Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump bei der Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington Foto: picture alliance / Consolidated News Photos

In einem denkwürdigen Auftritt hat Melania Trump für eine neue Wendung im Epstein-Skandal gesorgt – und das Scheinwerferlicht auf sich und ihren Mann, den US-Präsidenten Donald Trump, gezogen. Die First Lady stritt eine Nähe zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ab und drohte mit juristischen Konsequenzen, sollten Falschbehauptungen darüber verbreitet werden. Was die First Lady zu dem Statement im Weißen Haus veranlasste, ließ sie offen – und bot damit Raum für Spekulationen.

»Die Lügen, die mich mit dem schmachvollen Jeffrey Epstein verbinden, müssen heute ein Ende finden«, sagte Melania Trump bei einem eigens anberaumten Pressetermin – eine Bühne, die die First Lady äußerst selten nutzt. Fragen der anwesenden Journalisten waren nicht zugelassen. Ihr Mann begleitete sie nicht. Und auch in den Stunden danach äußerte sich der Präsident nicht auf der Plattform Truth Social – wo er parallel anderes postete.

Warum kommt ihr Auftritt jetzt?

Fragen wirft der Zeitpunkt für ihren Auftritt auf: Melania stand bisher nicht im Mittelpunkt der Epstein-Ermittlungen. Beobachtern zufolge könnte sie den Auftritt genutzt haben, um anstehenden Veröffentlichungen vorzugreifen. Denn die First Lady verband ihre Aussagen auch mit der Drohung gegen all jene Akteure, die ihren Ruf beschädigen wollen. Jon Favreau, ein bekannter Podcaster aus den USA, schrieb auf der Plattform X: »Okay, wer wird nun die Melania/Epstein-Story veröffentlichen, der sie gerade zuvorkommen wollte?«. Viele andere Posts gingen in eine ähnliche Richtung.

Melania Trump stritt in ihrer rund sechsminütigen Erklärung auch eine engere Beziehung zu Epsteins Gehilfin Ghislaine Maxwell ab. »Meine E-Mail-Antwort an Maxwell kann nicht als mehr als eine lockere Korrespondenz eingestuft werden«, sagte die First Lady, ohne Details zu nennen.

Die Demokraten aus einem Kongressausschuss hatten zuvor eine Mail aus dem Jahr 2002 veröffentlicht, die sich an »G!« richtete und von »Melania« unterschrieben wurde. Darin geht es unter anderem um ein mögliches Treffen in New York und einen Artikel über »JE«. Die Angaben zum Absender und Empfänger wurden geschwärzt.

Multimillionär Jeffrey Epstein aus New York hatte vor Jahrzehnten einen Missbrauchsring betrieben, dem viele Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über mehrere Jahre hinweg soll Epstein Minderjährige etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. 2019 war Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis gestorben.

Melania gegen Donald Trumps Strategie?

Der Auftritt der First Lady wirft auch deshalb Fragen auf, weil er nicht zur Strategie passt, die das Weiße Haus in den vergangenen Monaten zum Epstein-Skandal verfolgte. Nämlich: oftmals zu schweigen oder abzuwiegeln, wenn Fragen zu Donald Trump aufkamen. Das Weiße Haus hatte in den vergangenen Monaten alles dafür getan, den Präsidenten so weit wie möglich von dem Skandal fernzuhalten.

Präsident Trump und seine Sprecherin betonten immer wieder, dass man sich Dingen zuwenden solle, die das Land wirklich bewegten. Die US-Regierung warf den Demokraten gar vor, den Epstein-Skandal als politisches Manöver gegen Trump zu nutzen. Melania Trump richtet mit ihrer Erklärung – gewollt oder ungewollt – einen Scheinwerfer nun auch auf ihren Mann.

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Donald Trump hatte sich mit Händen und Füßen gegen eine Veröffentlichung der Ermittlungsakten im Fall Epstein gewehrt, obwohl er noch im Präsidentschaftswahlkampf genau das Gegenteil gefordert hatte. Das hatte Spekulationen angeheizt. Epstein und Trump kannten sich – was per se erst einmal nichts heißt. Erst auf Druck des Kongresses setzte Trump dann seine Unterschrift unter die gesetzlich angeordnete Veröffentlichung der Ermittlungsakten.

Vorstoß zur Aufarbeitung im Kongress

Melania Trump sagte weiter, sie selbst sei kein Opfer von Epstein gewesen. Den Kongress forderte sie auf, Opfer des Sexualstraftäters unter Eid Aussagen zu lassen. »Jede einzelne Frau sollte auf Wunsch die Gelegenheit bekommen, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen.«

Zuspruch erhielt sie ausgerechnet vom demokratischen Abgeordneten Robert Garcia. Er forderte den zuständigen Ausschussvorsitzenden Republikaner, James Comer, auf, eine öffentliche Anhörung anzusetzen. Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie, der die Initiative zur Veröffentlichung der Epstein-Ermittlungsakten mit angestoßen hatte, stellte sich dem entgegen. Die Opfer hätten bereits die Chance zur Aussage gehabt, doch das US-Justizministerium sei untätig geblieben. Er forderte strafrechtliche Ermittlungen. dpa

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