Die britische Universität Bath hat eine geplante Online-Lehrveranstaltung mit der Al-Azhar-Universität in Gaza abgesagt. Auslöser war eine E-Mail der Kursleiterin, die britische Studenten dazu aufforderte, die Darstellungen ihrer palästinensischen Gesprächspartner zum Nahostkonflikt nicht infrage zu stellen. Die Hochschule entschuldigte sich für die unangemessenen Vorgaben.
Die Nachricht verschickte die Dozentin Kateřina Vráblíková am 7. Oktober, dem dritten Jahrestag der Hamas-Massaker. Das geplante Seminar im Fach Vergleichende Politikwissenschaft sollte Studierende im zweiten Studienjahr aus Bath mit Kommilitonen der Al-Azhar-Universität zusammenbringen.
Professorin empfahl, unwissend aufzutreten
Vráblíková schrieb ihren Studenten, sie müssten anerkennen, dass ihre palästinensischen Gesprächspartner die Experten für den Konflikt seien. »Wir hingegen nicht«, hielt sie laut der britischen Zeitung Jewish News fest. Eigene Interpretationen könnten unbeabsichtigt verletzend wirken. Nach Informationen der Zeitung wurde den britischen Studenten zudem nahegelegt, lieber unwissend zu erscheinen, als widersprechende Meinungen zu äußern.
Nachdem die Anweisungen Kritik ausgelöst hatten, bestätigte die Universität Bath am Mittwochabend gegenüber Jewish News, dass die gemeinsamen Online-Klassen nicht stattfinden werden. Die Bedenken hinsichtlich der E-Mail seien bereits mit der Dozentin besprochen worden. Diese habe sich uneingeschränkt sowohl für den Zeitpunkt ihrer Nachricht als auch für deren unangemessenen Inhalt entschuldigt. Die Universität bedauerte die dadurch ausgelöste Besorgnis innerhalb der Akademie und darüber hinaus.
Waffen und Tunnel auf dem Campus entdeckt
Hintergrund der Kontroverse ist zudem die militärische Infrastruktur, die auf dem Gelände der Al-Azhar-Universität in Gaza-Stadt entdeckt wurde. Im Dezember 2023 fanden israelische Soldaten dort nach Angaben der israelischen Armee unter anderem Raketenbestandteile, Abschussvorrichtungen und Sprengstoff. Zudem entdeckten sie einen unterirdischen Gang, der den Innenhof der Universität mit einer nahen gelegenen Schule verband. Die israelischen Streitkräfte erklärten, die Hamas habe die Infrastruktur für militärische Operationen genutzt.
Die Universität Bath führte diese Funde jedoch nicht als Grund für die Absage an. In ihrer Stellungnahme bezog sie sich auf die unangemessenen Anweisungen der Dozentin und die dadurch ausgelöste Verunsicherung.