USA

First Schwiegersohn erinnert sich

Jared Kushner mit seiner Frau Ivanka, der ältesten Tochter des früheren Präsidenten Donald Trump Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Vor gut einem Jahr wurde bekannt, dass Jared Kushner – er war damals gerade 40 Jahre alt geworden – bei HarperCollins seine Memoiren veröffentlichen würde. Großspurig gab der Verlag bekannt, das Werk werde »die Wahrheit über die Geschehnisse« im Weißen Haus während der Präsidentschaft Donald Trumps enthalten.

Vergangene Woche kam Kushners Autobiografie nun in die Buchläden. Bei Amazon.com wurde das Werk sofort zum Bestseller. Doch es erntete, wie zu erwarten war, nicht nur Lorbeeren. Als das »schlechteste aller Bücher ehemaliger Trump-Mitarbeiter« bezeichnete die »Slate«-Rezensentin Laura Miller das Werk mit dem Titel Breaking History: A White House Memoir. Darin rückt der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, vor allem seine eigene Rolle während Trumps Amtszeit in ein gutes Licht.

Donald Trump hätte sich Football-Star Tom Brady als Mann für seine Tochter gewünscht.

Nicht nur wegen Kushners Erzählungen aus dem Innenleben der Machtzentrale sorgt das Buch nun für Aufsehen. Kushner erzählt auch aus seinem Privatleben und darüber, wie er sich vor gut 15 Jahren zunächst von Freundin Ivanka trennte (unter anderem deshalb, weil sie nicht jüdisch war) und wie die beiden dann doch noch zueinanderfanden.

Er habe Ivanka später zufällig auf einer privaten Bootsfahrt im Mittelmeer wiedergesehen. Wendi Murdoch, eine gemeinsame Freundin der beiden und damalige Frau des Medienmoguls Rupert Murdoch, hatte die Ausfahrt organisiert. Nach einem Mittagessen im Haus des U2-Sängers Bono an der Côte d’Azur kam es zu einem gemeinsamen Auftritt der Popgrößen Bob Geldof, Billy Joel und Bono, schreibt Kushner, und kurze Zeit später seien er und Ivanka wieder ein Paar geworden.

KONVERSION Auch seinen Wunsch, sie möge zum Judentum konvertieren, habe Ivanka ihm nach reiflicher Überlegung noch erfüllt. Die beiden begannen, sich mit einem Rabbiner zu treffen sowie gemeinsame Schabbat-Dinners zu veranstalten. Anfangs sei das Essen dafür noch bei einem koscheren Traiteur in New York bestellt worden. Später habe Ivanka aber begonnen, selbst zu kochen, so Kushner.

Auf Anregung seiner Freundin traf er sich kurze Zeit später auch mit Donald Trump zum Mittagessen, wo er dem damals nur als schillernder Immobilienhai bekannten Mann verriet, dass Ivanka entschlossen sei, zum Judentum überzutreten. »Lass mich dir eine Frage stellen«, habe Trump daraufhin erwidert. »Warum muss sie konvertieren? Warum kannst nicht du (zum Christentum) konvertieren?«

Kushner antwortete, die Frage sei zwar berechtigt, Ivanka habe sich aber aus freien Stücken für den Übertritt entschieden. Daraufhin habe Trump ihm gesagt: »Das ist großartig. Die meisten denken sowieso, dass ich Jude bin. Die meisten meiner Freunde sind jüdisch. Ich habe all diese Auszeichnungen von den Synagogen. Die lieben mich in Israel.«

Dann beichtete der spätere Präsident Kushner, er habe eigentlich den American-Football-Star Tom Brady als Schwiegersohn im Sinn gehabt. Der habe seiner Tochter auch schon Avancen gemacht. »Tom Brady ist ein guter Freund von mir – und er hat mal versucht, Ivanka auszuführen«, so Trump. Doch Kushner ließ ihn nicht ausreden und rief dazwischen: »Wenn ich Ivanka wäre, würde ich Tom Brady nehmen.« Trump habe ihn daraufhin angeschaut und gesagt: »Ja, ich weiß.«

