USA

»Captain Kirk« fliegt ins All

William Shatner Foto: imago/APress

USA

»Captain Kirk« fliegt ins All

Der Flug von »Star Trek«-Ikone William Shatner mit der Raumfahrtkapsel von Jeff Bezos wurde um einen Tag verschoben

von Christina Horsten  12.10.2021 09:03 Uhr

Vor rund einem halben Jahrhundert übernahm William Shatner als »Captain Kirk« das Kommando über das »Raumschiff Enterprise«. Am Mittwoch (13. Oktober) soll der kanadische Schauspieler aus der TV-Serie Star Trek nun mit 90 Jahren erstmals wirklich ins All fliegen – wegen starker Winde einen Tag später als ursprünglich geplant. »Das hat eine gewisse Symmetrie«, sagte Shatner dem US-Fernsehsender NBC über seinen Flug. »Da steckt ein ganzer Lebenskreislauf drin.«

Möglich macht das Abenteuer der Amazon-Gründer Jeff Bezos, der die von seiner Raumfahrtfirma Blue Origin entwickelte Kapsel »New Shepard« zur Verfügung stellt. Es ist der zweite bemannte Flug für Blue Origin, beim ersten im Juli war Bezos selbst mit an Bord. Mit ihm gemeinsam unternahmen sein Bruder Mark, eine 82 Jahre alte frühere US-Pilotin und ein 18-jähriger Niederländer einen rund zehnminütigen All-Ausflug. Der »beste Tag aller Zeiten« sei das gewesen, jubelte der Amazon-Gründer und nach Angaben des »Forbes«-Magazins reichste Mensch der Welt nach der Landung.

nachfrage Ebenfalls direkt nach der Landung kündigte Bezos noch für dieses Jahr mindestens zwei weitere Flüge an und sprach von einer sehr hohen Nachfrage nach Tickets. Beim zweiten bemannten Blue Origin-Flug sollen nun der frühere Nasa-Ingenieur Chris Boshuizen, der Unternehmer Glen de Vries und die stellvertretende Chefin von Blue Origin, Audrey Powers, mitfliegen – mit »Captain Kirk« als viertem Passagier aber ist Bezos mal wieder ein echter PR-Coup gelungen. Ob Shatner sein Ticket bezahlt hat, wie Boshuizen und De Vries, oder ob er eingeladen wurde, teilte Blue Origin zunächst nicht mit.

Shatner, der 1966 erstmals die Rolle des »Captain James T. Kirk« in der Science-Fiction-Serie Star Trek bekam, würde mit dem Flug zum ältesten jemals ins All gereisten Menschen werden. Während seiner jahrzehntelangen Karriere kommandierte der Schauspieler, der drei Töchter hat und sich 2019 von seiner vierten Ehefrau trennte, immer wieder das »Raumschiff Enterprise«. Seine berühmte Rolle habe ihm bei der Vorbereitung allerdings nicht geholfen, witzelte Shatner. »Da muss ich Sie enttäuschen, das war alles Fiktion.« Er sei »begeistert und ängstlich und ein bisschen nervös und ein bisschen bange angesichts dieses ganzen Abenteuers«. 

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In der Raumkapsel von Blue Origin muss er nicht das Kommando übernehmen – sie fliegt weitgehend automatisiert. Zudem geht es nicht durch die »unendlichen Weiten« des Weltraums und in »fremde Galaxien«, sondern lediglich rund zehn Minuten lang bis auf etwa 100 Kilometer über der Erde oberhalb der westtexanischen Wüste, zeitweise mit Schwerelosigkeit, bevor die wiederverwendbare Kapsel abgebremst von großen Fallschirmen wieder landet.

experten Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an, es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regelung. Als Astronaut sehe er sich nicht, schrieb Shatner bei Twitter. »Ich muss nur sitzen und schauen – denke ich zumindest. Also eher eine Art Weltall-Anschauer.« 

In die Kommerzialisierung der Raumfahrt war zuletzt Schwung gekommen. Schon wenige Tage vor Bezos hatte mit dem Briten Richard Branson ein weiterer Milliardär sein eigenes Raumschiff getestet – die »VSS Unity« von Virgin Galactic. Mitte September hatte dann eine »Dragon«-Kapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk einen mehrtägigen Ausflug in die Erdumlaufbahn unternommen – ausschließlich mit Laien an Bord.

