentin Kamala Harris – »kinderlose Katzenladys« nannte, »die in ihrem eigenen Leben und den Entscheidungen, die sie getroffen haben, unglücklich sind und deshalb auch den Rest des Landes unglücklich machen wollen«.

Woher soll JD auch wissen, was Sensibilität, Intelligenz und Kultur bedeuten?

Ja, das saß erst einmal und stieß auf mehreren Ebenen Frauen ohne Kinder – aber mit Katzen – vor den Kopf. Dass so etwas unsensibel ist, dumm und unkultiviert, ist klar. Aber woher soll JD auch wissen, was Sensibilität, Intelligenz und Kultur bedeuten? Woher soll er wissen, dass es ziemlich viele – nie besonders schöne – Gründe dafür gibt, dass Frauen keine Kinder bekommen? Was ist nur schiefgelaufen bei dem 40-Jährigen, dass er noch in seinen 30ern die mittelalterlichsten Stereotype – Frauen mit Katzen und Unglück – aus der Kiste holt?

Vielleicht sollte er mal lesen. Das hilft bekanntlich gegen Dummheit. Die Katze des Rabbiners von Joann Sfar zum Beispiel oder Das große Buch von Kater Mog von Judith Kerr. Noch besser: Kremer ha Chatul von Meir Shalev. Oder Jewish Cats All Year Round, ein Buch von Varda Livney für Kinder von sechs Monaten bis zwei Jahren aus der PJ Library. Er kann auch nach Tel Aviv fliegen und die vielen Freiwilligen beim Katzenfüttern und bei Tierarztbesuchen unterstützen. Und vielleicht möchte er bei dieser Gelegenheit gleich mit israelischen Fertilitätsexpertinnen und -experten sprechen, die ihm erklären, dass Kinderlosigkeit nichts, rein gar nichts über die Menschen aussagt, die davon betroffen sind.

Oder JD geht einfach in ein Tierheim in seiner Nähe und schafft sich zwei Katzen an. Das Schnurren soll ja nicht nur den Blutdruck senken, sondern selbst die herzlosesten Menschen friedlicher werden lassen.

Stuttgart

Startschuss für die Jewrovision

Der jüdische Jugend-Musikwettbewerb hat begonnen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt treten heute 13 Teams aus ganz Deutschland auf

von Joshua Schultheis  15.05.2026 Aktualisiert

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Kino

»Palästina 36«

In ihrer Doku geht die palästinensische Regisseurin Annemarie Jacir fahrlässig mit einem historischen Thema um

von Ralf Balke  15.05.2026

Gesangswettbewerb

ESC: Ein bisschen Aufregung in Wien

In Wien sollen Kaffeehäuser Patenschaften für die Teilnehmerländer übernehmen, doch ausgerechnet für Israel fand sich keines bereit

von Martin Krauss  15.05.2026

Wien

ESC-Finale: Noam Bettan tritt als Dritter auf

Unter ESC-Beobachtern gilt ein früher Startplatz traditionell als möglicher Nachteil im Rennen um den Sieg

 15.05.2026

Musik

Jay Beckenstein wird 75

Der jüdische Saxofonist aus Buffalo, der seine Jugend in Westdeutschland verbrachte, gründete eine der wichtigsten Fusion-Bands und bietet sanfte Klänge

von Imanuel Marcus  14.05.2026

Berlin

TU eröffnet neues Kompetenzzentrum für Antisemitismusforschung

Nach umfassendem Umbau stünden künftig rund 55.000 Bücher und Zeitschriften sowie etwa 11.000 visuelle Antisemitika für Forschung und Lehre zur Verfügung

 14.05.2026

Zahl der Woche

13 Gruppen

Fun Facts und Wissenswertes

 14.05.2026

Eurovision Song Contest

Die Leichtigkeit der anderen

Der Schoa-Überlebende Walter Andreas Schwarz vertrat Deutschland 1956 beim ersten Grand Prix Eurovision in Lugano. Seine Biografie prallte auf ein Publikum, das die Vergangenheit hinter sich lassen wollte

von Claudio Minardi  14.05.2026