USA

Comedy mit Kriegsbemalung

Iliza Shlesinger (34) kann über vieles lachen – nur nicht über Antisemitismus, der sich als Kritik an Israels Politik tarnt. Foto: picture alliance / FS//AdMedia

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026 16:22 Uhr

Ohne Publikum, kein Witz, hat Sigmund Freud einmal gesagt und meinte damit, dass ein Witz gehört werden muss, um einer zu sein. Und wenn das Publikum lacht, dann ist er auch witzig, mindestens tief im Innern.
Nachdem die Stand-up-Comedy seit den 60er-Jahren in den USA zuallererst jüdisch, vor allem aber männlich geprägt war – man denke nur an den großen Lenny Bruce –, ist nun die Zeit für Iliza Shlesinger gekommen.

Die Frau aus Texas gilt als witzigster jüdischer Millennial, ist in den Top 20 der witzigsten jüdischen Comedians der Trump-Ära und tourt gerade mit ihrer Show »Iliza! Live« durch die USA, mit Stopps auf den ehrwürdigen Comedybühnen des Landes.

Geboren 1983 in New York, aufgewachsen in Dallas, reformjüdisch erzogen

Geboren wurde sie 1983 in New York, wuchs jedoch in Dallas auf. Sie wurde reformjüdisch erzogen, war mit 17 auf einer Jugendreise in Israel und erinnert sich bis heute gern an ihre Batmizwa. Sie hat in Kansas Filmwissenschaften studiert und schloss sich später in Boston der Improvisationsschauspielgruppe »Jimmyʼs Traveling All-Stars« an, wo auch ihr Kollege Dan Levy seinen Anfang machte. 2007 gewann Shlesinger den MySpace-Stand-up-Wettbewerb. 2008 zog sie nach Los Angeles.

Plötzlich wurde ihr Leben »verrückt«, Erfolg reihte sich an Erfolg.

Plötzlich wurde ihr Leben »verrückt«, Erfolg reihte sich an Erfolg. Sie habe sich gefühlt, als trüge sie »Kriegsbemalung«, erinnerte sie sich später, vor allem, nachdem sie, ebenfalls 2008, den wichtigsten unter den Comedy-Wettbewerben des Landes gewann: »Last Comic Standing« – als erste Frau und jüngste Teilnehmerin in der Geschichte der Show. Sie habe nicht einfach nur gewonnen, sie habe die Konkurrenz zertrümmert, stellte Shlesinger sehr schnell klar.

Auf der Bühne trug sie moosgrüne, mit dem Wort »Kobold« bedruckte Pullover

Mit dem großen Selbstbewusstsein kamen auch mehr und mehr begeisterte Fans. Die Streamingplattform Netflix brachte Specials mit wilden Namen wie »War Paint«, »Freezing Hot«, »Elder Millennial« und zuletzt »Iliza Shlesinger: A Different Animal«. Nachdem sie auf der Bühne zeitweise moosgrüne, mit dem Wort »Kobold« bedruckte Pullover trug, taten es auch ihre Fans. Ihre Auftritte sind meist ausverkauft. Sie sage immer das, was sie denke, so Shlesinger, die auch ihren eigenen Podcast hat: »Ask Iliza Anything«. Eine eigene Late-Night-Talkshow gab es natürlich auch schon: »Truth & Iliza«.

Und als wäre das alles nicht genug, schreibt sie auch noch Bücher – Girl Logic: The Genius And The Absurdity erschien 2017, All Things Aside: Absolutely Correct Opinions fünf Jahre später. Dazwischen hat sie Filme produziert und auch mitgespielt. Good on Paper hieß ihr wildes Debüt über Dating-Fallen, im Actionfilm Spenser Confidential spielte sie die Freundin von Mark Wahlberg, in Instant Family lachte und weinte sie neben Rose Byrne. Ja, sie sei eine Stage Queen – und ein Work­aholic.

