Comedy-Legende

Don Rickles: Meister der Beleidigungen

Don Rickles (1926 - 2017) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

In den Vereinigten Staaten von Amerika war Stand-Up-Comedy schon lange beliebt, bevor sie dann in Deutschland ankam. Was es bei uns aber bis heute nicht gibt: »Insult-Comedians«, also Spaßvögel, die ihr Publikum oder ihre Gesprächspartner am laufenden Band beleidigen. Der unangefochtene Meister dieser Disziplin war Don Rickles.

Selbst Stars warteten nur darauf, von ihm auseinandergenommen zu werden. Es war ihnen eine Ehre. Sie luden Rickles zu großen Geburtstagsfeiern in Hollywood ein und hofften darauf, tief durch den Kakao gezogen zu werden. Für den jüdischen Meister war dies die leichteste Übung.

Don Rickles bekam zu Beginn seiner Karriere Hilfe von seinem Freund Frank Sinatra. Wenn der Barde für Konzerte engagiert wurde, sagte er den Veranstaltern, Don Rickles werde ebenfalls auftreten. Wenn sie ihn nicht wollten, erpresste er sie: »Dann bekommt ihr mich auch nicht.« Es dauerte nicht lange, bis Rickles diese Schützenhilfe nicht mehr benötigte.

Don Rickles mit seiner Frau Barbara im Jahr 1987Foto: picture alliance / Ralph Dominguez/MediaPunch
Reagan als Opfer

Rickles war so etwas wie ein inoffizielles Mitglied der 1960er-Version des legendären Rat Pack, bestehend aus Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr., einem Team, das in Las Vegas den Ton angab, im wahrsten Sinne des Wortes.

Tolle Stimmen, hervorragend choreografierte Auftritte, brillante Shows zwischen glitzernden Lichtern und überzeugend vorgetragene Ohrwürmer: Aus diesem Stoff bestanden die Vorstellungen der Rat Pack-Stars. Ihr Kumpel Don Rickles komplettierte diese Performances mit Beleidigungen.

Je mehr er sein Publikum beschimpfte, desto mehr von dieser Masche wurde von ihm verlangt. Selbst Präsident Ronald Reagan gehörte zu seinen Opfern, als Rickles bei der Feier zu dessen zweiter Amtseinführung am 20. Januar 1985 die Bühne in Beschlag nahm: »Nun da sie groß sind, gehen Sie mir auf die Nerven.«

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Regelmäßig veräppelte Don Rickles den Showmaster David Letterman.
Ein Haufen Dollarscheine

Es gab nur einen Menschen auf der Welt, der bei einem großen Geburtstagsdinner für die legendäre Shirley MacLaine unbehelligt erklären durfte, dass der servierte Fisch »ekelhaft« gewesen sei und die Feier aus »18 Stunden Mist« bestanden habe.

Don Rickles war der Einzige, der über 50 Jahre hinweg regelmäßig mit seiner eigenen Show in Las Vegas auftrat. Auch war er einer der bestbezahlten Comedians. Wer beleidigt werden wollte, musste für die Eintrittskarten einen Haufen Dollarscheine auf den Tisch blättern.

Von den frühen 1980er-Jahren bis 2015 war Donald Jay »Don« Rickles unzählige Male bei Showmaster David Letterman zu Gast. Es wurden legendäre Auftritte. Der Chef-Beleidiger griff oft zunächst Paul Shaeffer, den begabten kanadisch-jüdischen Musikchef der Show, an: »Halte einfach die Klappe, Paul!« oder »Ich habe in Kanada nachgefragt. Sie wollen Dich nicht zurück. Du bist zu klein für das Land.«

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»Ist der Jude zu Hause?«

Auch Letterman musste sich einiges anhören, selbst nach seiner Bypass-Operation: »Ich gebe Dir noch ein Jahr – höchstens.« Kaum war Don Rickles im Studio – egal in welchem –, übernahm er die Sendung.

In der Show des inzwischen ebenfalls verstorbenen Larry King bei CNN, einem weiteren jüdischen Star, wurde Don Rickles, der aus Los Angeles zugeschaltet war, ebenfalls ausfallend. »Ich kann nicht glauben, dass ich in einer so zähflüssigen Show sitze.« King, ein alter Freund von Rickles, lachte sich kaputt. »Was hältst Du eigentlich von unserem Studio in L.A., Don?« Die Antwort: »Ich finde, es sieht billig aus und sollte gestrichen werden.«

Rickles, dessen Eltern jüdische Einwanderer aus Litauen und Österreich waren, machte sich auch über sich selbst lustig. Bei Letterman meinte er, Reisebusse voller Touristen hielten ständig vor seinem Haus in Beverly Hills an und fragten: »Ist der Jude zu Hause?« Seine Frau Barbara, mit der er 52 Jahre lang verheiratet war, bekam es ebenfalls ab: »Sie ist eine Schlaftablette.«

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Kurz vor seinem Tod wurde Don Rickles selbst »geröstet« und schlug sogleich zurück.
Große Lücke

Als Schauspieler landete Rickles im Jahr 1995 an der Seite von Robert de Niro, in der Rolle des »Pit Boss« in Martin Scorseses Meisterwerk Casino. Als der Starregisseur später den AFI Liftetime Achievement Award für sein Lebenswerk bekam, war Rickles bei der Zeremonie dabei: »Du bist der nervigste Regisseur, mit dem ich je gearbeitet habe.« Der »Insult Comedian« beschimpfte auch de Niro, der »ständig nur nuscheln« würde.

Wer austeilt, muss einstecken können. Jahre später, bei einer Party für Don Rickles im legendären Apollo in Harlem, kam die Retourkutsche. Scorsese: »Man kann Don Rickles als Regisseur nicht anleiten, sondern man gibt ihn weiter an den Filmset-Dekorateur. Dieser wird ihn dann hinstellen, wo er am wenigsten kaputtmachen kann.« Auch in diesem Fall gab der Meister-Comedian alle Beleidigungen zurück. Über den Darsteller Jerry Seinfeld sagte er: »Jerry ist ein wundervoller Typ. Mit ihm zu reden fühlt sich an, als wäre man allein.«

Der große Don Rickles starb im April 2017 im Alter von 90 Jahren. Er hinterließ eine große Lücke in der amerikanischen Comedy-Welt, die vermutlich nie wird gefüllt werden können. Heute, am 8. Mai 2026, wäre er 100 Jahre alt geworden.

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