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»Amalie’s Cosmos«

Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand Foto: Astrid Ackermann Fotografie

Amalies Welt hat einen weiten Horizont. Willkommen ist, wer etwas zu erzählen hat – als Literat, als Musikerin, als Wissenschaftler oder Regent. Die Salonnière lädt ein. In ihrem Haus schlägt der Puls einer aufgeklärten Gesellschaft. Amalie Beer, geborene Meyer Wulff (1767–1854) war die Frau des jüdischen Zuckerfabrikanten Jacob Herz Beer und der Mittelpunkt eines ausgedehnten Netzwerkes, das viele verschiedene biografische Fäden miteinander verknüpfte.

Nun macht die in Paris geborene Harfenistin Anne-Sophie Bertrand bekannt mit Beers illustrer Gästeschar – durch Amalie’s Cosmos, ihre neue CD. Die Musikerin platziert das »La caccia« von Niccolò Paganini neben das »Capriccio« des in Tel Aviv geborenen zeitgenössischen Komponisten Nimrod Borenstein. Man trifft auf Franz Liszt und Mikhail Glinka, auf Fanny Mendelssohn oder Louis Spohr. Stets gegenwärtig ist Amalies berühmt gewordener Sohn Jakob. Giacomo Meyerbeer war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit. Auch seiner Musik gibt Bertrand Raum: mit dem von dem englischen Harfenisten Elias Parish Alvars für Harfe arrangierten »Nobil Signor« aus Les Huguenots.

Bertrand ist Teil einer russisch-jüdisch-amerikanischen Familie, die sie zugleich als »sehr französisch« bezeichnet.

Bertrand ist Teil einer russisch-jüdisch-amerikanischen Familie, die sie zugleich als »sehr französisch« bezeichnet. Seit 2000 gehört sie als Soloharfenistin zum hr-Sinfonieorchester und unterrichtet auch an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Einige der ausgewählten Werke hat sie selbst für Harfe eingerichtet, wie die »Sérénade« der Sängerin, Komponistin und Pianistin Pauline Viardot.

Es ist zu spüren, mit welcher Entdeckerinnenlust sie den Kosmos der Amalie Beer erkundet hat. Sie spielt in der ruhigen, klaren Form jenes Gebens und Nehmens, das eine fruchtbare, anregende Konversation auszeichnet. Sie lässt die Klangfarben ihres Instruments glänzen und beschenkt ihr Publikum mit wunderschöner Musik. Der Besuch in Amalies Welt spiegelt auch den Kosmos der Anne-Sophie Bertrand wider. Ihr Solo-Album trägt eine sehr persönliche Handschrift. Darüber hinaus setzt es einer emanzipierten jüdischen Frau aus Berlin ein längst überfälliges Denkmal.

Anne-Sophie Bertrand: »Amalie’s Cosmos«. Pentatone, Baarn 2026, 18 €

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