Musik

Der große Romantiker: Bruno Mars ist der König des Soul

Bruno Mars Foto: picture alliance / Photoshot

Er hat sich lange Zeit gelassen. Fast zehn Jahre liegt das letzte Soloalbum von Bruno Mars, das geniale »24K Magic« zurück. Nicht, dass er in der Zwischenzeit untätig gewesen wäre. Da waren sein Projekt Silk Sonic mit Anderson Paak, das nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekam, und gemeinsame Singles mit Lady Gaga (»Die With A Smile«) oder Blackpink-Sängerin Rosé (der Ohrwurm »APT«). Jetzt aber kehrt Mars endlich mit seinem vierten eigenen Studioalbum zurück.

Auf »The Romantic« huldigt der 40-jährige Sänger mit jüdischem Familienhintergrund unüberhörbar seinen musikalischen Idolen und wird dabei - der Titel lässt es erahnen - sehr romantisch. Auf »24K Magic« wehte ein Hauch der 80er und frühen 90er Jahre. Mit »The Romantic« taucht Bruno Mars tief in die goldene musikalische Ära der 70er Jahre ein - inklusive der passenden Schlaghosen und Maßanzüge in Creme-Farben.

Dass er ein großartiges Gespür für Hits hat, ohne sich an Trends zu orientieren, bewies der gebürtige Hawaiianer mit der begnadeten Stimme jüngst erneut. Die im Januar veröffentlichte Leadsingle »I Just Might« toppte direkt wieder die US-amerikanischen Billboard Hot 100. Es ist der unverkennbare Mars-Sound: ein tanzbarer Rhythmus, funky Gitarren, seine markante Stimme und ein Refrain, der sofort im Ohr bleibt und gute Laune macht.

In Zeiten, in denen manche Songschreiber ihre Musik auf den Spotify-Algorithmus auslegen und den Refrain so früh wie möglich platzieren, beginnt Mars sein Album mit Mariachi-Trompeten und sanft mit Schlagzeugbesen gestrichenen Trommeln. »Risk It All« ist eine wunderbar kitschige Ballade mit lateinamerikanischem Einfluss. Das erinnert an Ikonen wie José José, Julia Iglesias und besonders Marc Anthony. Nach »Marry You« wieder ein Mars-Song, wie gemacht für Hochzeitsvideos.

Streicher und Trompeten

Songs wie »Cha Cha Cha«, »God Was Showing Off« oder »Why You Wanna Fight?« zelebrieren mit Streichern und Trompeten den legendären Philly Soul. Es war die Zeit der O’Jays, der Stylistics oder der Delfonics. Mars wird gesanglich von den Hooligans begleitet, einer Gruppe von guten Freunden, die Background-Chor und Tänzer sind.

»Got my lemon pepper steppers on, ooh girl, you’re in trouble tonight« (sinngemäß: »Ich hab meine scharfen Treter an – ooh Mädchen, heute Abend wird’s gefährlich für dich«) singt Mars in »Cha Cha Cha«. Und er steigert das noch. »Oh, you little earth angel, The way you’re put together, only God can do« (»Oh, du kleiner Engel auf Erden, so vollkommen wie du gemacht bist, das kann nur Gott.«) heißt es in »God Was Showing Off«.

Solche Zeilen können nur wenige Künstler singen, ohne dass es schmalzig oder gar zum Schämen klingt. Aber Mars liefert sie mit einem Augenzwinkern ab und singt sie dermaßen charmant, dass dieser offensichtlich übertriebene Kitsch perfekt funktioniert. Der Song erreicht seinen Höhepunkt in einem rasanten Disco-Finale.

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»Why You Wanna Fight«, noch so eine traumhafte, emotionsgeladene Ballade, beginnt mit einem Gitarrensolo zum Niederknien, wie einst bei Rick James und seiner Stone City Band. Auf »The Romantic«, das mit der Unterstützung von Produzent und Songwriter D’Mile (Rihanna, H.E.R.) entstand, gibt es keine kalkulierten Hooks für die 15-Sekunden-Aufmerksamkeitsspanne. Im Gegenteil.

Geniale Harmonien

Philly Sound und Quiet Storm, das sanft-weiche R&B-Subgenre mit seinem romantischen Flair und der nächtlichen Atmosphäre, liegen Bruno Mars - wie eigentlich alles, was er musikalisch angeht. Der 40-Jährige, dessen Vater aus einer jüdischen Familie stammt, nimmt es mühelos mit den Musikgrößen der Vergangenheit auf. Mars etabliert sich endgültig als unbestreitbarer König des Soul der Gegenwart.

Bei »On My Soul« groovt der US-Superstar wie einst Curtis Mayfield (»Move On Up«). Selbst Latin Rock steht Mars gut zu Gesicht. In »Something Serious« spürt man den Geist von Santanas Klassiker, dem Tito-Puente-Cover »Oye Come Va«.

»The Romantic« als Retro-Trip zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Es ist vor allem ein perfektes Popalbum voller großartiger Songs mit echten Instrumenten, organischem Sound, genialen Harmonien und einem bestens aufgelegten, stimmlich versierten Bruno Mars. Die Produktion ist dabei modern und frisch. »The Romantic« ist oldschool, aber absolut nicht altbacken.

Die Laufzeit des Albums beträgt kaum mehr als eine halbe Stunde. Nur einer der neun Songs überschreitet die Vier-Minuten-Grenze. In der heutigen Zeit ist das fast ein wenig kurz. Aber Stars wie Taylor Swift es mit der Länge gelegentlich übertreiben, gilt bei Mars: Weniger ist mehr. »The Romantic« ist frei von Füllmaterial, jeder Song ist ein Treffer. Und jeder neue Durchlauf des Albums ein akustischer Hochgenuss.

Ab April geht Bruno Mars auf große »The Romantic«-Welttournee, die ihn im Sommer nach Europa führt. In Deutschland wird er im Juni drei Konzerte im Berliner Olympia-Stadion geben. (mit ja)

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