England

Maccabi-Fan-Bann: Ministerin entzieht Polizeichef das Vertrauen

Polizei vor dem Stadion von Aston Villa am 6. November 2025 Foto: IMAGO/SOPA Images

Die Kontroverse um den Ausschluss von Fans des israelischen Fußball-Klubs Maccabi Tel Aviv beim Champions-League-Spiel am 6. November gegen Aston Villa im englischen Birmingham hat eine neue Wendung genommen.

Innenministerin Shabana Mahmood hatte Sir Andy Cooke gebeten, das Zustandekommen der Entscheidung der West Midlands Police zu überprüfen. Nun legte Cooke, Chef von »His Majesty’s Inspectorate of Constabulary«, seinen Bericht vor – und löste damit neue Diskussionen aus. Mahmood ging sogar so weit, im Unterhaus offen auszusprechen, dass der Polizeichef von Birmingham nicht mehr ihr Vertrauen genieße – eine unverhohlene Aufforderung an Craig Guildford, seinen Hut zu nehmen.

Guildford hatte zuvor schon Kritik der britischen Regierung und auch von jüdischen Organisationen erhalten, weil seine Polizeitruppe im Oktober geraten hatte, nach den Vorfällen in Amsterdam im November 2024 keine Tickets an Fans aus Israel zu verkaufen. Formal wurde diese Entscheidung zwar von einem örtlichen Gremium getroffen, welches sich aber auf die Risikoeinschätzung der Polizei stützte und deren Rat folgte.

Und die war offenbar fehlerhaft, wie aus dem Cooke-Bericht hervorgeht. Die West-Midlands-Polizei habe irreführende Informationen über die Vorgänge in Amsterdam ein Jahr zuvor geliefert, monierte der Berichterstatter. Zwar habe es in Amsterdam Hinweise darauf gegeben, dass Maccabi-Anhänger »Muslime und Palästina-Sympathisanten« angegriffen hätten.

»Polizei hat nur Beweise gesucht, die die eigene Position untermauern«

Doch einige der Zahlen und Schilderungen der Ausschreitungen dort, die die Polizei in England zugrundlegte, seien übertrieben gewesen. So war anstatt von 1200 Polizeibeamten, die tatsächlich zur Bewachung des Spiels gegen Ajax Amsterdam abgestellt waren, im englischen Bericht von 5000 die Rede. Zudem habe die West Midlands Police behauptet, Maccabi-Fans hätten Muslime angegriffen und in einen Amsterdamer Fluss geworfen, was nicht stimme, so Cooke in seinem Bericht.

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So sei nicht berücksichtigt worden, dass in Amsterdam auch israelische Fans antisemitisch angefeindet worden waren. Die Risikoanalyse habe deswegen nicht mit den Ratschlägen übereingestimmt, die die niederländische Polizei den englischen Kollegen tatsächlich übermittelt hatte.

Das Ausmaß der Ausschreitungen in Amsterdam und insbesondere die Rolle der Maccabi-Fans dabei sei übertrieben worden. Deswegen habe die Entscheidung, Anhänger des israelischen Erstligisten vom Spiel gegen Aston Villa auszuschließen, auf falschen Informationen beruht, so Cooke. Die West-Midlands-Polizei habe es zudem versäumt, mit Mitgliedern der örtlichen jüdischen Gemeinde in Kontakt zu trete.

Innenministerin Mahmood nannte den Vorgang ein »Führungsversagen« und fügte hinzu: »Anstatt den Beweisen zu folgen, hat die Polizei nur nach Beweisen gesucht, die ihre gewünschte Position, nämlich die Fans auszuschließen, untermauert hat.« mth

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