Finale

Der Rest der Welt

Grün? Rot? Schwarz? Bis September ist ja noch Zeit ... Foto: imago/IPON

Finale

Der Rest der Welt

Die Qual der Wahl oder Warum meine Liste nicht gewinnen kann

von Ayala Goldmann  03.06.2021 08:16 Uhr

Der Countdown läuft: weniger als vier Monate bis zur Bundestagswahl. Um an eine Erst­impfung gegen Corona zu kommen, habe ich mich als Wahlhelferin gemeldet. Schon liegt der Brief des Bezirksamts im Briefkasten: Einsatzort und Aufgabe würden mir mitgeteilt.

Eigentlich habe ich gar keine Lust, den ganzen Tag mit Maske im Wahllokal zu sitzen, aber jetzt komme ich aus dieser Nummer wohl nicht mehr raus. Ich hoffe bloß, dass man meine Wünsche berücksichtigt und mich als Schriftführerin in Charlottenburg einsetzt und nicht als Wahlvorstand in Marzahn.

Vielleicht schreibe ich dem Wahlamt, man könne Juden nicht zumuten, allzu viele AfD-Stimmen auszuzählen? Aber kann man Nichtjuden das zumuten? Ich fürchte, dieses Argument zieht nicht.

Problem Also helfe ich am 26. September wie versprochen mit und bin natürlich froh, in einem Land zu leben, in dem es freie Wahlen gibt. Trotzdem habe ich ein Riesenproblem.

Ich weiß nicht, wen ich als Kanzler will. Wen ich ins Berliner Abgeordnetenhaus wählen soll, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass ich diverse Gesundheitsmanager nie wieder im Fernsehen sehen möchte – außer, die Berliner Gesundheitssenatorin baut doch noch eine Impfproduktion in der Hauptstadt auf. Dafür hätte sie nach der Wahl viel Zeit, denn sie tritt nicht mehr an, wohingegen unser Bundesgesundheitsminister wieder in den Bundestag will. Also lieber für eine andere Partei als die CDU stimmen?

Der Klimawandel muss gestoppt werden? Spricht für die Grünen. Ein Kandidat mit Regierungserfahrung soll Kanzler werden? Also CDU oder SPD. Letztere pocht, wenn es nach ihrem Co-Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans geht, auf ein Mitspracherecht in der israelischen Politik im Gegenzug für deutsche Waffenlieferungen. Aber wer auch immer die nächste israelische Regierung bildet – soll der Ministerpräsident in Jerusalem vor jeder Entscheidung wirklich Herrn Walter-Borjans anrufen, um sich von ihm beraten zu lassen?

Partei Irgendwie unrealistisch, da muss ich der FDP recht geben, aber vielleicht ist Israel nicht das Maß aller Dinge. Als deutsche Jüdin wähle ich die Partei, die den Antisemitismus in Deutschland am effektivsten bekämpft! Leider habe ich überhaupt keine Ahnung, welche Partei das sein könnte.

Ich habe deswegen am Wochenende in einem Biergarten zusammen mit drei negativ auf Corona getesteten Mitgliedern eines weiteren Haushalts die neue Liste AB-NNSRH (»Antisemitismus bekämpfen – nicht nur schöne Reden halten«) gegründet. Leider haben wir die Zulassung zur Bundestagswahl verpasst. Egal, wir wären sowieso an der Fünfprozenthürde gescheitert.

Falls ich mich am 26. September immer noch nicht entscheiden kann, konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Tätigkeit als Schriftführerin. Oder ich wandere nach Israel aus, um dort zu helfen. Die nächste Neuwahl kommt bestimmt!

Junge Israelis, die von Beta Israel, äthiopischen Juden, abstammen

Hamburg

2,5 Millionen Euro für Erforschung religiöser jüdischer Handschriften

Sophia Dege-Müller, Expertin für äthiopische Handschriften, erforscht religiöse Handschriften der äthiopischen Juden, der sogenannten Beta Israel. Ihre bis zu 500 Jahre alten Schriften seien bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden

 03.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Medien

Stephan-Andreas Casdorff ist wieder für den »Tagesspiegel« tätig

Die KI-generierten Meinungstexte von Stephan-Andreas Casdorff im »Tagesspiegel« hatten in der Branche für viel Aufruhr gesorgt. Seit Juni hatte der Ex-Chefredakteur seine Tätigkeit ruhen lassen. Nun kehrt er zurück

von Jana Ballweber  03.09.2026

Literatur

Die perfekte Paranoia

»Howl« ist eine romangewordene Angstattacke, die Hoffnung macht. So etwas kann nur der britische Schriftsteller Howard Jacobson

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  03.09.2026

Jubiläum

50 Jahre Muppets: »Applaus, Applaus, Applaus!«

Am 5. September 1976, vor 50 Jahren, strahlte der britische Sender ITV die erste Folge der »Muppet Show« aus. Das geplant chaotische Format wurde ein weltweiter Erfolg

von Alexander Brüggemann  03.09.2026

Kunst

Mehr als heiße Luft

Ausgerechnet ein jüdisches Rhinozeros liefert in Sachsen-Anhalt einen prägnanten Kommentar zur Landtagswahl. Ein Treffen mit dem israelischen Künstler Itamar Gov

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Kino

»Die Realität, in der wir leben«

Das israelische Filmfestival »Seret« zeigt atemberaubend dramatische wie komische Filme und Dokumentationen

von Helmut Kuhn  03.09.2026