Bergen-Belsen

Holocaust-Überlebender Tomi Reichental gestorben

Tomi Reichental sel.A. Foto: picture alliance / empics

Bergen-Belsen

Holocaust-Überlebender Tomi Reichental gestorben

In Irland gehörte er zu den prominentesten Zeitzeugen des Holocaust. Tomi Reichental überlebte als Kind das KZ Bergen-Belsen. Jetzt ist er gestorben

von Karen Miether  01.06.2026 17:25 Uhr

Der irische KZ-Überlebende Tomi Reichental ist tot. Wie die niedersächsische KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen am Montag auf ihrer Internetseite mitteilte, starb er am Sonntag im Alter von 90 Jahren in Irland. Damit ist ein weiterer Zeitzeuge des Holocaust nicht mehr am Leben.

Tomi Reichental wuchs auf einem Bauernhof in der Slowakei in einer jüdischen Familie auf. 1944 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Bruder und der Großmutter nach Bergen-Belsen verschleppt.

In dem KZ starb die Großmutter nach Angaben der Gedenkstätte im März 1945. Bei seiner Befreiung durch britische Truppen einige Wochen später war Tomi Reichental neun Jahre alt. »Ich war wie ein Skelett«, so hatte er es vor einigen Jahren berichtet: »Nur Haut und Knochen.«

Jahrzehnte schwieg er über das Erlebte

Nach Angaben der Gedenkstätte kehrte die Familie zunächst zurück in ihre Heimat und emigrierte dann 1949 nach Israel. Dort diente Reichental ab 1953 in der Armee. Nach einer Ausbildung zum Ingenieur lebte er ab 1959 in Irland und leitete eine Maschinenbaufabrik.

60 Jahre lang hatte er über seine Kindertage im KZ nicht gesprochen, wie er 2020 sagte. »Ich wollte es vergessen, aber so etwas kann man nicht vergessen.« Erst spät wurde Reichental zu einem der prominentesten Zeitzeugen in Irland und darüber hinaus. Es entstanden mehrere Dokumentarfilme sowie seine Autobiografie »I Was A Boy In Belsen«, die er 2011 veröffentlichte. Für sein Engagement erhielt er in Irland zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.

In Bergen-Belsen starben während der NS-Zeit rund 20.000 Kriegsgefangene und mehr als 52.000 Häftlinge des Konzentrationslagers an Hunger und Seuchen, durch Übergriffe der SS oder an den Folgen der Haft. Darunter war auch das jüdische Mädchen Anne Frank, dessen Tagebuch später weltberühmt wurde.

Nachruf

Gloria Steinem: Ein Leben im Dienst der Gleichberechtigung

Die Journalistin und feministische Aktivistin starb im Alter von 92 Jahren. Mit ihrem Magazin »Ms.« veränderte sie den Blick auf Frauen nachhaltig

 04.09.2026

Schweiz

»Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!«

Der neunjährige Nathan Hertig ist eines von 25 jüdischen Kindern des FC Hakoah Zürich, die die Profis des FC Zürich ins Stadion begleiten durften. Im Interview erzählt er von diesem Erlebnis

von Nicole Dreyfus  03.09.2026

Terezín 2050

Theresienstadt: Zwischen Gedenken und Weiterleben

Einst Habsburger Festung, dann NS-Ghetto, heute tschechische Kleinstadt: Terezín (Theresienstadt) ist Erinnerungsort und lebendige Stadt zugleich. Internationale Forscher suchen nach Perspektiven für den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft

 03.09.2026

Ungarn

Jüdisches Leben nach Orbán

Die neue Regierung verspricht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass – und Partnerschaft auf Augenhöhe

von György Polgár  03.09.2026

USA

Warum Punk so jüdisch ist

In New York fing es an. In London wurde es Modetrend. Aber was hat eigentlich Lenny Bruce damit zu tun?

von Sarah Thalia Pines  31.08.2026

Interview

»Die Lage der schwedischen Juden ist schrecklich«

Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin Simona Mohamsson über den Davidstern und die Vermischung von Israel-Kritik und Antisemitismus

von Michael Thaidigsmann  31.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026