Der irische KZ-Überlebende Tomi Reichental ist tot. Wie die niedersächsische KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen am Montag auf ihrer Internetseite mitteilte, starb er am Sonntag im Alter von 90 Jahren in Irland. Damit ist ein weiterer Zeitzeuge des Holocaust nicht mehr am Leben.
Tomi Reichental wuchs auf einem Bauernhof in der Slowakei in einer jüdischen Familie auf. 1944 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Bruder und der Großmutter nach Bergen-Belsen verschleppt.
In dem KZ starb die Großmutter nach Angaben der Gedenkstätte im März 1945. Bei seiner Befreiung durch britische Truppen einige Wochen später war Tomi Reichental neun Jahre alt. »Ich war wie ein Skelett«, so hatte er es vor einigen Jahren berichtet: »Nur Haut und Knochen.«
Jahrzehnte schwieg er über das Erlebte
Nach Angaben der Gedenkstätte kehrte die Familie zunächst zurück in ihre Heimat und emigrierte dann 1949 nach Israel. Dort diente Reichental ab 1953 in der Armee. Nach einer Ausbildung zum Ingenieur lebte er ab 1959 in Irland und leitete eine Maschinenbaufabrik.
60 Jahre lang hatte er über seine Kindertage im KZ nicht gesprochen, wie er 2020 sagte. »Ich wollte es vergessen, aber so etwas kann man nicht vergessen.« Erst spät wurde Reichental zu einem der prominentesten Zeitzeugen in Irland und darüber hinaus. Es entstanden mehrere Dokumentarfilme sowie seine Autobiografie »I Was A Boy In Belsen«, die er 2011 veröffentlichte. Für sein Engagement erhielt er in Irland zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.
In Bergen-Belsen starben während der NS-Zeit rund 20.000 Kriegsgefangene und mehr als 52.000 Häftlinge des Konzentrationslagers an Hunger und Seuchen, durch Übergriffe der SS oder an den Folgen der Haft. Darunter war auch das jüdische Mädchen Anne Frank, dessen Tagebuch später weltberühmt wurde.