EILMELDUNG! Medienbericht: Iran soll Ermordung von Josef Schuster und Volker Beck geplant haben

Boston

Dokumentarfilm-Pionier Frederick Wiseman gestorben

Frederick Wiseman (1930 - 2026) Foto: picture alliance / abaca

Der US-amerikanische Dokumentarfilmer Frederick Wiseman ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Sein Tod wurde von seiner Familie und seiner Produktionsfirma Zipporah Films bekanntgegeben. Wiseman galt als einer der einflussreichsten Vertreter des beobachtenden Dokumentarfilms und prägte über Jahrzehnte hinweg das Genre mit einem einzigartigen, unaufdringlichen Stil.

In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, Wiseman habe über fast sechs Jahrzehnte ein außergewöhnliches filmisches Werk geschaffen, das soziale Institutionen und menschliche Erfahrungen dokumentierte. »Seine Filme – von Titicut Follies bis zu Menus-Plaisirs – Les Troisgros werden für ihre Komplexität, erzählerische Kraft und ihren humanistischen Blick gefeiert«, erklärten Familie und Produktionsfirma. Insgesamt drehte und produzierte Wiseman fast 50 Filme, darunter Ex Libris über die New York Public Library, In Jackson Heights über ein Viertel in Queens und City Hall über die Verwaltung von Boston.

Wiseman wurde 2016 mit einem Ehrenoscar ausgezeichnet. Sein Arbeitsstil war ungewöhnlich: Er führte keine Interviews, verzichtete auf Off-Kommentare und Musik und arbeitete ausschließlich mit natürlichem Licht und Originalton. Vor Beginn eines Projekts betrieb er bewusst keine Recherche. »Ich weiß normalerweise nichts über das Thema, bevor ich anfange«, sagte er bei der Oscar-Verleihung. »Ich beginne nie mit einer These oder einem Standpunkt, den ich beweisen will.«

Theater und Tanz

Im Jahr 1930 wurde Wiseman in Boston in eine jüdische Familie hineingeboren. Er studierte am Williams College und an der Yale Law School, diente nach dem Abschluss zwei Jahre in der US-Armee und lehrte später an der Boston University. Während seiner Lehrtätigkeit entdeckte er sein Interesse am Film und produzierte 1963 The Cool World. Sein Regiedebüt Titicut Follies über ein psychiatrisches Gefängnishospital sorgte für Kontroversen und wurde in Massachusetts jahrzehntelang für die Öffentlichkeit verboten.

Lesen Sie auch

Neben sozialen Institutionen widmete sich Wiseman auch der Welt des Theaters und des Tanzes, etwa in La Danse über das Pariser Opernballett oder Crazy Horse über das berühmte Pariser Cabaret. Politische und gesellschaftliche Fragen spielten in vielen seiner Werke eine Rolle, doch Wiseman wehrte sich gegen die Vorstellung, Dokumentarfilme seien Instrumente des politischen Aktivismus. »Dokumentarfilme sind wie Theaterstücke, Romane oder Gedichte – sie haben keine messbare soziale Nützlichkeit«, schrieb er 1994.

Sein letzter Film Menus-Plaisirs – Les Troisgros (2023) gewährte einen Blick hinter die Kulissen eines mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten französischen Restaurants. Wiseman betonte stets seinen Bildungsanspruch: »Jeder Film ist eine Gelegenheit, etwas Neues zu lernen. Ich befinde mich seit 50 Jahren in einem Erwachsenenbildungsprogramm, in dem ich jedes Jahr ein neues Thema studiere.«

Frederick Wiseman hinterlässt zwei Söhne und drei Enkelkinder. Seine Ehefrau Zipporah Batshaw Wiseman, mit der er 65 Jahre verheiratet war, starb 2021. im

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Nachruf

Barney Frank mit 86 Jahren gestorben

Als liberale Stimme im Washingtoner Kongress prägte der jüdische Abgeordnete der Demokraten sowohl die Debatten über Finanzmarktregulierung als auch über die Rechte von Homosexuellen

 20.05.2026

Spanien

Mordverdacht: Sohn von Mango-Gründer festgenommen

Die Polizei in Katalonien hat Medienberichten zufolge den Sohn des Mango-Gründers und Philanthropen Isaak Andic festgenommen. Jonathan Andic war als einziger dabei, als sein Vater im Dezember 2024 einen Abhang hinunterstürzte

 19.05.2026

Washington D.C.

Abgeordneter Jared Moskowitz erhält antisemitisch motivierte Morddrohungen

In Zuschriften wird der Demokrat unter anderem als »zionistisches, jüdisches verdammtes Schwein« (»zionist Jewish fucking pig«) beschimpft. Er ist nicht der einzige jüdische Politiker in den USA, der bedroht wird

 19.05.2026

London

Israeli in Golders Green zusammengeschlagen

Der 22-Jährige wurde über die Straße gezerrt und geschlagen, bis er beinahe das Bewusstsein verlor

 19.05.2026

Kanada

Kritik an Pro-Terror-Konferenz in Toronto

Die Veranstaltung soll die Massaker vom 7. Oktober 2023 würdigen und wird von verbotenen Organisationen getragen

 18.05.2026

Großbritannien

Ausstellung zu Hamas-Massaker wegen Sicherheitsbedenken ohne Hinweisschild

Die Polizei will den genauen Standort der Schau möglichst lange geheim halten. Anti-Terror-Einheiten sind in den Schutz der Präsentation über den Terror des 7. Oktobers eingebunden

 18.05.2026

Frankreich

Das Glück, wenn ich es will

Gérard Blitz und Gilbert Trigano gründeten einst den Club Méditerranée. Und eine Utopie der Gemeinsamkeit aus der Nachkriegszeit wurde zum Trend

von Mark Feldon  17.05.2026

Hollywood

Der unaufgeregte Glam der Zoë Kravitz

Die Tochter berühmter Eltern hat sich eine eigene Karriere aufgebaut – und ist stolz auf ihre afroamerikanischen und jüdischen Wurzeln

von Nicole Dreyfus  17.05.2026