Nahost

Waffenruhe: Hamas legt Antwort auf Vermittlervorschlag vor

Am Mittwoch steigt eine weitere Rauchwolke über Gaza auf. Sie deutet auf Kämpfe hin. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Im seit Monaten festgefahrenen Geisel- und Waffenruhe-Poker im Gazastreifen gibt es möglicherweise Bewegung: Die Hamas hat in der Nacht zu Donnerstag eine überarbeitete Antwort auf den jüngsten Vermittlungsvorschlag übermittelt. Die Terrororganisation erklärte auf Telegram, man habe »die Antwort der palästinensischen Fraktionen« an die Vermittler Katar, Ägypten und USA übergeben.

Ein israelischer Regierungsvertreter bestätigte den Eingang des Schreibens und sprach von einer »deutlichen Verbesserung«, die als Grundlage für weitere Gespräche dienen könne. Das berichtete die israelische Publikation »ynet«.

Noch Anfang der Woche hatten israelische und amerikanische Stellen die vorherige Antwort der Hamas als »völlig unzureichend« bezeichnet. In Kairo und Doha war sie von den Vermittlern dem Vernehmen nach sogar abgelehnt worden, ohne dass sie an Israel weitergeleitet worden wäre. Stattdessen habe man der Hamas gesagt: »Kommt mit einer anderen Antwort zurück.«

Treffen in Sardinien

Nun scheint diese überarbeitete Reaktion eingetroffen zu sein – und könnte zumindest den Rahmen für neue Verhandlungen bieten. Parallel dazu soll es am Donnerstag in Sardinien ein Treffen geben: Israels Minister für Strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, will dort mit dem US-Nahostgesandten Steve Witkoff und einem ranghohen Vertreter Katars zusammenkommen.

Nach Angaben eines israelischen Insiders ist die neue Hamas-Antwort »deutlich konstruktiver als die vorherige«. Doch ob daraus tatsächlich ein Durchbruch wird, bleibt offen. In israelischen Regierungskreisen herrscht Zurückhaltung: Dermer selbst habe in vertraulichen Gesprächen eingeräumt, »heute weniger optimistisch« zu sein als gestern – hieß es in Medienberichten.

Die Hauptstreitpunkte bleiben laut diplomatischen Quellen bestehen. Ein zentraler Knackpunkt ist der Umfang eines möglichen israelischen Rückzugs aus dem Gazastreifen – insbesondere aus Gebieten, die seit März unter Kontrolle der Armee gebracht wurden. Die Hamas verlangt laut dem Vorschlag vom Januar einen weitgehenden Abzug, dem Israel bislang nicht zustimmen will.

Lesen Sie auch

Keinerlei bindende Verpflichtung

Zudem herrscht Misstrauen gegenüber den US-amerikanischen Zusicherungen. Zwar hat Washington mündlich versichert, dass eine befristete Waffenruhe in eine dauerhafte Regelung überführt werden soll – inklusive vollständigem Rückzug der IDF. Doch diese Zusage sei bislang nicht im offiziellen Vertragstext verankert, heißt es von einem Vermittlerstaat.

Hamas-Führer befürchten, dass Israel die Waffenruhe taktisch nutzen, sich aber später einem endgültigen Abzug verweigern könnte. Die israelische Regierung wiederum betont, es gebe keinerlei bindende Verpflichtung für ein solches Vorgehen.

Die Unsicherheit über die Zukunft der Waffenruhe führt auch innerhalb der Hamas zu Spannungen. Ein Teil der Führung drängt darauf, den aktuellen Vorschlag als letztes Angebot zu behandeln – und im Gegenzug die maximal mögliche Zahl palästinensischer Gefangener aus israelischen Gefängnissen freizupressen.

Zwischen »verhandelbar« und inakzeptabel

Besonders die prominentesten Häftlinge stehen dabei im Fokus. Sie gelten in der Organisation als »nationale Helden« – einige von ihnen wurden vom inzwischen getöteten Hamas-Führer Yahya Sinwar persönlich als künftige Kandidaten für eine Freilassung benannt, noch vor dem Massaker vom 7. Oktober.

Israels Sicherheitsdienste und politische Führung wurden nach »ynet«-Angaben bereits über die Inhalte der Hamas-Antwort informiert. Die Bewertungen dort sind bislang vorsichtig: Einerseits sei die neue Position der Terrororganisation »verhandelbar«, andererseits seien zentrale Forderungen weiterhin inakzeptabel.

Ob sich aus der neuen Dynamik tatsächlich ein Durchbruch ergibt, könnte sich in den kommenden Tagen zeigen. Das Treffen in Sardinien gilt als wichtiges Signal dafür, dass zumindest alle Beteiligten noch bereit sind, nach einer Lösung zu suchen. Der US-Gesandte Steve Witkoff, der zuletzt mit einer möglichen Reise nach Doha in Verbindung gebracht wurde, nimmt nun direkt an den Gesprächen teil. Israels Regierung, so ist zu hören, bereitet sich intern sowohl auf eine neue Verhandlungsrunde als auch auf ein mögliches Scheitern vor. ja

Jerusalem

NGO Monitor: Umbenennungen sollen Sanktionen gegen Terror-Verbindungen umgehen

Betroffen sind vor allem Organisationen, denen Verbindungen zur Hamas oder zur PFLP vorgeworfen werden. Was bedeutet dies für die Wirksamkeit von Sanktionssystemen?

 18.09.2026

Ranking

Jerusalem Post: Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Luftfahrt

SAS streicht geplante Direktflüge zwischen Kopenhagen und Tel Aviv

Welche Begründung liefert die skandinawische Fluglinie für ihren Kurswechsel?

 18.09.2026

Terrorismus

Die Huthi bedrohen den Hafen von Eilat

Die Kontrolle über eine der wichtigsten Handelsrouten droht sich zu verschärfen – mit Folgen für Israels Seehandel, Versorgung und Lebenshaltungskosten

von Sabine Brandes  18.09.2026

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Kanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 18.09.2026 Aktualisiert

Gesellschaft

20.000 neue Olim – auch aus Deutschland

Die Jewish Agency verzeichnete im jüdischen Jahr 5786 Einwanderer aus 100 Ländern. Besonders viele kamen aus Russland, Frankreich und den USA

von Sabine Brandes  17.09.2026

Tel Aviv

Heikle Bergung eines 2000 Jahre alten Ritualbads in Israel

Mit Spezialkran und viel Fingerspitzengefühl: In Israel wird eine 25 Tonnen schwere Mikwe aus der Erde gehoben. Stahlträger halten das antike Bauwerk zusammen – die heikle Bergung gelingt unbeschadet

 17.09.2026