Das Schweizer Fußballnationalteam der Frauen spielt am kommenden Freitag und Dienstag in den WM-Playoffs gegen Israel. Das erste der beiden Spiele ist ein Heimspiel für Israel, findet aber aus Sicherheitsgründen in Budapest statt. Beide Mannschaften wollen sich das Ticket für die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Brasilien sichern. Für die Schweiz ist Israel sportlich betrachtet kein schwerer Gegner, doch die Auslosung hat im Schweizer Team für eine neue Boykott-Debatte gesorgt.
Kurz vor den WM-Playoffs wurde im Schweizer Team darüber diskutiert, ob und wie ein Zeichen gegen den Krieg in Gaza gesetzt werden könnte. Die ehemalige Nationalspielerin Noa Schärz ging so weit, dass sie den Schweizerischen Fußballverband in einem offenen Brief dazu aufforderte, die beiden Spiele gegen Israel zu boykottieren. Als mögliche kleinere Protestformen nannte sie unter anderem einen Pin oder ein T-Shirt mit einer politischen Botschaft.
Auch einen möglichen Boykott einer Spielerin würde man gemäß dem technischen Direktor der Frauen-Nationalmannschaft und ehemaligem Nationalspieler, Johan Djourou, respektieren. »Die Diskussion ist offen. Wir werden mit den Spielerinnen sprechen, auch ihre Ideen anhören und akzeptieren. Die Spielerinnen haben Priorität.«
Damit wählte der Verband zunächst einen anderen Ton als manche Sportfunktionäre, die politische Proteste im Sport grundsätzlich ablehnen. Er wolle die Diskussion zulassen und den Spielerinnen keine Haltung vorschreiben. Gleichzeitig machte Djourou deutlich, wo für ihn die Grenze liegt: Er sei gegen Krieg und wolle die Augen vor dem Leid von Kindern und Familien nicht verschließen. Auf dem Spielfeld aber müsse der Sport im Zentrum stehen. Israelische Spielerinnen seien Gegnerinnen, nicht politische Repräsentantinnen.
Inzwischen ist klar: Zu einem Boykott des Spiels kommt es nicht. Das Captain-Team um Lia Wälti, Noelle Maritz, Ana-Maria Crnogorcevic und Géraldine Reuteler hat sich mit Trainerstab und Verband ausgetauscht. Protestaktionen auf dem Platz seien nicht vorgesehen. Einzelne Spielerinnen hätten zwar weiterhin die Möglichkeit, auf einen Einsatz zu verzichten, bislang habe sich dafür jedoch niemand gemeldet.
Ganz anders verhielten sich vergangene Woche die Männer der Nations League, wo es beim Spiel zwischen Irland und Israel zu Protestaktionen kam. Während Trainer Heimir Hallgrimsson eine Pressekonferenz abbrach, boykottierte der irische Ersatztorwart Gavin Bazunu die Partie. Die restlichen irischen Spieler senkten bei der israelischen Hymne demonstrativ die Köpfe und trugen schwarze Armbinden. Sie vermieden auch das Abklatschen der Spieler.
