Gaza

Terrorgruppe feuerte wissentlich defekte Raketen ab

Ein Terrorist des Islamischen Dschihad in Gaza Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der Islamische Dschihad setzte während des Gaza-Krieges wissentlich defekte Raketen ein, die Hunderte von Palästinensern töteten. Dies wurde kürzlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Kan enthüllt.

Grundlage der Berichterstattung ist ein internes Dokument, das während der Kämpfe im Gazastreifen entdeckt und vom Intelligence and Terrorism Information Center ausgewertet wurde. Das Papier belegt, dass die Führung der Hamas intern empört darüber gewesen sei, dass zahlreiche Raketen des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) ihr Ziel verfehlten, innerhalb des Gazastreifens einschlugen und dabei palästinensische Zivilisten töteten.

Hamas stellte den Islamischen Dschihad zur Rede

Das Dokument fasst ein Treffen in Beirut zusammen, das während des Krieges zwischen einem hochrangigen Hamas-Vertreter mit dem Decknamen »Ahmed« und Akram al-Ajouri, dem Chef des militärischen Arms des Islamischen Dschihad, stattfand. In der Zusammenfassung heißt es, Ahmed habe Ajouri scharf zur Rede gestellt: »Eure Raketen fallen am helllichten Tag auf die Häuser der Menschen, und das passiert immer wieder.«

Besonders brisant ist die im Dokument festgehaltene Antwort Ajouris, die selbst innerhalb der Hamas für Entsetzen gesorgt haben soll. Demnach entgegnete der PIJ-Kommandeur: »Wir befinden uns im Krieg. Und selbst wenn tausend Menschen durch Eigenbeschuss getötet werden, ist das der Preis des Krieges.«

Im weiteren Verlauf des Gesprächs habe Ajouri eingeräumt, dass dem Islamischen Dschihad erhebliche Probleme bei der Raketenproduktion bekannt gewesen seien. Dennoch habe der militärische Arm der Organisation die Geschosse weiterhin abgeschossen.

Laut dem Dokument werden die Raketen auf Grundlage von Bauplänen der iranischen Revolutionsgarden hergestellt – ein Hinweis auf die enge militärische Zusammenarbeit zwischen Teheran und den bewaffneten palästinensischen Gruppen im Gazastreifen.

Palästinensische Rakete fiel auf Innenhof vom Krankenhaus

Zehn Tage nach Ausbruch des Gaza-Krieges kam es zu einem besonders folgenschweren Vorfall: Eine vom Islamischen Dschihad auf Israel abgefeuerte Rakete versagte kurz nach dem Start und schlug im Innenhof des Al-Ahli-Krankenhauses in Gaza-Stadt ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten dort Tausende Palästinenser Zuflucht gesucht. Bei der Explosion seien Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

Unmittelbar nach dem Vorfall beschuldigte die Hamas Israel, das Krankenhaus gezielt angegriffen zu haben, offenbar in der Hoffnung, der internationale Druck auf Jerusalem könne den Krieg vorzeitig beenden. Später veröffentlichte die israelische Armee Videomaterial des Senders Al-Jazeera, das nach israelischer Darstellung zeigt, wie die Rakete vom Gazastreifen aus abgefeuert wurde und kurz darauf auf dem Krankenhausgelände einschlug. Internationale Experten stuften die Aufnahmen als ein starkes Indiz gegen die Darstellung der Hamas-Darstellung ein.

Die nun veröffentlichten Dokumente werfen ein neues Licht auf die internen Spannungen zwischen Hamas und Islamischem Dschihad – und auf die Tatsache, dass der Einsatz unzuverlässiger Waffen bewusst in Kauf genommen wurde, obwohl die eigene Zivilbevölkerung dadurch massiv gefährdet war.

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

»Gaza-Flottille«

Israel schiebt zwei Gaza-Aktivisten ab

Der Spanier Saif Abu Keschek und der Brasilianer Thiago Ávil wurden nach der Blockade der Gaza-Flotte nach Israel gebracht – jetzt folgt ihre Abschiebung

 10.05.2026

Terror

Hisbollah greift Israel an: Mehrere Soldaten verletzt

Im Norden des jüdischen Staates werden zwei Soldaten in Krankenhäuser gebracht. Einer von ihnen ist schwer verwundet. Ein weiterer Soldat wird im Süd-Libanon getroffen

 08.05.2026

Vorwurf

»Kult-Rabbi« aus Meron verhaftet

Ein Gemeindeführer der Breslov-chassidischen Bewegung soll seine Autorität für sexuelle Übergriffe missbraucht haben

von Sabine Brandes  08.05.2026

Gesellschaft

Regierung will Rückkehrrecht ändern

Entsprechend des Entwurfs sollen künftig nur noch orthodoxe Übertritte zum Judentum anerkannt werden

von Sabine Brandes  08.05.2026

Tel Aviv

Erster Hantavirus-Fall in Israel registriert

Die betroffene Person soll sich vor mehreren Monaten während eines Aufenthalts in Osteuropa angesteckt haben

 08.05.2026

Jerusalem

Bennett verklagt Ministerin und Fernsehsender wegen Behauptungen über psychische Erkrankung

Der Oppositionspolitiker fordert laut israelischen Medienberichten Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Schekel (0,59 Millionen Euro)

 08.05.2026

Jerusalem/Washington D.C./Ankara

Israel und USA wollen neue Gaza-Flottille stoppen, bitten Türkei um Hilfe

Konkret geht es demnach um 15 Boote, die sich in türkischen Häfen befinden und Teil der sogenannten »Global Sumud Flotilla« werden sollen

 08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026