Nahost

Israels Regierung bestreitet Hungersnot in Gaza

Palästinenser aus Gaza transportieren am Dienstag Mehlsäcke, die ihnen übergeben wurden. Foto: picture alliance / NurPhoto

Die israelische Regierung bestreitet Berichte über eine akute Hungersnot im Gazastreifen. Ein hochrangiger Beamter erklärte am Dienstag, es gebe derzeit keine Hinweise auf flächendeckendes Verhungern. Zugleich räumte er laut ein, dass die humanitäre Lage in Teilen des Küstenstreifens angespannt sei. Maßnahmen zur Stabilisierung seien dringend erforderlich. Eine umfassende Lagebewertung durch die zuständige Militärbehörde COGAT sei der Regierung zufolge erfolgt, schreibt die »Times of Israel«.

Demnach kann von einer Blockade von Hilfsgütern nicht die Rede sein. Laut COGAT stehen rund 950 Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern auf der palästinensischen Seite der Grenzübergänge Kerem Schalom und Zikim bereit. Sie seien von israelischer Seite längst abgefertigt worden und warteten nun auf Abholung durch UN-Organisationen.

Allein dieser Vorrat reicht nach israelischer Einschätzung aus, um die Bevölkerung für etwa zweieinhalb Wochen zu versorgen. Hauptproblem ist nach Angaben der Regierung nicht der Zugang nach Gaza, sondern die fehlende Weiterverteilung vor Ort. Diese Situation trat bereits mehrmals auf, seitdem die Hamas den Krieg begann. Beschuldigt wurde dennoch stets Israel.

Verweis auf Sicherheitsrisiken

In offiziellen Erklärungen der Vereinten Nationen hatte es geheißen, Israel erschwere durch Genehmigungsverfahren, Sicherheitskontrollen und die Ablehnung bestimmter Forderungen – etwa nach Kommunikationsmitteln oder Sicherheitseskorten – die Arbeit der Hilfsorganisationen erheblich. Das Argument, Israel lasse gezielt Konvois abweisen oder gefährde sie sogar, wird von israelischer Seite mit Verweis auf Sicherheitsrisiken zurückgewiesen.

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Wie die »Times of Israel« weiter berichtet, sieht die Regierung in Jerusalem hinter den jüngsten Hungerwarnungen eine gezielte Propagandaoffensive der Hamas. Die Terrororganisation nutze die schwierige Lage der Zivilbevölkerung bewusst aus, um den internationalen Druck auf Israel zu erhöhen – insbesondere mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zur Freilassung israelischer Geiseln.

Die Gesundheitsbehörde der Hamas hatte am Dienstag mitgeteilt, binnen 24 Stunden seien 15 Menschen, darunter vier Kinder, an Hunger und Mangelernährung gestorben. Insgesamt habe es seit Beginn des Kriegs über 100 solche Todesfälle gegeben. Israel bezweifelt diese Zahlen, betont aber, dass es mit palästinensischen Akteuren vor Ort sowie mit internationalen Organisationen in Kontakt stehe.

Chaotisches Umfeld

Auf Grundlage von Lkw-Inhalten, Kalorienberechnungen und Informationen aus dem Gazastreifen gehe man davon aus, dass derzeit keine großflächige Hungersnot herrsche, hieß es.

Seit dem 19. Mai, dem Wiederbeginn der Hilfslieferungen nach einer zweieinhalbmonatigen Pause, fuhren nach israelischen Angaben rund 4500 LKW mit Hilfsgütern nach Gaza. Etwa die Hälfte der Ladungen ging an Lager der Vereinten Nationen, der Rest an Verteilzentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) – einer von den USA und Israel unterstützten Initiative zur Vermeidung von Plünderung und Einflussnahme durch die Hamas.

Doch auch das GHF-System steht unter Druck: Hilfskonvois seien teils geplündert worden, logistische Abläufe funktionierten nur eingeschränkt, Empfängerlisten existierten nicht. Die Verteilung finde in einem chaotischen Umfeld statt, ohne klare Kontrolle. Die Terroristen warnen offen vor Kooperation mit dem GHF und wirft der Organisation vor, Teil einer israelisch-amerikanischen Strategie zu sein, die Bevölkerung zu spalten.

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Keine belastbare Grundlage

Auch wurde Israel indirekt vorgeworfen, für den Tod von über 1000 Palästinensern verantwortlich zu sein. Sie seien umgekommen, während sie versucht hätten, an Hilfsgüter zu gelangen – häufig in der Nähe von israelischen Militärposten. Israel erklärte, es sei in mehreren Fällen zu Schussabgaben gekommen, um Menschenmengen zu stoppen, die sich unkontrolliert genähert hätten. Angaben über Opferzahlen seien jedoch übertrieben und entbehrten belastbarer Grundlage.

Außenminister Gideon Sa’ar schrieb auf der Plattform X, er habe der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas erklärt, dass die Hamas eine Lügenkampagne führe. »Die Hamas ist es, die Zivilisten erschießt und foltert, wenn sie versuchen, die Hilfsgüter abzuholen.«

In Gaza hat die Hamas weiterhin 50 Geiseln in ihrer Gewalt, von denen offenbar nur noch 20 am Leben sind. Aus den Berichten früherer Geiseln der Palästinenser geht hervor, dass die Verschleppten von den Terroristen ausgehungert und gefoltert werden. Viele wurden in den Terror-Tunneln in Gaza ermordet. Eine Freilassung, die nicht nur das Leid der Geiseln und ihrer Angehörigen, sondern auch den Krieg beenden könnte, lehnt die Hamas ab.

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