Die Witze ihrer Stand-up-Shows sind Hybride aus Mann-Frau-Romantik-Beobachtungen, Millennial-Klischees, Alltagsgeschichten, Mutterschaft und Popkultur. Sie spricht über Meerjungfrauen, Männertattoos, Betrunkensein und Stöckelschuhe. Ihre Sprache ist direkt, ihre Haare sind blond und ihre Kleidung hip. Und sie äußert sich klar und offen über ihr Jüdischsein: »Ich sage den Leuten immer, dass ich jüdisch bin! Ich habe keine Angst, es zu sagen. Ich schäme mich nicht!«, erklärt sie in Interviews. Seit den Hamas-Massakern des 7. Oktober 2023 bekundet sie ebenso klar und laut ihre Unterstützung für Israel.

»Ich sage den Leuten immer, dass ich jüdisch bin! Ich habe keine Angst.«

Im »Hollywood Reporter« schrieb sie einen ernsten und sehr persönlichen Text darüber, warum sie den wachsenden Antisemitismus der Gegenwart zwar als schmerzhaft, aber nicht als Überraschung empfinde, und machte ihrer Wut darüber Luft, dass gerade die linksprogressiven Teile der Gesellschaft das Leid und die Marginalisierung von Juden nicht als solche anerkennen. »Juden sind kein Thema«, hieß der Artikel. »Ich weiß aus der Geschichte: Wenn Israel die Waffen niederlegt, würde das sonst niemand tun, und dann würde Israel nicht mehr existieren«, schrieb sie.

Spenden an die jüdische Wohlfahrt

Shlesinger spendet gern und viel an die jüdische Wohlfahrt. Als sie 2023 in der bekannten Doku-Show »Finding Your Roots« auftrat, musste sie erfahren, dass Mitglieder ihrer Familie im Holocaust ermordet wurden. Ihr Fazit: »Wenn ich ehrlich bin, hat mir diese furchtbare Geschichte noch einmal gezeigt, wie sehr wir als Juden miteinander verbunden sind. Im Guten wie im Schlechten.«

Lesen Sie auch

Über ihr Privatleben ist bekannt, dass Shlesinger mit dem Koch Noah Galuten verheiratet ist. Das Paar hatte sich 2016 über eine Dating-App kennengelernt und noch im selben Jahr verlobt. 2018 führte ihr Hund Blanche sie zur Chuppa. 2022 und 2024 wurden Tochter Sierra und Sohn Ethan geboren, die sie bewusst jüdisch erziehe, sagt Shlesinger. Auch habe sie den Namen »Ethan« unbedingt gewollt, weil er auf Hebräisch »stark« und »fest« bedeutet. Außerdem, sagt Shlesinger, sähen die meisten Ethans, die sie kenne, gut aus.

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Antisemitismus

»Schade, dass Hitler den Job nicht vollendet hat«

Ein Mann aus Irland äußerte sich bei einer Begegnung mit jüdischen Touristen in einem französischen Supermarkt antisemitisch und drohte dem Paar gar mit Erschießung.

 14.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Italien

Ein Tempel für alle

Über der Biennale in Venedig schwebt eine Synagoge. Was sich die ukrainische Künstlerin Anna Kamyshan dabei dachte und wie sie es geschafft hat

von Sophie Albers Ben Chamo  13.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität

von Nicole Dreyfus  12.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Familie befürchtet das Schlimmste

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter gibt es neue Details. Unter anderem über die Unterkunft in Wien. In Israel wurde eine Nachrichtensperre erlassen

 12.08.2026 Aktualisiert

Schweiz

Den eigenen Weg gehen

Kollektive Begeisterung macht blind und dumm, ganz gleich, ob sie von rechts oder links kommt, findet Berns Botschafter in Israel. Und liefert literarische und filmische Quellen als Inspiration für das Schwimmen gegen den Strom

von Simon Geissbühler  11.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  11.08.2026