Neben der Erfüllung eigener Träume erhoffen sich die Milliardäre einen Einstieg in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. Kritiker werfen ihnen vor, ohne Rücksicht auf das Klima und weitgehend ohne wissenschaftliche Forschungsinteressen sehr viel Geld zu verschwenden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

filmteam Shatner ist nicht der erste Schauspieler, der in den Weltraum fliegt. Erst vor wenigen Tagen war erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein Filmteam, bestehend aus der russischen Schauspielerin Julia Peressild und dem Regisseur Klim Schipenko, für Dreharbeiten zur Internationalen Raumstation ISS geflogen. Die USA planen ebenfalls einen Filmdreh auf dem Außenposten der Menschheit. Dafür war der US-Schauspieler Tom Cruise im Gespräch, der zur ISS fliegen sollte. Ein Datum gibt es aber noch nicht.

Nun wird erstmal sein Kollege Shatner zum »Raketen-Mann«. »Es ist nie zu spät, neue Dinge zu erleben«, schrieb der 90-Jährige bei Twitter – und bedankte sich für die zahlreichen Glückwünsche, auch von Film-Kollegen wie der Schauspielerin Mia Farrow. Ganz besonders freue er sich darauf, »die Weite des Weltraums und das außerordentliche Wunder unserer Erde« zu sehen. »Ich werde Dinge direkt sehen, die ich als Darsteller bislang nur gespielt habe. Ich möchte zurückkommen und euch davon erzählen, wie es sich wirklich angefühlt hat, diese Dinge zu sehen, von denen wir sonst nur hören.«

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  04.07.2026

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Schweiz

Zürcher Attentäter schweigt vor Gericht

Der 17-jährige Angeklagte, der am 2. März 2024 in Zürich einen orthodoxen jüdischen Mann fast tötete, verweigert vor Gericht jede Aussage. Ihm droht wegen mehrfachen versuchten Mordes die höchstmögliche Jugendstrafe von einem Jahr Freiheitsentzug.

von Nicole Dreyfus  02.07.2026

USA

Es war einmal ein »Reich der Güte«

Vor 250 Jahren wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Aus jüdischer Perspektive war die Entstehung der Neuen Welt auch der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte

von Paul Bentin  02.07.2026

Großbritannien

Oberrabbiner Mirvis fordert, den Ruf »Tod der IDF« unter Strafe zu stellen

Oberrabbiner Mirvis hat die Politik seines Landes zu einem schärferen juristischen Vorgehen gegen anti-israelische und antisemitische Hassrede aufgefordert

 01.07.2026

Proteste gegen Kushner-Projekt

Ein Land sieht pink: Albaniens Flamingo-Revolution ist nicht zu stoppen

Flamingos überall - und kein Ende in Sicht: EU-Beitrittskandidat Albanien ist fest im Griff einer Protestwelle. Fällt die Regierung unter der pinken Revolution?

von Markus Schönherr  30.06.2026

Österreich

Rabbiner Yaron Nisenholz wird Wiens neuer Oberrabbiner

Nach einem internationalem Auswahlverfahren übernimmt Rabbiner Yaron Nisenholz die religiöse Führung der IKG Wien

von Nicole Dreyfus  29.06.2026

Venezuela

Jüdische Gemeinde beklagt drei Tote, mehr als 100 Obdachlose

Das Erdbeben in Venezuela hat auch für die rund 5000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinschaft des Landes schwere Folgen

 29.06.2026