USA

Koch, Charmeur, Erzähler

Meisterkoch, Autor, Fernsehproduzent: Anthony Bourdain (1956–2018) Foto: dpa

»Ich habe niemals eine Synagoge betreten. Ich glaube an keine höheren Mächte. Aber ich glaube nicht, dass mich das weniger jüdisch macht.« Dieser Satz, den Anthony Bourdain 2013 in seiner legendären Fernsehserie Parts Unknown in Jerusalem sagte, ist ein Musterbeispiel für seine Art, von sich zu erzählen – und etwas durch Widersprüche zu erklären.

Der letzte Widerspruch war tödlich. An­thony Bourdain, Meisterkoch, Autor, Fernsehproduzent – und vor allem einer der begnadetsten Erzähler seiner Zeit, ein Mann, der das Leben bis zum Exzess lebte und liebte –, dieser barocke Charmeur und feinfühlige Rocker, litt an Depressionen. Mit 61 Jahren setzte er am 8. Juni ausgerechnet im kulinarisch so hedonistischen Elsass, im Weiler Kaysersberg, seinem Leben ein brüskes Ende. Hier wohnte er während aktueller Dreharbeiten im Hotel.

Bestseller Bourdain, einst ein gefeierter Spitzenkoch, war ein Reisender – jemand, der unterwegs ist, nicht um anzukommen, sondern um Erfahrungen zu sammeln und sie weiterzugeben. So wie in seinem ersten Bestseller Kitchen Confidential, der im Jahr 2000 tiefe Einblicke in Amerikas Gastroszene zuließ, intim, aber niemals voyeuristisch, unverfroren, doch nie impertinent. Bourdain begründete in diesem Buch in Schriftform, was er später in seinen Sendeformaten No Reservations und Parts Unknown perfektionieren sollte. Gnadenlos offen, doch stets humorvoll warf er den Blick hinter die Dinge.

Bourdain revolutionierte unseren Blick aufs Essen und fremde wie vertraute Länder, auf den Respekt vor Lebensmitteln und die Liebe zur Vielfalt der Welt – lange bevor hierzulande Köche im Fernsehen um die Wette rührten.

Bourdain rührte nicht, er berührte. Oder wie es der ehemalige US-Präsident Barack Obama formulierte, nachdem er in einer Episode von Parts Unknown 2016 in Hanoi von Bourdain in die kulinarischen Genüsse der 4,50-Euro-Nudelgerichte eingeführt worden war: »Er lehrte uns viel über das Essen – und noch mehr darüber, wie Essen uns einander näherbringen kann.«

Toleranz Anthony Bourdain war einer der letzten großen Geschichtenerzähler, sei es im Fernsehen oder in seinen Büchern. Er brachte uns über den Genuss auch die Toleranz für das Andersartige bei. Dabei garnierte er seine Freude am Essen mit Metaphern, die so rau waren wie das Gitarrenriff seines Intros bei Parts Unknown. Veganer? Eine »Hisbollah-Splitterguppe der Vegetarier«. Der Körper? »Kein Tempel, sondern ein Vergnügungspark. Genießt die Fahrt!«

Bourdain hinterlässt seine Freundin Asia Argento und seine elfjährige Tochter. Und er hinterlässt uns – fassungslos darüber, wie jemand, der das Leben so verschlang wie er, an diesem Leben dermaßen verzweifeln konnte.

New York

Jüdischer Vertreter kritisiert Bürgermeister Mamdani für Stadtkarte

Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in den USA hat New York eine Karte zu unterschiedlichen migrantischen Prägungen seiner Stadtteile herausgegeben. Juden wurden dabei offenbar nicht berücksichtigt

 12.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  12.07.2026

Maccabia

Zwischen Medaillen und Menschlichkeit

Für die Schweizer Delegation ist klar, das Spiel ist wichtig, aber neue Freundschaften sind wichtiger

von Nicole Dreyfus  10.07.2026

Niederlande

»Juden ins Gas«-Rufe nach Marokkos WM-Niederlage

In Den Haag kam es in der Nacht zu Ausschreitungen und antisemitischen Sprechchören

 10.07.2026

Einzelbild, Single image: Erling Haaland Norway, 9 FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball 2026: Brazil v Norway 05 July 2026, FIFA World Cup 2026: Brazil v Norway Round of 16 at New York New Jersey Stadium in East Rutherford, New Jersey, USA. *** Single image: Erling Haaland, Norway FIFA World Cup 2026: Brazil vs. Norway, July 5, 2026 FIFA World Cup 2026: Brazil vs. Norway, Round of 16, at New York New Jersey Stadium in East Rutherford, New Jersey, USA Copyright: HMBxMedia/xMarcoxBader

Verschwörungsmythen

Norwegens WM-Star Erling Haaland im Visier von Antisemiten

Samstagabend spielt der Angreifer von Manchester City mit Norwegen gegen England. Die ehemalige Hamas-Geisel Omer Shem Tov wird ihm dabei die Daumen drücken. Israelfeinden gefällt das nicht.

von Elke Wittich  10.07.2026

Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Die Kontroverse um den Auftritt der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres israelischen Chefdirigenten hält an: Zwei Französinnen verkündeten nun, dass sie nicht wie geplant im Brüsseler Bozar auftreten wollen

 09.07.2026

USA

Aus dem »Deep Shtetl« zur »New York Times«

Yair Rosenberg soll es richten. Der Journalist schreibt fortan über jüdisches Leben und Antisemitismus in den Vereinigten Staaten

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Nachruf

Louise Lasser, die Frau, die Mary Hartman erfand, ist tot

Die Schauspielerin vertrat Barbra Streisand auf dem Broadway und war mit Woody Allen verheiratet. Sie wurde 87 Jahre alt

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026