Die orthodoxe Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) hat das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Weckruf bezeichnet. Dies gelte nicht nur für die Parteien und die Art des politischen Diskurses, sondern auch für die Medien, erklärte CER-Generalsekretär Gady Gronich am Montag in München.
»Wer die AfD über Monate zum Mittelpunkt der politischen Berichterstattung macht und jede Provokation verstärkt, muss sich fragen, ob er damit nicht selbst zu ihrer Stärke beigetragen hat.« Auch die Parteien der Mitte müssten sich fragen, warum sie so viele Menschen nicht mehr erreichten, so Gronich.
»Antisemitismus kein jüdisches Problem«
Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Landtagswahl kam die AfD auf 43,8 Prozent. Für die jüdische Gemeinschaft sei der Erfolg der AfD besorgniserregend, betonte Gronich. »Antisemitismus, völkisches Denken und Geschichtsrelativierung dürfen in Deutschland keinen Platz haben. Das gilt genauso für islamistischen Antisemitismus und jede andere Form des Extremismus.«
Die Antwort darauf seien nicht noch mehr Empörung und Polarisierung. Die demokratische Mitte müsse Probleme klar benennen und Vertrauen zurückgewinnen. »Das gilt vor allem für eine Sache: Antisemitismus ist kein jüdisches Problem. Er ist ein Notruf unserer Demokratie.«