Proteste

Tag der Störungen

Proteste im ganzen Land am Donnerstag Foto: Flash90

Sie störten Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir und die Mitglieder des Oberrabbinats in Tel Aviv. Sie unterbrachen den Verkehr auf der Autobahn Ayalon und an Hautverkehrsadern in Haifa. Mit massiven Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens wollten die Demonstranten am »Tag der Störungen« auf die Regierungspolitik aufmerksam machen, die sie vehement ablehnen.

Nach 18 Wochen geht es noch immer um die geplante Umwandlung der Justiz. Obwohl die Pläne zugunsten von Kompromissverhandlungen unter der Aufsicht von Präsident Isaac Herzog derzeit ruhen, will die Anti-Regierungsbewegung keine Pause einlegen.

frauen Vor dem rabbinischen Gericht in Tel Aviv blockieren Hunderte – vor allem Frauen – den Verkehr und forderten lautstark »Gleichheit«. Viele von ihnen hatten sich die roten Kostüme der »Handmaid’s Tale« übergezogen. Andere zelebrierten symbolische Trauungen, ein Protest gegen das Monopol, das dem Rabbinat die Kontrolle über alle jüdischen Eheschließungen im Land gibt.

»Hightech fällt – wir alle fallen«, lautete das Motto eines Protests in Tel Aviv.

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich an einer der größten Kreuzungen von Haifa. Drei Demonstranten wurden wegen des Verdachts ordnungswidrigen Verhaltens und einer wegen des Verdachts des Angriffs auf einen Polizisten festgenommen. Auch andere Hauptverkehrsadern wurden blockiert, darunter stundenlang die Kaplan-Straße und die Ayalon-Autobahn von Tel Aviv, sowie wichtige Kreuzungen in Raanana, Modiin, Beer Sheva und an zahlreichen anderen Orten im ganzen Land.

SCHAUFENSTERPUPPEN Aktivisten veranstalteten auch Demonstrationen vor den Häusern prominenter Kabinettsminister. In der Siedlung Kiryat Arba im Westjordanland wurden mit roter Farbe bespritzte Schaufensterpuppen, die Leichen darstellen sollten, vor dem Haus des Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, aufgestellt. Die Protestierenden beschuldigen Ben-Gvir, die Mordwelle vor allem in der arabischen Gemeinschaft zu ignorieren.

»Ben-Gvir repräsentiert alles, was an der derzeitigen Regierung falsch ist – null Regierungsführung, null Verantwortung, null Fähigkeiten«, fasste es Yiftach Golov, einer der Anführer der Gruppe »Brothers in Arms« zusammen. Die Gruppe von IDF-Reservisten spricht sich gegen die Justizreform aus.

Vor dem Haus von Finanzminister Bezalel Smotrich, auch er ein ultranationalistischer Vertreter der Koalition, in der Siedlung Kedumim im palästinensischen Westjordanland wurde ein Morgengottesdienst abgehalten, bei dem Demonstranten zeitweilig den Zugang zu seinem Haus blockierten.

Auch Angestellte aus der Hightech-Industrie nahmen an den Protesten teil. Sie warnen regelmäßig vor wirtschaftlichen Auswirkungen für den Fall, dass Israel keine Demokratie mehr sein sollte. Am Tag der Störungen stellten sie überdimensionale Dominosteine auf dem zentralen Habima-Platz in Tel Aviv auf. Das Motto: »Hightech fällt – wir alle fallen«.

Israel

Netanjahu macht Krebsbehandlung öffentlich

Der Ministerpräsident wurde wegen eines bösartigen Prostatatumors behandelt

 24.04.2026

Tel Aviv

El Al baut Flugverkehr wieder aus: 40 Ziele bis nächste Woche

Nach Angaben der Fluglinie soll das Angebot im Laufe des Monats weiter wachsen. Es sei denn, die Sicherheitslage verändert sich wieder

 24.04.2026

Jerusalem

Ein Diplomat für die christliche Welt

George Deek soll als Sondergesandter Schadensbegrenzung betreiben und »die Beziehungen weltweit vertiefen«

von Sabine Brandes  23.04.2026

Untersuchungskommission

Hamas-Massaker: Unruhen im Gerichtssaal

Israel ist noch immer auf der Suche nach Antworten für die Versäumnisse vor dem 7. Oktober

von Sabine Brandes  23.04.2026

Jom Haazmaut

Trump erhält Israel-Preis für besondere Verdienste um das jüdische Volk

Nach Angaben des israelischen Bildungsministeriums erhält der amerikanische Präsident den Preis in der Kategorie »besondere Verdienste um das jüdische Volk«

 23.04.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Jom Haazmaut

Herzog ehrt Soldaten am Unabhängigkeitstag – Armee zu neuer Offensive bereit

»Herausragende Soldaten lernen in normalen Jahren die Schlachten der Vergangenheit – aber ihr kämpft die Schlachten, die künftige Generationen studieren werden«, sagt der Präsident zu IDF-Angehörigen

 23.04.2026

Israel

Ein Kind nach dem Tod

Israelische Richter erlauben der Familie der getöteten Geisel Yotam Haim die Verwendung von dessen Sperma, um einen Enkel zu zeugen

von Sabine Brandes  23.04.2026

Gastbeitrag

Anne Frank mit Kufiya: Ein Fall für die Justiz

Der grassierende israelbezogene Antisemitismus stellt die deutsche Justiz vor große Herausforderungen. Das zeigt sich besonders am Umgang mit dem Bild »Anne«, das die Schoa instrumentalisiert

von Susanne Krause-Hinrichs  23.04.2026