Köln/Murwillumbah

Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?

Gil Ofarim bei der Abreise der Dschungelcamp-Kandidaten nach Australien am Flughafen Frankfurt am Main. Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Man könnte meinen, dass nach mehr als 20 Jahren auf Sendung alles rund um das RTL-Dschungelcamp durchdiskutiert ist. Doch die Liste der Promis, die der Sender am Freitag (23. Januar, 20.15 Uhr) ans australische Lagerfeuer schickt, beweist das Gegenteil: Selten wurde ein Cast so intensiv diskutiert wie in diesem Jahr. Warum ist das so? Hier ein Beipackzettel zur Meinungsbildung – mitsamt Einschätzungen von Ex-Campern.

Der Reiz-Kandidat

Für die einen ist Musiker Gil Ofarim (43) ein rotes Tuch – für die anderen der logischste Dschungelcamper aller Zeiten. 2021 erhob der Sänger Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Hotelmitarbeiter. Der Mann habe ihn aufgefordert, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Später gestand Ofarim aber vor Gericht, dass er die Vorwürfe erfunden habe, und entschuldigte sich. Das Verfahren wurde eingestellt. Als Auflage musste er 10.000 Euro zahlen.

In der Logik von Reality-TV ist das eigentlich eine äußerst fruchtbare Gemengelage. Nach der juristischen kann nun die moralische Bewertung vor Kameras folgen. Seit jeher geht es in Trash-TV-Formaten um soziale Anerkennung – auch wenn es die Teilnehmer meist weniger akademisch ausdrücken. Wer darf noch mitreden? Wer gehört ausgegrenzt? Ofarims Fall eignet sich perfekt für eine Art Scherbengericht zwischen Kakerlaken und Plumpsklo. Schauspieler Hardy Krüger jr., ebenfalls Kandidat, kündigte im Gespräch mit RTL bereits an, Ofarim bei dem Thema nicht vom Haken lassen zu wollen. »Da will ich einfach auch eine ehrliche Antwort«, betonte er.

Nur: Nicht alle Zuschauer scheinen bei der gesellschaftlichen Nachverhandlung mitmachen zu wollen. Als RTL Ofarims Teilnahme bestätigte, gaben einige User in den sozialen Netzwerken Boykott-Erklärungen ab. »Ok, die erste Staffel, die ich nicht gucken werde. Gil ist für mich einfach nicht tragbar mit dem, was er getan hat«, schreibt unter anderem eine Userin. RTL hielt dagegen, dass sich der Musiker juristisch verantwortet habe. Und Markus Küttner, Unterhaltungschef des Senders, betonte in einem Interview mit »TV Digital«, dass Ofarim »mehr als die Schlagzeilen der letzten Jahre« sei. Tatsächlich habe man ihn schon vor zehn Jahren erstmals angefragt – als »spannende Persönlichkeit«.

Ofarim selbst sagte RTL, dass er ins Dschungelcamp gehe, um sich »etwas zu beweisen und dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung über mich zu bilden.« An Meinungen wird es gewiss nicht mangeln. Aber ob Ofarims Geschichte zu Unterhaltung oder doch eher zu Überforderung führt – das ist noch offen.

Der Reality-Krawall

Oft werden Konfliktlinien bei »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« bereits über die Auswahl der Kandidaten leise angelegt – etwa, wenn man zwei konfliktaffine Figuren wie den Ex-Fußballer Thorsten Legat und die Doku-Soap-Reizfigur Helena Fürst in ein Camp steckt. Dann scheppert er irgendwann und der eine (Legat) nennt die andere (Fürst) »Furzfrau« (Staffel 10). Es geht aber auch weitaus weniger leise – wie bei der Verpflichtung der beiden Reality-Sternchen Samira Yavuz und Eva Benetatou für die neue Staffel.

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Wer nicht ganz so tief in den Reality-Kosmos vorgedrungen ist – und es auch nicht vorhat –, muss wissen: Samira Yavuz war früher mit Serkan Yavuz zusammen, ebenfalls Veteran des Genres. Man trennte sich – was bei Paaren vorkommt. Die dramataugliche Würze kam hinzu, als sich Eva Benetatou äußerte und auf Instagram erklärte, »eine einmalige intime Begegnung« (RTL.de) mit Serkan gehabt zu haben. Er selbst gab später zu, dass der Seitensprung in eine Zeit gefallen sei, in der Samira mit dem zweiten gemeinsamen Kind schwanger war.

Seitdem fliegen die Worte hin und her, mal via Social Media, mal über dieses oder jenes Reality-Format. Nun werden beide Frauen direkt aufeinandertreffen, im australischen Busch. Samira sagte in einem RTL-Interview zur Frage, ob eine Schlammschlacht zu erwarten sei: »Was heißt Schlammschlacht? Das hängt so ein bisschen von ihr ab.« Das klang bedrohlich.

Manch einem mag das schon fast zu viel kalkulierte Konfrontation sein. Andererseits: Wenn der FC Bayern München in der Champions League auf Real Madrid trifft, beschwert sich auch niemand über mangelnde Originalität. Wer einmal in die Reality-TV-Parallelwelt gelugt hat, wird diesen Vergleich womöglich verstehen.

Die große Black-Box-Fraktion

So grell die Nominierungen von Gil Ofarim, Samira Yavuz und Eva Benetatou wirken, so nebulös erscheint, was vom restlichen Kandidaten-Reigen zu erwarten ist. Die Sehnsucht nach dem klassischen prominenten Namen dürften Simone Ballack, frühere Frau von Fußballstar Michael Ballack, und Hardy Krüger jr. bedienen können. Auch Mirja du Mont ist seit Jahren boulevardgestählt. Aber dahinter? Kandidaten wie Reality-Protagonist Umut Tekin, »Bauer sucht Frau«-Bauer Patrick Romer und »Produkttest-Legende« Hubert Fella (»Hot oder Schrott – Die Allestester«) sind in anderen Formaten zwar schon auffällig geworden, dürften Teilen des Mainstream-Publikums aber auch noch recht unbekannt sein.

Nacktmodell Micaela Schäfer, die 2012 im Dschungelcamp hauste, hält das Ensemble allerdings für vielversprechend. Sie finde den Cast »super«, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es sei wieder eine Mischung aus »Nachwuchs-Reality-Sternchen« und »gestandenen Größen« à la Hardy Krüger jr. – und so ein Aufeinandertreffen sei immer spannend. Vor allem von Seiten der Vertreter aus den klassischen Prominenz-Berufen. »Weil oft denken die im normalen Leben, sie sind etwas Besseres. Weil: Sie sind ja Schauspieler«, sagt Schäfer. »Da müssen sie halt mit denen auch mal reden.«

Reality-Veteran Jürgen Milski (»Big Brother«), der 2016 im Dschungelcamp war, lässt auch keine Kritik an der vermeintlichen Konturlosigkeit mancher Kandidaten gelten. »Das haben wir ja jedes Jahr, dass immer wieder angesprochen wird: «Hey, da sind ja Protagonisten, die kenne ich ja gar nicht!» Und genau diese Protagonisten sind immer zum Teil Alleinunterhalter für die Sendung geworden«, sagt er der dpa. Sein Rat sei, da lieber mal die »Füße stillzuhalten«. »Es kommt sowieso alles anders, wie man denkt bei diesem Format.«

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