Die kleinen runden, mit Zucker überzogenen Fruchtgelees sind perfekt, um sie bei Bar- oder Batmizwa-Feiern und auch bei Hochzeiten in Richtung Bima zu werfen. Sie sind weich genug, um die Feiernden nicht zu verletzen, einzeln verpackt, sodass nichts am Boden kleben bleibt, und auch noch koscher zertifiziert. Auch als Purim-Geschenk waren die »Sunkist Fruit Gems« ein vertrauter Anblick in amerikanischen Gemeinden – und ein vertrauter Geschmack. Deshalb war der Schreck groß, als im Mai das Ende der ein halbes Jahrhundert alten, so beliebten Süßigkeit verkündet wurde. Aus wirtschaftlichen Gründen.
In den 1950ern in Los Angeles bei der Firma Ben Myerson Candy geboren, bekamen die Fruchtgelee-Drops 1966 ihren Namen, als der amerikanische Getränkehersteller »Sunkist« wegen großen Fruchtüberschüssen nach neuen Verarbeitungsmöglichkeiten suchte. Das Unternehmen blieb jahrzehntelang familiengeführt, berichtet die charedische US-Plattform »Matzav«. Bis es 2006 von Jelly Belly Candy gekauft wurde – die mit den »Jelly Beans«. 2023 wiederum übernahm die Ferrara Candy Company, ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Dollar und deutlich aggressiverem Geschäftsgebaren.
Aufruhr in der jüdischen Gemeinschaft
Das überlebten die Sunkist Fruit Gems nicht. Die nationale Nachfrage sei nicht groß genug, zitierte die Online-Plattform »eJewishPhilanthropy« einen Ferrara-Candy-Mitarbeiter. Und weil die Unternehmen immer größer würden, würden es auch die Herstellungsstätten, was wiederum die Koscher-Zertifizierung gefährde, wenn nicht-koschere Süßigkeiten in den gleichen Maschinen hergestellt würden.
Die jüdische Gemeinschaft war in Aufruhr, sogar die »New York Times« berichtete über den süßen Verlust. Rabbiner versuchten, noch möglichst viel zu bestellen, bevor die Lager leer sind. Er habe 50 Pfund geordert, zitierte »JWeekly« einen Rabbiner aus Berkeley in Kalifornien.
»Es klingt albern, denn es sind ja nur Süßigkeiten«, sagte Gemeindemitglied Ilyssa Minkus aus Chicago im Gespräch mit »Haaretz«. »Aber es sind unsere Süßigkeiten, mit denen wir unser ganzes Leben zu wichtigen Anlässen beworfen wurden.«
Auch Sarah Nathan aus Ohio konnte es kaum fassen. Für ihre Batmizwa hätten ihre Eltern beim Rabbi extra eine Aufhebung des Wurfverbots erwirkt. Das Ende der Fruit Gems sei »wie ein Schlag in die Magengrube wegen all der Erinnerungen, die für mich damit verbunden sind«. Sie habe sogar schon überlegt, selbst welche herzustellen.
Rabbiner versuchten, noch möglichst viel zu bestellen, bevor die Lager leer sind.
Natürlich wurde sofort nach einer Alternative gesucht, manche Firmen boten eigenständig welche an, aber das war kein Ersatz für die alte Tradition, befanden viele Gemeinden. Neben Notkäufen kam es zu Petitionen wie »Save the ›Fruit Gems‹« in New York und emotionalen Nachrufen in den sozialen Medien. Und dann, obwohl in der doch eher kalten kapitalistischen Welt niemand so wirklich damit gerechnet hatte, zeigte sich Ferrara einsichtig und versprach nun, die Produktion ab 2027 wiederaufzunehmen.
Überwältigende Unterstützung für koschere Köstlichkeiten
In einem Social-Media-Post unter der Marke Sunkist heißt es: »Wir hören euch, Sunkist-Fruit-Gems-Fans! (…) Wir arbeiten mit einem neuen, vertrauenswürdigen, familiengeführten Süßigkeitenhersteller zusammen, der uns hilft, denselben großartigen Geschmack, die Qualität, die koschere Zertifizierung und die fruchtige Köstlichkeit zurückzubringen, die ihr kennt und liebt.«
Grund für die Entscheidung sei die »überwältigende Unterstützung und Begeisterung«, zitiert die »Jewish Telegraphic Agency« den Süßigkeitenhersteller. CandyRific in Kentucky werde die Tradition fortführen, und »alle wichtigen Produktmerkmale bleiben erhalten, auch die verschiedenen Fruchtaromen«.
Bevor die Weiterführung der beliebten Frucht-Drops bekannt wurde, habe er riesige Mengen für seine Hochzeit im nächsten Jahr gekauft, kommentierte ein »Panikkäufer« in den sozialen Medien den guten Ausgang der Geschichte. »Jetzt komme ich mir etwas albern vor.« Aber nun könne er jede Menge Fruchtgelee genießen.