Düsseldorf

Auschwitz-Museum: Rüttgers erhält Auszeichnung »Light of Remembrance«

Jürgen Rüttgers Foto: picture alliance / Bonn.digital

Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wurde am Mittwoch mit der Auszeichnung »Light of Remembrance« (Licht des Gedenkens) des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau gewürdigt. Die Auszeichnung würdigt herausragende Beiträge zur Aufklärung über das NS-Konzentrationslager Auschwitz und den Holocaust.

Rüttgers habe sich insbesondere als Kuratoriumsmitglied um die 2009 in Warschau gegründete Stiftung Auschwitz-Birkenau verdient gemacht, hieß es. Sie wirbt um Spenden für den Erhalt der Gedenkstätte in Auschwitz.

Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen reagierte Jürgen Rüttgers auf die Ehrung: Die Auszeichnung »Light of Remembrance« nehme er mit großer Dankbarkeit und Demut entgegen. Er empfinde sie »nicht nur als persönliche Ehrung, sondern auch als Verpflichtung für unser Land.«

Authentizität der Orte des Schreckens

»Die Auszeichnung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau erinnert uns daran, dass das Gedenken kein abgeschlossener Prozess ist, sondern ein Licht, das wir immer wieder neu entzünden müssen, damit die Dunkelheit der Vergangenheit nicht zurückkehrt«, so Rüttgers.

»Es ist mir ein Herzensanliegen, dass wir die Authentizität der Orte des Schreckens bewahren, denn nur die Unmittelbarkeit dieser Gedenkstätten vermag das Gewissen nachfolgender Generationen tiefgreifend und sinnstiftend anzusprechen. Der Erhalt von Auschwitz ist eine Investition in unsere moralische Infrastruktur«, sagte er.

Lesen Sie auch

Gegenwart und Zukunft

Auf die Frage, was ihn dazu geführt habe, zur Aufklärung über das NS-Konzentrationslager Auschwitz und den Holocaust beizutragen sagte Rüttgers: »Mein Antrieb wurzelt in der tiefen Überzeugung, dass wir Deutsche uns der Verantwortung, die aus unserer Geschichte als ›Land der Täter‹ erwächst, niemals entziehen können. In Auschwitz wurde die kühl technisierte Barbarei der Nazis zur grausamen Realität. Vor Ort spürt man den Appell zur Menschlichkeit paradoxerweise gerade deshalb so stark, weil dort die größtmögliche Unmenschlichkeit herrschte.«

Als ehemaliger Ministerpräsident und als Christdemokrat sehe er es als Zukunftsaufgabe, jüdisches Leben in Deutschland nicht nur als historische Tatsache, sondern als lebendigen, sicheren Bestandteil unserer Gegenwart und Zukunft zu schützen, erklärte Jürgen Rüttgers gegenüber dieser Zeitung.

»Wir dürfen das Erinnern nicht einfach an staatliche Institutionen delegieren; jede Generation muss sich das Wissen um die Schoa neu erarbeiten. Mein Engagement für die Stiftung Auschwitz-Birkenau entspringt dieser Verantwortung und meinem Wunsch, dass auch zukünftige Generationen lernen, verstehen und weitertragen, was Menschlichkeit bedeutet. Eine gefestigte Demokratie braucht Bürger, die wissen, wohin Nationalismus und Rassismus führen können.«

Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

Rüttgers fügte hinzu: »Wir erleben heute einen besorgniserregenden Antisemitismus, der sich aus verschiedenen Quellen speist – sei es von rechts, von links oder aus religiösem Extremismus. (...) Wer heute die Augen vor dem neuen Judenhass verschließt, gefährdet nicht nur unsere jüdischen Mitbürger, sondern die Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, nicht nur in Europa.«

Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski (1922-2015), der französische Holocaust-Überlebende und Nazi-Jäger Serge Klarsfeld und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose.

Rüttgers war von 1994 bis 1998 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Von 2005 bis 2010 war der 74-jährige CDU-Politiker Rüttgers Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. epd/ja

Kanada

Ein wenig Mizwa, sehr viel Macho

Das Magazin »Rolling Stone« kürte Drake einst zum »größten jüdischen Rapper aller Zeiten«. Doch der Anfang war hart

von Sarah Thalia Pines  05.11.2026

London

Banal, schlicht und ironisch

Julia Pascals Theaterstück »The Banality of Evil: Hannah Arendt, France, 1940« erzählt von Hannah Arendt, Charlotte Salomon und Eva Daube als deutsche Jüdinnen in Frankreich und ihrem Leben zwischen zwischen Exil, Gefangenschaft und Überlebenskampf

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  05.11.2026

Treffen

Bob Dylan bei Papst Leo XIV. im Vatikan - mit Cap und Kapuze

Der Musiker und Songwriter Bob Dylan ist 1997 zum ersten Mal einem Papst begegnet - damals in Bologna, bei einem Jugendtreffen. Nun kam er in den Vatikan und sprach dort mit einem Landsmann

von Ludwig Ring-Eifel  05.11.2026

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  05.11.2026

Internetbetrug

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau warnt vor Fake-Webseite

Wer die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen will, muss bei der Buchung aufpassen. Denn aktuell gibt es eine gefakte Webseite, teilte die Gedenkstätte mit

von Christiane Laudage  04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

USA

Jüdische MAGA-Aktivistin an der Uni mit Tod bedroht

Die jüdische Studentin und Trump-Unterstützerin Liz Benichou wurde auf dem Campus der University of Michigan attackiert und zu Boden gestoßen

von Nicole Dreyfus  04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

USA

Die innere Sicherheit

Wie jüdische Gemeinden ihren Alltag gegen wachsenden Antisemitismus verteidigen – und sich zunehmend selbst schützen müssen. Ein Ortsbesuch in Washington, D.C. und Miami

von Katrin Richter  02.11.2026