Israel

Winterwarnungen und das Warten auf Schnee

Im März freuten sich die Israelis über die weiße Pracht auf dem Hermon. Foto: Flash90

Nach einer Woche überwiegend mildem und sonnigem Wetter ist der Winter seit Freitagmorgen nach Israel zurückgekehrt. Der staatliche meteorologische Dienst gab an, dass der Wetterumschwung landesweit spürbar sein wird: sinkende Temperaturen, heftige Regen in vielen Regionen und die Möglichkeit von Unwettern im Süden und Osten – ein echtes Wintertief also.

Bis zum Schabbatbeginn soll sich der Regen vom Norden nach Süden ausbreiten und Zentralisrael sowie den nördlichen Negev erreichen. Am Samstag zieht ein stärkeres Tiefdruckgebiet auf, begleitet von Starkregen, starken Winden und spürbarer Kälte.

Die Niederschläge sollen sich bis Montag immer wieder fortsetzen, insbesondere im Norden und in der Mitte des Landes. Mit den Regenfällen warnen die Behörden vor erhöhter Überschwemmungsgefahr, vor allem in der Judäischen Wüste, am Toten Meer und an Teilen der südlichen Küste.

Es soll zwei Wellen extremen Wetters geben

Zwar muss man sich in Israel keine Sorgen über Blitzeis oder Schneemassen machen, doch auch hier gibt es alljährlich Warnungen, die besonders Autofahrer und Wanderer ernst nehmen sollten. Die Polizei wandte sich am Donnerstag an die Bevölkerung und erklärte, dass es voraussichtlich zwei Hauptwellen extremen Wetters geben werde, die erste zwischen Samstag- und Sonntagnachmittag und die zweite am Montag, in denen die Bedingungen gefährlich werden könnten.

Rettungsdienste bereiten sich auf mögliche Straßensperrungen vor, und Einsatzkräfte werden entlang der Hauptverkehrsstraßen eingesetzt, um Autofahrer zu unterstützen und Unfälle zu verhindern.

Im Gazastreifen, wo große Teile der Bevölkerung derzeit in provisorischen Unterkünften und Zelten leben, wird der starke Regen die ohnehin schon schwere Lage voraussichtlich weiter verschärfen. Aufgrund mangelhafter Entwässerung, beschädigter Infrastruktur und des begrenzten Zugangs zu sicheren Unterkünften können selbst mäßige Regenfälle Lager überfluten, Hab und Gut zerstören und ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen. Hilfsorganisationen haben wiederholt gewarnt, dass Winterstürme die humanitäre Krise verschärfen könnten.

Meteorologischer Dienst: »Sinkende Temperaturen, heftige Regen in vielen Regionen und die Möglichkeit von Unwettern im Süden und Osten.«

Trotz häufiger Warnungen nehmen manche Israelis, oft Neueinwanderer aus kälteren Gefilden, Regenwarnungen nicht ernst und machen sich gern in den sozialen Medien darüber lustig. Sicherheitsbehörden betonen jedoch, dass diese Sorglosigkeit tödlich sein kann. In Israel können Sturzfluten innerhalb von Sekunden entstehen, wenn Starkregen auf trockenen Wüstenboden fällt, der kein Wasser aufnehmen kann.

Diese reißenden Wassermassen können Fahrzeuge fortspülen, Wanderer in Wadis einschließen und Straßen überfluten, die noch vor wenigen Augenblicken gänzlich trocken waren. Selbst flaches Wasser kann enorme Kraft entfalten, sodass eine Flucht unmöglich wird, sobald man einmal erfasst ist.

Die Gefahren solcher Wetterereignisse wurden im April 2018 durch eine Katastrophe im Süden des Landes auf tragische Weise verdeutlicht, als zehn Jugendliche bei einer Wanderung unter blauem Himmel in einem ausgetrockneten Flussbett von einer Sturzflut mitgerissen wurden und starben. Die Gruppe wurde von den schnell ansteigenden Wassermassen nach heftigen Regenfällen flussaufwärts völlig überrascht. Der Vorfall erschütterte das Land und diente als Mahnung, wie schnell sich die Lage verschärfen kann, selbst wenn keine einzige Wolke zu sehen ist.

Während die Stürme höchstwahrscheinlich den Verkehr und Alltag beeinträchtigen werden, bringen sie auch einen Anblick, auf den sich viele Israelis freuen: einen weißen Gipfel auf dem Berg Hermon. Die Aussagen des meteorologischen Dienstes lassen hoffen: Demzufolge ist ab Sonntag dort mit Schneefall zu rechnen, der sich möglicherweise bis Montag hinzieht.

Israels einziges Skigebiet liegt in den Golanhöhen

Der Hermon mit seinen 2800 Metern Höhe, in den Golanhöhen gelegen, ist Israels einziges Skigebiet und eine seltene Winterattraktion in einem ansonsten warmen und trockenen Land. Viele Touristen sind fasziniert, dass man in der kalten Jahreszeit innerhalb von zwei Autostunden von Wüstenlandschaften zu schneebedeckten Hängen gelangen kann.

Das Skigebiet, im internationalen Vergleich eher bescheiden, nimmt jedoch einen besonderen Platz in der israelischen Winterkultur ein. Es lockt jede Saison Tausende von Besuchern an, darunter auch oft Familien mit Kindern, die zum ersten Mal Schnee erleben. Das Resort bietet Skifahren, Snowboarden und Seilbahnfahrten und ist bei guten Bedingungen dauerhaft ausgebucht.

Im April 2025, nach der eineinhalb Jahre dauernden Schließung während des Krieges Israels gegen die Terrororganisation Hisbollah im Libanon, wurde das Skigebiet erstmals wieder eröffnet – eine symbolische Rückkehr zur Normalität sowohl für den Tourismussektor als auch für die nördlichen Regionen des Landes. Und die hoffen, dass es auch in diesem Winter heißt: »Ski und Rodel gut«.

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