Haifa

Vier Opfer eines iranischen Angriffs als Mitglieder einer Familie identifiziert

V.l.: Wladimir Gershovitz (73), Lena Ostrovsky Gershovitz (68), ihr Sohn Dimitri Gershovitz (42) sowie dessen Ehefrau Lucille-Jane Gershovitz (29) Foto: Facebook

Die vier Opfer eines iranischen Raketenangriffs auf ein Wohnhaus in der israelischen Stadt Haifa am Sonntag sind identifiziert worden. Bei den Toten handelt es sich um Mitglieder derselben Familie: Das Ehepaar Wladimir Gershovitz (73) und Lena Ostrovsky Gershovitz (68), ihr Sohn Dimitri Gershovitz (42) sowie dessen Ehefrau Lucille-Jane Gershovitz (29).

In Israel ist die Anteilnahme an dem Schicksal der Familie groß. Insbesondere zum Tod von Lena Ostrovsky Gershovitz, die eine bekannte israelische Theatermacherin und Lehrerin am »Nissan Nativ Acting Studio« in Jerusalem war, meldeten sich zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen zu Wort.

Lebenswerk von Ostrovsky Gershovitz gewürdigt

Die »Times of Israel« zitiert aus der Stellungnahme des israelische Schauspieler-Verbands, der das Lebenswerk von Ostrovsky Gershovitz würdigte und betonte, sie habe mit großer Hingabe, Professionalität und vor allem einer »tiefen Liebe zur Arbeit und zu ihren Schülern« Generationen von Schauspielern geprägt.

Auch Kulturminister Miki Zohar drückte auf der Plattform X sein Beileid aus. Er verwies dabei auf den enormen Einfluss, den Ostrovsky Gershovitz auf die »Generationen von Schauspielern, die ihr Studio durchliefen«, hatte. Angesichts der tragischen Umstände fügte er hinzu: »Jeder der ermordeten Zivilisten ist eine Welt für sich. Ich sende den Familien der Ermordeten und ihren Angehörigen mein Beileid.«

Die Schauspielerin und Regisseurin Keren Tsur unterstrich laut der »Times of Israel« die Bedeutung der Verstorbenen und bezeichnete sie als eine »mythologische Lehrerin«. In der gesamten Branche sei sie eine feste Größe gewesen. Es gebe »nicht viele Schauspieler im Land, die sie nicht kannten«.

Dima und Lucille-Jane Gershovitz hatten im April 2024 geheiratet

Einem Bericht von »Ynet« zufolge waren Dimitri und Lucille-Jane erst am Sonntag aus Herzlija nach Haifa gereist, um Dimitris Vater Wladimir nach einem längeren Krankenhausaufenthalt nach Hause zu begleiten – nur wenige Stunden bevor eine Rakete ihr Heim traf.

»Sie träumten von einer Familie und Kindern – Träume, die nun nicht mehr wahr werden.«

ein familienfreund laut »ynet«

Ein Freund der Familie schilderte die tragischen Umstände so: »Dima gelang es noch, Wladimir aus dem Krankenhaus zurückzubringen, doch leider traf die Rakete das Haus und tötete alle vier. Sämtliche Stockwerke stürzten auf die erste Etage herab, in der sie lebten.«

Dima hatte Lucille-Jane erst im April 2024 geheiratet, wie »Israel Hayom« berichtet. Die gebürtige Philippinerin war nach Israel gezogen, nachdem sie Dima in ihrer Heimat kennengelernt hatte. Ein enger Bekannter erzählte gegenüber »Ynet«, dass Lucille-Jane anfangs besorgt über den Umzug nach Israel gewesen sei, sich aber letztlich dazu entschloss, »ihrer Liebe zu folgen«. Das Paar hatte große Pläne für die Zukunft: »Sie träumten von einer Familie und Kindern – Träume, die nun nicht mehr wahr werden«, so der Freund weiter.

Präsident Herzog spricht sein Beileid aus

Auch die politische Führung des Landes reagierte mit tiefer Betroffenheit. Präsident Isaac Herzog sprach der Familie Gershovitz auf X sein tiefstes Beileid aus und bezeichnete sie als »eine wundervolle Familie, die gestern Abend in Haifa durch eine kriminelle iranische Rakete augenblicklich ausgelöscht wurde.« Er dankte zudem den Rettungskräften und der Stadtverwaltung für ihren »hingebungsvollen und professionellen« Einsatz vor Ort.

Lesen Sie auch

Der ehemalige Premierminister Naftali Bennett, der nach eigenen Angaben nur wenige Minuten vom Haus der Familie entfernt aufgewachsen war, teilte seinen Schmerz ebenfalls auf X: »Es ist schwer zu begreifen, wie das gesamte Leben von vier Menschen in einem Moment einfach ausgelöscht wurde. Alles, was war, ist nicht mehr. Der Schmerz ist fast unerträglich.« ja

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026

Regierungsbildung

Israels Oppositionschefs treffen sich zu Gesprächen

Avigdor Liberman soll sich mit Gadi Eisenkot getroffen haben, Yair Golan sprach mit der Gemeinsamen Liste. Der Likud schließt unterdessen eine Rotation im Amt des Ministerpräsidenten aus

 01.11.2026

Gadi Eisenkot spricht in der Wahlnacht vor Anhängern

Regierungsbildung in Israel

Eisenkot nennt vier Bedingungen für mögliche Koalitionspartner

Der Yashar-Chef will die neue Knesset-Mehrheit rasch nutzen und lädt jeden Abgeordneten zur Zusammenarbeit ein, der seine Grundsätze akzeptiert

 01.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Nahost

Opposition warnt vor neuem Krieg mit Iran unter Netanjahu

Angesichts wachsender Spannungen mit dem Iran stellt ein führender Oppositionspolitiker die politische Legitimation Netanjahus für eine neue militärische Auseinandersetzung infrage

 01.11.2026

Isaac Herzog spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Regierungsbildung

Israels Präsident kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Keines der politischen Lager in Israel erreicht die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Nun liegt die Initiative bei Präsident Herzog. Wer erhält den ersten Auftrag zur Regierungsbildung?

 01.11.2026

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026