Jerusalem

Während des Krieges: Israels Militär setzte auf großes Juristenteam

Israelische Soldaten in Gaza Foto: picture alliance / SIPA

Während des Krieges gegen Hamas im Gazastreifen wurde die israelische Armee von einem außergewöhnlich großen Netzwerk internationaler und militärischer Juristen beraten. Nach Informationen aus israelischen Sicherheitskreisen standen den Kommandeuren während der Kämpfe bis zu 130 Rechtsexperten zur Seite, um operative Entscheidungen rechtlich abzusichern und mögliche Vorwürfe von Kriegsverbrechen zu vermeiden. »The Jerusalem Post« berichtete.

Kern des Systems war die Abteilung für internationales Recht innerhalb der Armee, die mit mehreren Dutzend Vollzeitjuristen sowie rund hundert Reserveoffizieren verstärkt wurde. Diese Berater waren in der militärischen Führung, in regionalen Hauptquartieren und teilweise nahe der Front eingesetzt. Die massive personelle Aufstockung sollte die Flut an rechtlichen Fragen bewältigen, die in einem komplexen Mehrfrontenkrieg entstanden.

Die rechtliche Begleitung begann bereits am 7. Oktober 2023. Juristen waren laut Angaben innerhalb weniger Stunden nach dem Angriff einsatzbereit – noch bevor der Großteil der Kampftruppen an der Gaza-Grenze eintraf. Ein hoher Militärjurist sprach von einer beispiellosen Herausforderung, da Hamas systematisch zivile Infrastruktur nutze und internationale Rechtsnormen missbrauche. Der Konflikt sei zu einem neuen Fallbeispiel dafür geworden, wie militärische Ziele erreicht werden könnten, ohne die Zivilbevölkerung unverhältnismäßig zu schädigen.

Zerschlagung der Hamas

Im Vergleich zu früheren Gaza-Konflikten waren die militärischen Ziele deutlich ambitionierter. Ziel war nicht nur eine begrenzte Abschreckung, sondern die Zerschlagung der militärischen und politischen Strukturen von Hamas. Dadurch verschoben sich auch die rechtlichen Bewertungsmaßstäbe, etwa beim Prinzip der Verhältnismäßigkeit zwischen militärischem Vorteil und zivilem Schaden. Viele Ziele, die früher als sekundär galten, wurden nun als zentral eingestuft, was die juristische Bewertung weiter erschwerte.

Lesen Sie auch

Die Juristen mussten zudem Evakuierungen in bisher ungekanntem Ausmaß begleiten. Statt einzelner Gebäude oder Viertel betrafen Warnungen und Umsiedlungen zeitweise mehr als eine Million Menschen. Gleichzeitig wurden Einsatzregeln für Zehntausende Soldaten und Panzerbesatzungen formuliert, die in unterschiedlichen Gebieten und unter variierenden Bedingungen operierten. Hinzu kam die Tunnelkriegsführung, die mit Tausenden unterirdischen Anlagen völlig neue operative und rechtliche Fragen aufwarf.

Ein weiterer Schwerpunkt betraf laut »The Jerusalem Post« den Umgang mit Massenverhaftungen, Gefangenen und der Zivilbevölkerung. Auch nach Evakuierungen mussten die Juristen die Regierung und die zuständigen Behörden zu humanitären Verpflichtungen beraten und mit internationalen Organisationen kommunizieren. Israel sieht sich dabei nach eigenen Angaben vor allem als Vermittler für Hilfslieferungen durch Dritte.

Schutz vor Festnahmen

Parallel dazu bereitete man sich auf mögliche juristische Schritte im Ausland vor. Das Außenministerium, das Justizministerium und externe Kanzleien arbeiteten mit der Militärrechtsabteilung zusammen, um Soldaten vor Festnahmen oder Verfahren in Drittstaaten zu schützen.

Mehrfach seien Soldaten beinahe festgenommen worden. In einzelnen Fällen kam es zu Befragungen durch ausländische Behörden. Ein zentrales Risiko sehen die Behörden in Social-Media-Posts, durch die Soldaten identifizierbar werden und potenzielle Strafanzeigen erleichtert würden. im

Jerusalem

Isaac Herzog: Wir verändern die gesamte Konfiguration des Nahen Ostens

»Es ist eine Lektion für die Welt, dass man Grausamkeit mit viel Anstrengung und Stärke begegnen muss, ohne mit der Wimper zu zucken«, sagt Israels Präsident

 11.03.2026

Nahost

Nächtliche Angriffe und neue Spannungen in der Region: Iran feuert Raketen auf Israel

Die Lage im Überblick

 11.03.2026

Krieg

Netanjahu ruft Iraner zum Sturz der Führung auf

In den kommenden Tagen wolle man Bedingungen schaffen, die es den Menschen im Iran ermöglichen sollen, »ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen«, kündigte der israelische Regierungschef an

 10.03.2026

Jerusalem

Israels Außenminister: Wir wollen keinen endlosen Krieg

Wann die Ziele im Krieg mit dem Iran erfüllt sind, wolle Israel mit den US-Partnern abstimmen, sagte Gideon Saar

 10.03.2026

Cyberkrieg

Vom Iran im Netz für tot erklärt

Hackerangriffe gegen Israel nehmen zu und Teheran verbreitet gezielt Falschmeldungen – auch über einzelne Personen

von Sabine Brandes  10.03.2026

Jerusalem

Wadephul macht Solidaritätsbesuch in Israel

Knapp eineinhalb Wochen nach Beginn der Angriffe auf den Iran reist der deutsche Außenminister nach Israel. Während eines Raketenalarms muss er Schutz in einem Bunker suchen

 10.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Iran: Neue Raketen auf Israel gefeuert - Sirenen heulen

Die 34. Angriffswelle erfolgt laut Angaben des Mullah-Regimes in Teheran mit präzisionsgelenkten ballistische Raketen

 10.03.2026

Tel Aviv

Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: Die Menschen versuchen, sich ein Stück Normalität zu bewahren. Eindrücke aus einer Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand

von Cindy Riechau  10.03.2026

Rettungskräfte am Einschlagsort in Yehud

Nahost

Zweiter Todesfall nach iranischem Streubombenangriff in Yehud

Bürgermeister Greenberg spricht den Familien der Opfer sein Beileid aus

 10.03.2026