Olympia

Mit dem Kopf voraus für Israel

In Pyeongchang wird es eine Premiere ge­ben, zumindest wenn man Adam Edelman glaubt: Zum ersten Mal wird ein orthodoxer Jude bei Olympischen Winterspielen antreten. Nämlich Adam Edelman. Und zwar im Skeleton. Das ist eine Sportart, bei der man über eine gewisse Unerschrockenheit verfügen muss, denn man rast mit dem Kopf voran durch die Kurven einer Eisbahn.

Im Grunde ist Adam Edelman, der für Israel antritt und in Boston/USA lebt, Eishockeyspieler, und ein sehr guter noch dazu.
Ein Sportstipendium lehnte er vor einigen Jahren allerdings ab, weil er dann die Yeshiva Lev Hatorah in Israel vorzeitig hätte verlassen müssen, die er vor dem College besuchte.

schabbat Während seines Maschinenbaustudiums am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston spielte Edelman in der dortigen Mannschaft Eishockey. »Man gab sich alle Mühe, Spiele nicht auf den Schabbat zu legen, und wenn das mal nicht klappte, dann habe ich eben nicht gespielt«, erinnert er sich. Was er getan hätte, wenn die Skeleton-Wettbewerbe in Südkorea auf dem Schabbat lägen, weiß er nicht. »Ich habe einfach Glück, dass das nicht der Fall ist.«

Am MIT sah er auch zum ersten Mal einen Skeletonschlitten, probierte ihn aus und war sofort begeistert. Hilft ihm sein Ingenieurswissen denn auch beim Sport? »Skeleton ist ein hoch technischer Sport«, bestätigt Edelman. »Zu verstehen, wie der Schlitten sich verhält und wie man Kurven optimal anfährt, ist essenziell. Dabei hilft mir meine Ausbildung durchaus.«
Edelman weiß aber auch: »Es ist gefährlich, es ist schmerzvoll, und es macht Spaß. Ich liebe es.« Beim Skeleton könne man viel über sich selbst lernen. »Schaue ich der Gefahr ins Auge und gehe auf sie zu? Oder laufe ich vor ihr weg? Bin ich immer voller Furcht? Skeleton bringt einem bei, die eigenen Ängste zu überwinden.«

Die Skeleton-Community ist sehr überschaubar, bestätigt der Sportler, »man ist sich sehr nah. Wir kennen uns alle, wirklich alle, egal ob man Sportler ist oder in der Entwicklung arbeitet«. Das sei nicht immer gut, findet Edelman, denn die Folge sei Laschon hara, also negative Äußerungen über andere. Daher sei er froh, wenn er eines Tages nicht mehr zu den Skeletonis gehört, sagt Edelman.

ehre Und was ist sein sportliches Ziel bei den Olympischen Spielen? Da muss Edelman etwas ausholen. Dass er von Israel ins Olympiateam berufen wurde, sei die größte Ehre seines Lebens. »Ich liebe Israel zutiefst, es ist ein unglaubliches Gefühl für mich, das Land repräsentieren zu dürfen.« Sein Ziel sei nicht, einen bestimmten Platz zu erreichen, »ich möchte meinen Sport so ausüben, dass es die Israelis stolz macht und sie und die anderen Juden dazu inspiriert, das Unmögliche zu versuchen.«

Das gilt auch für die große Politik. »Ich hoffe sehr, dass ich Athleten aus Nordkorea treffen kann«, sagt Edelman zu den Plänen eines gemeinsamen süd- und nordkoreanischen Teams. »Was wäre das für eine Ehre, wenn ich vielleicht der einzige Jude wäre, den sie bisher getroffen haben, und vermutlich sogar der letzte. Das wäre aber auch eine große Verantwortung, denn sie würden ja ihre Eindrücke von mir mit nach Hause nehmen und dort dann davon erzählen, wie sie diesem Israeli begegnet sind.«
Einen Nordkoreaner hat er noch nicht getroffen, Antisemiten jedoch schon oft, auch in der kleinen Skeleton-Szene. »Ich wurde sogar einmal explizit ›dreckiger Jude‹ genannt.«

Dem Hass entgegenzutreten, dazu dient Adam Edelman auch sein Sport. »Stereotype können nämlich dadurch bekämpft werden, dass man ein guter Botschafter, ist.« So will Edelman in Pyeongchang antreten

Abstimmung

Schweizer lehnen Bevölkerungsgrenze ab

Soll die Bevölkerung des Landes auf zehn Millionen Menschen begrenzt werden? Darüber sollten die Schweizer heute abstimmen

 14.06.2026

New York

Wie mein Junge das Essen lernte

Lange verzweifelte unser Autor an den Speisegewohnheiten seines Sohnes. Ein Jahr vor dessen Barmizwa unternimmt der Vater einen letzten Versuch: Gemeinsam begeben sie sich auf eine kulinarische Weltreise durch ihre Heimatstadt

von Hannes Stein  14.06.2026

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Norwegen

Wenn die Sonne weder unter- noch aufgeht

Warum der Schabbat und manche Feiertage im hohen Norden eine Herausforderung sein können

von Elke Wittich  12.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

WM 2026

Schweizer Fußball-Stars begeistern jüdische Kinder

Kinder und Jugendliche einer jüdischen Schule in San Diego haben mit der Schweizer Nationalmannschaft Fußball gespielt

von Nicole Dreyfus  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026

Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Zack Polanski gehört ebenso wie Jeremy Corbyn zu den Unterstützern einer Kampagne, die sich gegen britische Staatsbürger im israelischen Militär richtet

 05.06.2026