Dass er Ivanka heiraten wolle, verriet Kushner bei einem späteren Treffen zuerst seinem künftigen Schwiegervater und nicht der Braut. Er plane eine »Überraschungsverlobung«, so Kushner zu Trump. Der konnte und wollte die Neuigkeit nicht für sich behalten und übermittelte sie sofort an seine Tochter. »Später erfuhr ich, dass Trump gleich, nachdem ich gegangen war, die Sprechanlage abgenommen und Ivanka mitgeteilt hatte, sie habe in Kürze einen Heiratsantrag zu erwarten«, schreibt Kushner in seinem Buch.

2009 heirateten die beiden im Trump National Golf Club in New Jersey. Zuvor hatte Ivanka den hebräischen Namen Yael angenommen. Inzwischen hat das Paar drei Kinder und lebt Berichten zufolge koscher.

IMMOBILIEN Wie sein Schwiegervater stammt auch Jared Kushner aus einer Familie von Immobilienmagnaten. Seine Großeltern Joseph und Reichel Kushner überlebten beide die Schoa und wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg von Belarus nach Amerika aus.

Kushner ging selbst ins Immobiliengeschäft und war dort nicht sofort erfolgreich. 2016 beriet er seinen Schwiegervater im Präsidentschaftswahlkampf. Nach Trumps überraschendem Sieg über Hillary Clinton zogen er und Ivanka als dessen Berater mit nach Washington – und das, obwohl weder Kushner noch die Präsidententochter politische Erfahrung besaßen.

Im Weißen Haus wurden sie zunächst als die »Interns« (Praktikanten) verspottet. Unter den Kritikern waren nicht nur eingefleischte Trump-Gegner, sondern auch frustrierte Mitarbeiter der Machtzentrale. Stephanie Grisham, Pressesprecherin Trumps und zuvor Chefberaterin von First Lady Melania Trump, nannte Kushner nach ihrem Ausscheiden aus dem Weißen Haus einen »Rasputin im Slim-Fit-Anzug«. Der Schwiegersohn des Präsidenten und seine Frau hätten im Laufe der Amtszeit Trumps zwar zunehmend mehr Macht und Einfluss auf sich vereint. Immer dann, wenn es schwierig wurde, seien sie aber plötzlich unsichtbar gewesen.

Kushner zog viele Dossiers an sich, darunter auch die Bekämpfung der Corona-Pandemie oder ein Handelsabkommen mit Mexiko. In seinem Buch lobt er sich selbst. Kritiker sehen dagegen kaum Erfolge. Eine gewisse Anerkennung verschaffte er sich aber mit seiner Nahost-Diplomatie. Hier gelang es ihm, erfolgreich zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain zu vermitteln, was im September 2020 zum Abschluss der ersten »Abraham-Abkommen« führte.

Dabei knüpfte der orthodoxe Jude auch enge Kontakte zu arabischen Herrschern, insbesondere zum umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (»MBS«) – zu enge, wie Mitarbeiter des Weißen Hauses fanden. Im April dieses Jahres investierte MBS zum Dank rund zwei Milliarden Dollar in einen von Kushner aufgelegten Investmentfonds.

KREBS Nach Trumps Ausscheiden aus dem Weißen Haus sank der Stern des Ehepaars Kushner dann abrupt. Vor Kurzem machte Kushner eine Krebserkrankung öffentlich, für die er während seiner Zeit im Weißen Haus behandelt worden sei.

Gegner unterstellten ihm sogleich, er habe den Krebs aus purer Geltungssucht und zur Werbung für sein Buch erfunden. Ob die Memoiren, wie vom Verlag versprochen, die »definitive Wahrheit« enthalten, darf ohnehin bezweifelt werden. Doch immerhin hat es der First Schwiegersohn mit seinen Memoiren wieder in die Medien geschafft.

Jared Kushner: »Breaking History: A White House Memoir«. HarperCollins, New York 2022, 512 S., 20,29 $

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