Urlaub

Teurer Sommer

Das Zögern vieler ausländischen Fluggesellschaften treibt die Preise der heimischen Airlines auf neues Rekordniveau. Foto: Flash 90

Die Umstellung ging von jetzt auf gleich. Eben noch im Bunker, um Schutz vor den Raketen aus dem Iran zu suchen, und die nächste Minute bereits vor dem Bildschirm, um Flüge in den Urlaub zu buchen. Für viele Israelis kein Widerspruch. Denn der Krieg mit dem Iran ist zu Ende – und die Sommerferien haben bereits begonnen.

So hat es auch Assaf Ronen gemacht. Am 24. Juni wurde der Waffenstillstand verkündet, am Tag darauf kümmerte er sich um seine bevorstehende Reise. »Es war alles gebucht, Holland, Deutschland und Italien mit Flügen, Hotels und Mietwagen«, erzählt der Vater aus Hadera, der mit zwei Töchtern im Grundschulalter verreist. »Doch unsere Flüge mit Wizz waren wegen des Krieges futsch.«

Buchung mit Stornierungsoption

Die Hotels dagegen hatte Ronen mit Stornierungsoption gebucht. »Ich bin ja Israeli und weiß, was in den letzten zwei Jahren hier los war.« Jetzt fliegt er nicht von Tel Aviv aus direkt nach Amsterdam, sondern mit EL AL bis nach Athen, von dort mit einer europäischen Linie nach Berlin und dann weiter mit dem Zug. »Eigentlich nicht so schlimm, doch die Flüge kosten nun das Dreifache.«

Die Kinder haben mindestens zwei Monate Ferien und wollen beschäftigt werden, viele suchen Abwechslung im Ausland.

Es ist die Hauptreisezeit für Israelis. Die Kinder haben mindestens zwei Monate Ferien und wollen beschäftigt werden, viele suchen Abwechslung im Ausland. Doch da bisher nur wenige ausländische Fluggesellschaften ihre Flüge nach Israel wiederaufgenommen haben, gehen die Sitzplatzkontingente der heimischen Airlines schnell zur Neige, und das treibt die Preise auf neue Rekordhöhen.

Mit Beginn des Krieges zwischen Israel und dem Iran am 13. Juni stellten alle großen europäischen und US-amerikanischen Gesellschaften ihre Flüge entweder ein oder verlängerten die Aussetzung. Denn schon vor diesem Krieg hatten Airlines nach dem Einschlag einer Huthi-Rakete Anfang Mai auf dem Ben-Gurion-Flughafen einen Bogen um Israel gemacht.

Kurz nach Verkündigung des Waffenstillstands kehrte zumindest der Flughafen allmählich zum Normalbetrieb zurück. Verkehrsministerin Miri Regev erklärte: »Der Ben-Gurion-Flughafen wird rund um die Uhr und der Flughafen Haifa von 8 bis 22 Uhr geöffnet sein. Wir sind bereit, alle Flüge zu empfangen.«

Bereitschaft zur Rückkehr

Laut Regev bestätigten bereits kurz darauf sieben ausländische Airlines ihre Bereitschaft zur Rückkehr: Fly Dubai, Ethiopian Airlines, die chinesische Hainan Airlines, Etihad, Red Wings, TUS und Blue Bird. Die Europäische Agentur für Flug­sicherheit hat die Beschränkungen für Flüge nach Israel am Montag aufgehoben. Die meisten europäischen Gesellschaften jedoch lassen auf sich warten, nur Air France hob noch am gleichen Tag wieder ab.

Die Lufthansa Group (zu der auch Eurowings gehört) will ihre Flüge größtenteils zum 1. August wiederaufnehmen. Auch Air Europa, Air India, United und ITA haben Flüge bis Ende Juli eingefroren, Air Canada bis zum 7. September, Wizz Air bis zum 15. September, Air Baltic bis Ende September. Der Billigflieger Ryanair, aber auch Iberia, British Airways, und Swiss sogar bis zum 25. Oktober.

Die Verkehrsministerin arbeite mit ihren Kollegen weltweit zusammen, und auch die zivile Luftfahrtbehörde würde sich bemühen, die Lage zu erklären. »Sie drücken uns ihr Vertrauen aus. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass einige von ihnen ihre Maschinen bereits auf anderen Routen eingesetzt haben. Fluggesellschaften brauchen Stabilität«, resümierte die Ministerin. »Und im Nahen Osten herrscht keine Stabilität.«

Bedenkliche Sicherheitslage

So werden es sich die Airlines gründlich überlegen, ob sie die Route wiederaufnehmen. Jedes Mal, wenn sie in den letzten Monaten ihre Rückkehr nach Israel planten, kam es zu einer bedenklichen Sicherheitslage. Doch nehmen sie nicht bald den Flugbetrieb nach Israel wieder auf, wird es ein schwieriger und teurer Sommer für Reisende. »Für jeden, der nach Israel will, warten drei Israelis, die ins Ausland wollen«, erklärt Oz Berlovitz, Geschäftsführer der israelischen Gesellschaft Arkia. »Wir fliegen, so viel wir können.«

Viele Israelis sind erschöpft. Vom Kämpfen, vom Verschieben, vom Umbuchen.

Viele Israelis sind erschöpft. Vom Kämpfen, vom Verschieben, vom Umbuchen. Sie sehnen sich danach, den Stress des Nahen Ostens hinter sich zu lassen und in friedvolleren Gefilden auszuspannen. Doch nicht alle haben die Möglichkeit oder die finanziellen Mittel, ins Ausland zu reisen. So stehen auch heimische Ziele hoch im Kurs. Besonders beliebt: die Badehochburg Eilat am Roten Meer. Dort sind für Juli und August die meisten Hotels bereits ausgebucht. Nicht viel mehr Vakanz gibt es am Toten Meer, im Galil und rund um den Kinneret.

Manche aber zieht es nach wie vor in die Ferne. »Nach der letzten traumatischen Episode sehen wir momentan den drängenden Wunsch der Menschen, zur Routine zurückzukehren«, weiß Revital Ben-Natan von Ofakim Travel und Tours. In der Agentur, die auf Fernreisen spezialisiert ist, stehen Japan, Thailand und die USA hoch im Kurs. »Der Dollar ist niedrig und verspricht bessere Preise für die sonst teuren Amerika-Reisen.«

Statt Dubai etwa würden Israelis in diesem Sommer Griechenland bevorzugen. »Viele gehen auf Nummer sicher, denn von dort ist die Rückreise nach Hause einfacher«, so die Reiseberaterin. Doch die Israelis buchten nicht nur für die großen Ferien. »Sogar der Run auf die Plätze für die Hohen Feiertage im Herbst hat schon begonnen.«

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