Hunderte Menschen haben am Montagabend in Alei Zahav Abschied von Netanel Shukrun genommen. Der sechsfache Vater war am Sonntag bei einem Terroranschlag an einer natürlichen Quelle nahe Neve Tzuf im Westjordanland erschossen worden. Sein 16-jähriger Sohn Yoav überlebte den Angriff.
Shukrun war mit seinem ältesten Sohn zu der Quelle gefahren, um vor Jom Kippur entsprechend jüdischer Tradition in dem Wasser unterzutauchen. Während sich beide dort aufhielten, eröffnete ein bewaffneter Täter aus einem Fahrzeug heraus das Feuer. Shukrun befand sich zu diesem Zeitpunkt in seinem eigenen Wagen.
Nach Angaben seiner Familie warnte der Vater seinen Sohn unmittelbar vor den Schüssen. Yoav konnte daraufhin fliehen. Shukrun selbst wurde getroffen und schwer verletzt. Er wurde in das Beilinson-Krankenhaus in Petach Tikwa gebracht, erlag dort jedoch später seinen Verletzungen.
Letzte Augenblicke
Bei der Trauerfeier in der Heimatgemeinde des Getöteten waren zahlreiche Kinder und Jugendliche anwesend. Auch Finanzminister Bezalel Smotrich und Generalmajor Avi Bluth, der Kommandeur des Zentralkommandos der israelischen Armee, nahmen teil.
Shukruns Witwe Meirav erinnerte an die letzten Augenblicke ihres Mannes und an seinen Einsatz für den gemeinsamen Sohn. »Im letzten Moment warnte er Yoav«, sagte sie. »Danke, Nati, für deinen Mut.« Die Familie habe eigentlich geplant, in der kommenden Woche gemeinsam ins Ausland zu fliegen. Für seine Frau sei Shukrun ein außergewöhnlich engagierter Vater gewesen. 18 Jahre lang sei »alles perfekt« gewesen.
Auch Yoav richtete bei der Beerdigung persönliche Worte an seinen Vater. »Papa, ich möchte dir für 16 gemeinsame Jahre danken. Danke, dass du mir zugerufen hast, als der Terrorist kam«, sagte der 16-Jährige. Er könne sich zwar nicht mehr daran erinnern, was sein Vater genau gerufen habe, doch die Warnung habe ihm die Flucht ermöglicht. »Danke, dass du mein Leben gerettet hast, Gott sei Dank habe ich überlebt«, sagte Yoav.
Bescheiden und freundlich
Mehrere Redner beschrieben Shukrun als bescheidenen und freundlichen Menschen, dessen Familie für ihn im Mittelpunkt gestanden habe. Yossi Dagan, Vorsitzender des Regionalrats Samaria, forderte nach dem Anschlag zugleich ein entschlossenes militärisches Vorgehen der Regierung. Er verlangte unter anderem die Beschlagnahmung von Waffen und die Wiedereinrichtung von Kontrollpunkten im Westjordanland.
»Das Volk Israel erwartet von der Regierung, dass sie nach diesem abscheulichen Mord ihre Vorgehensweise ändert«, sagte Dagan. Die Maßnahmen müssten sich gegen die gesamte Infrastruktur richten. Zudem forderte er Konsequenzen für ein Dorf und dessen Imam, dem er Anstiftung während der wöchentlichen Freitagspredigten vorwarf.
Der Täter war nach den Schüssen aus seinem Fahrzeug ausgestiegen und zu Fuß geflohen. Dabei war er weiterhin bewaffnet. Ein Soldat der Binyamin-Brigade eröffnete nach Angaben der israelischen Armee das Feuer auf den flüchtenden Angreifer und verletzte ihn. Später wurde der Mann in einem Krankenhaus nahe Ramallah festgenommen.
Seit dem Hamas-geführten Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Krieges ist die Gewalt im Westjordanland deutlich angestiegen. Es kam zu weit über 800 palästinensischen Terroranschlägen, bei denen viele Israelis im Westjordanland ermordet wurden. Derweil greifen immer wieder radikale israelische Siedler palästinensische Dörfer an und setzen Fahrzeuge in Brand. im