Israel

Wieder Maskenpflicht auf dem Flughafen

Israels Regierungschef Naftali Bennett bei einer Pressekonferenz auf dem Ben-Gurion-Flughafen (22. Juni 2021) Foto: Flash 90

Premierminister Naftali Bennett behandelt die erhöhte Zahl an Neuinfektionen in Israel als weiteren Ausbruch des Coronavirus. Er will noch am Mittwoch mit seiner Regierung einen Plan entwickeln, wie man dem begegnen könne.

AUSLAND Am Montag war mit 125 neuen Corona-Fällen die höchste Zahl der vergangenen zwei Monate festgestellt worden. Es habe sich vor allem um lokale Ausbrüche gehandelt, nachdem sich Rückkehrer aus dem Ausland nicht an die Quarantänerichtlinien gehalten hätten, gab das Gesundheitsministerium an.

Bennett war auf den Ben-Gurion-Flughafen gekommen, um sich persönlich über die dortige Testsituation zu informieren. Anfang der Woche hatte es Chaos beim Testen der Ankommenden aus dem Ausland gegeben, die existierende Station war völlig überlastet. Nahezu 3000 Reisende seien nach Angaben von israelischen Medien ohne den verpflichtenden Test am Wochenbeginn aus dem Flughafengebäude gelassen worden.

»Wenn sie nicht unbedingt müssen, fliegen sie nicht ins Ausland.«

Premierminister Naftali Bennett

Der Premierminister genehmigte den Aufbau einer zweiten Testeinrichtung auf dem Flughafen so schnell wie möglich. Das Verteidigungsministerium erklärte, es werde beim Aufbau helfen. Bennett bat die Israelis bei dieser Gelegenheit, nicht ins Ausland zu reisen. An den Ober- und Mittelschulen haben die Sommerferien bereits begonnen, am 1. Juli schließen auch sämtliche Grundschulen und Kindergärten.

ISOLIERUNG »Wenn Sie nicht unbedingt müssen, fliegen sie nicht. Ich bitte Sie dringlichst«, appellierte Bennett an seine Landsleute. Wer dennoch reise, muss wahrscheinlich demnächst eine Erklärung abgeben, dass er sich nicht in Hochrisikogebiete begibt. Darüber hinaus unterstrich der Regierungschef die Bedeutsamkeit der Einhaltung einer Isolierung für die gesamte Gesellschaft.

Zudem hieß es in einem Fernsehbericht des Kanals 12, dass im vergangenen Monat mehr als 5000 israelische Rückkehrer aus Moskau ins Land eingereist seien, obwohl es dort derzeit einen massiven Coronavirus-Ausbruch gibt. 31 von ihnen seien positiv getestet worden. Den Einwohnern Israels ist es derzeit nicht erlaubt, nach Russland zu reisen.

HALTBARKEIT Bennett drängte die Menschen auch, sich impfen zu lassen. Jeder müsse die erste Spritze bis zum 9. Juli erhalten, damit die zweite noch rechtzeitig verabreicht werden kann, bevor die Haltbarkeit des Vakzins abläuft. Israel hat bislang ausschließlich den Impfstoff von BioNTech/Pfizer eingesetzt. Momentan läuft die Impfaktion der Zwölf- bis 15-Jährigen im ganzen Land. Bislang erhielten in dieser Altersgruppe allerdings lediglich vier Prozent die Spritze mit dem Impfstoff.

Eine sofortige Reaktion auf die steigenden Zahlen der Neuinfektionen ist die Wiedereinführung der Maskenpflicht auf dem internationalen Flughafen. Die Polizei werde diese Maßnahme durchsetzen und wenn nötig Strafen verteilen, heißt es vonseiten der Regierung. Zudem wurde das Bußgeld für das Brechen der Quarantäne von derweil 150 auf 250 Schekel, knapp 63 Euro, erhöht.

»Ein Drittel der Neuinfizierten sind bereits geimpft.«

Generaldirektor Gesundheitsministerium Chezy Levy

Bei den neuen Infektionen handele es sich zu 70 Prozent um die Delta-Variante, erklärte der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Chezy Levy. Die Hälfte der Infizierten seien Kinder, und ein Drittel der Betroffenen ist geimpft.

MASKENPFLICHT Der Coronaberater der Regierung, Nachman Ash, forderte daraufhin das sofortige Wiedereinführen der generellen Maskenpflicht in geschlossenen Räumlichkeiten generell. Sie war am 15. Juni vollständig aufgehoben worden. »Es kann sogar schon morgen oder übermorgen soweit sein«, sagte er im Armeeradio.

Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums Levy hob hervor, dass die Herdenimmunität im Land noch nicht erreicht sei. Gleichsam machte er klar, dass er nicht von einer vierten Welle ausgehe, obwohl die Zahl der Neuinfizierungen durchaus Grund zur Sorge sei. »Ich würde diese Bezeichnung nicht zu schnell wählen«, betonte Levy. »Die meisten der neuen Fälle sind klar an Rückkehrer aus dem Ausland zu knüpfen, die sich nicht an die Quarantäne-Regeln gehalten haben.«

Tel Aviv/Gaza/Brüssel

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