Fußball

Irischer Nationalspieler im Kreuzfeuer

Finn Azaz, hier bei einem Spiel seines Clubs Southampton FC, hat einen irischen Vater und eine israelische Mutter Foto: picture alliance / PA Images

Der Fußballprofi Finn Azaz steht beim englischen Zweitligisten FC Southampton unter Vertrag. Azaz ist 26 Jahre alt. Über seinen aus Cork stammenden Vater hat er die Staatsangehörigkeit Irlands und für die Auswahl von der Grünen Insel bereits 15 Länderspiele absolviert.

Doch jetzt soll der Mittelfeldspieler offenbar überlegen, seine Karriere in der Nationalmannschaft an den Nagel zu hängen. Der Grund: Azaz’ Mutter stammt aus Israel – jenem Land, das viele Iren aktuell so hassen wie kaum ein zweites auf der Welt.

Der Stammtorhüter der irischen Nationalmannschaft, Gavin Bazunu, verweigerte sogar die Teilnahme an den beiden Pflichtspielen gegen Israel, die diese Woche im Rahmen der UEFA Nations League auf dem Spielplan stehen. Das erste fand am Sonntag statt. Bazunu steht damit stellvertretend für viele Iren, die Israel einen Genozid an den Palästinensern in Gaza vorwerfen und Israels Ausschluss aus dem europäischen Fußball fordern.

Im Kader, aber beim ersten Spiel nicht auf dem Platz

Doch die irische Mannschaft trat im ungarischen Debrecen, wo die erste Begegnung stattfand, an. Das geschah wohl nicht so sehr aus Sportsgeist, sondern weil Irland sonst ein Punktverlust und möglicherweise der Abstieg in die Liga C der Nations League gedroht hätte. Am Ende besiegten die Iren Israel mit 3:0 und konnten drei wertvolle Punkte mit nach Hause nehmen. Den Handschlag mit den Gegnern verweigerten die Spieler aber, und während der Hatikva, der israelischen Nationalhymne, senkten sie demonstrativ den Kopf.

Am Donnerstag steht das Rückspiel an. Es findet im serbischen Bačka Topola statt. Eigentlich wäre die Begegnung ein Heimspiel für Irland gewesen. Doch der irische Fußballverband FAI sah angesichts der Stimmung zu Hause darin ein Sicherheitsrisiko und bestand gegenüber der UEFA auf einer Austragung ohne Zuschauer in einem anderen Land.

Finn Azaz kam beim Hinspiel nicht zum Einsatz, obwohl er zum Kader gehörte, den Irlands isländischer Trainer Heimir Hallgrímsson mit nach Ungarn genommen hatte. »Das war meine Entscheidung, er war nicht fit genug, um dieses Spiel zu bestreiten«, sagte Hallgrímsson. »Er befindet sich in einer anderen Situation als die anderen Spieler in unserem Kader, und wir haben ihn auf diesem Weg unterstützt.«

Azaz ist stolz auf seine israelische Großmutter

Über seine familiären Verbindungen zu Israel hat Azar schon öfter gesprochen. Er hätte wegen seiner israelischen Mutter auch für Israel spielen dürfen, entschied sich aber schon früh für Irland und bezeichnete seine Berufung in das Nationalteam als »Traum«.

Aber auch auf Israel ist er stolz – und besonders auf seine Safta, Yaffa Azaz. »Meine Großmutter war eine ganz besondere und einzigartige Frau. Sie diente als Generalin in der israelischen Armee und kam dann nach England und baute ganz allein ein äußerst erfolgreiches Unternehmen auf«, sagte Finn Azaz im vergangenen Jahr der »Sunday Times«.

Yaffa Azaz starb 2023 im Alter von 91 Jahren. Ihr Mann, Finns Großvater, war der israelische Bildhauer Nechama Azaz (1923-2008), der in Berlin geboren worden war und später ins damalige Mandatsgebiet Palästina auswanderte. Den ursprünglichen Familiennamen Zajdman änderte er später in Azaz.

Sein Enkel Finn wurde zwar in London geboren, wuchs jedoch in Birmingham auf. Das sei seine Heimat, verriet Azaz der »Sunday Times«, er fühle sich folglich als »Brummie«, wie die Bewohner Birminghams sich selbst nennen. Sein Vater, Tim Hudson, brachte ihm schon in jungen Jahren das Fußballspiel bei. »Er war derjenige, der mich an den Armen festhielt, als ich mit zwei den Ball trat.«

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Vergangenen Freitag soll Azaz einer der Wortführer gewesen sein, die sich deutlich gegen einen Boykott des Spiels gegen Israel positionierten. Die irische Mannschaft habe mehrere Stunden lang darüber diskutiert, ob sie die beiden Spiel bestreiten solle, und Azaz habe in der Mannschaftsbesprechung eine »leidenschaftliche Rede« gehalten, wie mehreren Zeitungen berichteten. Mit »eindeutiger Mehrheit«, so FAI-Geschäftsführer David Courell anschließend bei einer Pressekonferenz, hätten die Spieler einen Boykott abgelehnt. Zu den Einzelheiten der Diskussion wollte sich Courell aber nicht äußern.

Ob Finn Azaz nach den bitteren Debatten auch weiter in der irischen Auswahl spielen wird, ist noch unklar. »Angesichts des Charakters dieser Debatte« schrieb die irische Nachrichtenseite »The42« ohne Angaben von Quellen, gehe man beim irischen Fußballverband davon aus, dass Azaz seine Länderspielkarriere für Irland demnächst vorzeitig beenden könnte. Der Betroffene selbst äußerte sich zunächst nicht dazu. Ob er im zweiten Spiel gegen Israel auflaufen wird, ist noch unklar.

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