Gewalt

Ultraorthodoxe jagen israelische Soldatinnen

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, um charedischen Randalierern Einhalt zu gebieten. Foto: Flash90

In der ultraorthodoxen Stadt Bnei Brak sind am Sonntagnachmittag gewalttätige Unruhen ausgebrochen. Auslöser der Tumulte waren zwei israelische Soldatinnen, die in den Straßen des Viertels unterwegs waren. Hunderte von charedischen Männern jagten ihnen nach, sodass die Polizei die jungen Frauen in einer Rettungsaktion in Sicherheit bringen mussten.  

Die Randalierer warfen einen Polizeiwagen um, setzten ein Motorrad in Brand, warfen Mülltonnen auf Sicherheitskräfte und verletzten zwei Polizisten durch Steinwürfe am Kopf. Es seien Blendgranaten sowie Schlagstöcke eingesetzt und 22 Personen bislang festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Ein großes Aufgebot sei im Einsatz, darunter ein Helikopter, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.

Polizeichef Danny Levy bezeichnete die Unruhen als »ungezügelte Ausschreitungen, die alle Grenzen überschritten haben« und erklärte, die »Gesetzesbrecher hätten schwere Taten begangen, die einen Schlag gegen die Symbole der Rechtsstaatlichkeit darstellen«.

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Polizisten und Soldatinnen fliehen vor wütender Menschenmasse

Auf Videos ist zu sehen, wie Polizeibeamte die jungen Frauen an den Armen halten und vor der wütenden und brüllenden Menschenmasse durch die Straßen fliehen, bis sie einen Polizeiwagen erreichen und davonfahren.  

»Ich verurteile die gewalttätigen Ausschreitungen in Bnei Brak gegen Soldatinnen der israelischen Streitkräfte und israelische Polizistinnen aufs Schärfste«, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Stellungnahme. »Es handelt sich um eine extreme Minderheit, die nicht die gesamte ultraorthodoxe Gemeinschaft repräsentiert.« Weiter schrieb er, der Angriff sei »ernst und völlig inakzeptabel«.

Auch Generalstabschef Eyal Zamir reagierte mit scharfen Worten auf den Vorfall. »Wir werden keine Anarchie zulassen und keinerlei Übergriffe auf Angehörige der israelischen Streitkräfte und der Sicherheitskräfte dulden, die ihren Dienst mit Hingabe und Entschlossenheit verrichten.« Zamir fügte hinzu, er erwarte, dass die Angreifer zur Rechenschaft gezogen würden. Verteidigungsminister Israel Katz äußerte sich ähnlich.

Polizeichef Danny Levy: »Es waren ungezügelte Ausschreitungen, die alle Grenzen überschritten haben.«

Die IDF erläuterte, dass die Soldatinnen dem Bildungs- und Jugendkorps angehören und sich im Rahmen eines Heimbesuchs bei einem ihrer Kameraden in der ultraorthodoxen Stadt aufgehalten hatten. Die Frauen erklärten in israelischen Medien später, dass sie aus Angst vor derartigen Vorfällen darum gebeten hatten, nicht in Bnei Brak eingesetzt zu werden.

Eine von ihnen sagte: »Wir haben sogar Röcke angezogen, damit so etwas nicht passiert.« Eine Anwohnerin habe die beiden nach ihrer Ankunft mit den Worten »Ihr solltet nicht hier sein« gewarnt und ihnen geraten, sich zu verstecken.

Der Vorsitzende der ultraorthodoxen Partei Vereinigtes Tora-Judentum, Yitzchak Goldknopf, äußert sich nach dem Überfall. Er sei »schockiert über die Aufnahmen« gewesen und verurteile die Gewalt gegen die Sicherheitskräfte aufs Schärfste. »Dies widerspricht der Tora.«

Parteiübergreifend wird der Vorfall verurteilt

Auch Arie Deri, Vorsitzender der ultraorthodoxen Schas-Partei, verurteilte die Gewalt. Er argumentierte, dass ein solches Verhalten der charedischen Gemeinschaft und ihren Bemühungen um die Befreiung vom Wehrdienst schade, und relativierte den Vorfall mit den Worten, dass es sich bei den Angreifern um »einige wenige Extremisten« gehandelt habe.

Auf den Videos und Foto sind allerdings Hunderte von Männern zu sehen, die buchstäblich eine Hetzjagd auf zwei hilflose Frauen veranstalten und auch nicht ablassen, als bereits mehrere Sicherheitskräfte vor Ort sind.

Als Reaktion auf die Verurteilung des Vorfalls durch Netanjahu forderte der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Yair Golan, den Premierminister auf, die Angreifer nicht nur zu verurteilen, sondern sie stattdessen zum Wehrdienst einzuziehen und in den Straßen von Bnei Brak für Ordnung zu sorgen.

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