Österreich

Jüdische Familie aus Taxi geworfen

Ein Taxifahrer in Wien attackierte eine jüdische Familie, nachdem sie in ein Restaurant fahren wollte. Foto: picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com

Erneut ereignete sich letzte Woche in Wien ein weiterer Fall von Antisemitismus. Wie die »Kronen Zeitung« am Montag meldete, soll am Freitag eine jüdische Familie, die mit einem Uber in der Wiener Innenstadt unterwegs war, vom Fahrer zuerst beleidigt und anschließend aus dem Auto geworfen worden sein.

Laut der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) bestellte das Ehepaar, das mit seinen beiden Kindern im Alter von zehn und dreizehn Jahren sowie einer 75-jährigen Frau unterwegs war, ein Uber. Die Familie wollte zu einem Restaurant, um einen Geburtstag zu feiern. Als der Fahrer unterwegs jedoch vernahm, dass ein Teil der Familie aus Israel stammt, rastete er aus und soll die Familie als »Mörder« beschimpft haben. Er wolle keine »Kindermörder« in seinem Wagen haben, schrie er die Familie an.

Anschließend habe der Fahrer am Straßenrand angehalten und die Familie zum Verlassen des Fahrzeugs gezwungen. Die Familie muss sichtlich unter Schock gestanden haben, doch der Fahrer hielt am Straßenrand, stieg selbst aus und zwang dann die Familie auszusteigen. Auf der Straße setzte er seine Hasstirade fort, bevor er den Mann der Familie körperlich angriff, wie die »Kronen Zeitung« berichtet.

Die Familie meldete den Vorfall umgehend bei der Antisemitismus-Meldestelle der IKG, die die Familie wiederum zur Polizei begleitete, um Anzeige zu erstatten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch IKG-Präsident Oskar Deutsch äußerte sich in den sozialen Medien zum Vorfall: »Als ein Taxilenker erfährt, dass seine Fahrgäste jüdisch sind und einige aus Israel kommen, beschimpft er die fünf Personen antisemitisch und zwingt sie auszusteigen. Das Weinen der Kinder ist ihm nicht genug. Er stößt den Vater und droht ihm weitere Schläge an.«

Deutsch wandte sich auch indirekt an die österreichische Politik: »Es reicht nicht mehr, antisemitische Diskriminierung, Beschimpfungen, Drohungen und physische Angriffe nur zu verurteilen.« Es herrsche auch in Österreich eine Situation, »in der Beleidigungen und Diskriminierungen von Juden als Kavaliersdelikt verharmlost und später oft legitimiert wird«. Und weiter: »Wo soll das hinführen? Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden angesichts der Bedrohungslage ständig daran denken, jüdische Symbole zu verstecken, die Sprache nicht zu sprechen oder gewisse Regionen gänzlich zu meiden. So kann es nicht weitergehen!«

Der antisemitische Vorfall im Uber-Fahrzeug ist in Österreich kein Einzelfall mehr. Seit dem 7. Oktober 2023 stiegen die antisemitischen Attacken neben Deutschland und in der Schweiz auch in Österreich rasant an. Innerhalb weniger Wochen ereigneten sich in Österreich mehrere Vorfälle. Im Juli hatte es einen Eklat gegeben, nachdem sich drei Musiker in einer Pizzeria im 15. Bezirk auf Hebräisch unterhalten hatten. Den Musikern, die für ein Konzert nach Wien gereist waren, verweigerte ein Kellner den Service mit der Aussage: »Dann gehen Sie. Ich serviere Ihnen kein Essen.«

Lesen Sie auch

Eine Woche später wollte ein israelisches Ehepaar in Tirol seine silberne Hochzeit auf dem Campingplatz feiern und wurde von den Campingplatzbetreibern bei der Einfahrt schroff abgewiesen, als das Paar die israelischen Pässe vorweisen wollte. Der Rauswurf sorgte beim Ehemann, der am 7. Oktober 2023 als Sicherheitsmann des Kibbuz Nahal Oz gegen Hamas-Terroristen gekämpft hatte, für schmerzhafte Erinnerungen.

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Großbritannien

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Die jüdische Gemeinschaft sieht den neuen Premier Andy Burnham kritisch – er will die Nahostpolitik des Landes ändern

von Rudolf Hönnige  23.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026