Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Österreich bleibt laut einer aktuellen Statistik weiter auf einem deutlich erhöhten Niveau. Wie die Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) am Donnerstag mitteilte, wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 671 Fälle dokumentiert.
Registriert wurden demnach 12 physische Angriffe, 18 Bedrohungen, 68 Sachbeschädigungen, 226 Massenzuschriften - also Mails und Rundbriefe - sowie 347 Fälle verletzenden Verhaltens. Die Statistik zeigt damit zwar einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Nach wie vor werden aber mehr als doppelt so viele Fälle dokumentiert wie vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg.
»Ausnahmezustand ist Alltag«
Es hätten sich »nicht nur die Grenzen des Sagbaren, sondern auch des Machbaren verschoben«, sagte IKG-Präsident Oskar Deutsch. Auf antisemitische Worte folgten Drohungen und Angriffe gegen Jüdinnen und Juden. »Der Ausnahmezustand ist Alltag«, so das Fazit.
191 der insgesamt 671 Vorfälle ordnete die Meldestelle einem muslimischen, 162 einem linken und 147 einem rechten Hintergrund zu. Bei 171 Vorfällen sei keine eindeutige ideologische Zuordnung möglich. Insgesamt erfasse man aber nur »die Spitze des Eisbergs«, erklärte der Leiter der Antisemitismus-Meldestelle, Johannan Edelman.
Regierung reagiert
Die Meldebereitschaft von Betroffenen sei gering, »aus Resignation oder aus Sorge, dadurch noch stärker ins Visier zu geraten«. Jede Meldung helfe aber, das tatsächliche Ausmaß sichtbar zu machen, hieß es.
Österreichs Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) bezeichnete die weiterhin hohe Zahl einschlägiger Vorfälle in einer Erklärung als »beschämend«. Radikale Strömungen seien Gift für das Zusammenleben in der Alpenrepublik - egal, ob der Extremismus von links, rechts oder von islamischer Seite komme. Es sei aber »schon mehr als bedenklich, wenn ein weiteres Mal der muslimische Antisemitismus mit Abstand auf Platz 1 liegt«, resümierte Bauer. kna