Jerusalem

Staatskontrolleur kritisiert unvollständige Aufarbeitung der Versäumnisse vom 7. Oktober

Staatskontrolleur Matanyahu Englman Foto: copyright (c) Flash90 2026

Der israelische Staatskontrolleur Matanyahu Englman hat beklagt, dass Öffentlichkeit und Parlament bislang nur ein fragmentarisches Bild von den Versäumnissen im Zusammenhang mit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 erhalten hätten. Verantwortliche aus Politik und Militär hätten selektiv Informationen verbreitet, während seine eigene Untersuchung durch eine gerichtliche Anordnung gestoppt worden sei, erklärte er laut israelischen Medienberichten.

Hintergrund ist ein laufendes Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof, der im Dezember die Veröffentlichung von Englmans Untersuchungsergebnissen vorerst untersagt hatte. Der Prüfer reagierte nun auf Petitionen, die sogar ein vollständiges Ende seiner Untersuchung fordern. In seiner Stellungnahme sprach er laut »Times of Israel« von »unangemessenem Verhalten« führender Amtsträger, da die Öffentlichkeit mit einem »unvollständigen Bild« konfrontiert worden sei, statt mit umfassenden und geprüften Berichten seines Amtes.

Englman bezog sich dabei offenbar auch auf die Veröffentlichung eines 55-seitigen Dokuments durch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, in dem dieser Auszüge aus Sicherheitskabinettssitzungen präsentierte und die Verantwortung für das Versagen vor allem politischen Gegnern und Sicherheitsbehörden zuschrieb. Die Veröffentlichung habe die Debatte verzerrt, so der Staatskontrolleur indirekt.

Methodische Mängel

Das Büro des Ministerpräsidenten verteidigte das Vorgehen. Netanjahu habe die Protokolle veröffentlicht, um »der Öffentlichkeit die Wahrheit zu zeigen«, hieß es in einer Erklärung. Zugleich sprach sich das Büro für eine »gleichberechtigte und unabhängige Untersuchungskommission« aus, die alle Materialien prüfen solle.

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Kritik kam dagegen vom damaligen Verteidigungsminister Joav Gallant, der Netanjahu nach Veröffentlichung des Dokuments vorwarf, eine falsche Darstellung der Vorgeschichte des Angriffs konstruiert zu haben und ihn öffentlich als Lügner bezeichnete.

Die Untersuchung des Staatskontrolleurs ist seit Beginn umstritten. Kritiker werfen ihr methodische Mängel vor und argumentieren, nur eine staatliche Untersuchungskommission könne die politischen und strategischen Entscheidungen vor dem Angriff umfassend prüfen. Umfragen zeigen seit Monaten eine klare Mehrheit der Israelis zugunsten einer solchen Kommission – ein Schritt, den Netanjahu ablehnt und als potenziell voreingenommen kritisiert.

Der Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem Terroristen aus dem Gazastreifen rund 1200 Menschen ermordeten und 251 entführten, gilt als eines der schwersten Sicherheitsversagen in der Geschichte Israels. Der anschließende Krieg endete im Oktober 2025 mit einem von den USA vermittelten Waffenstillstand. im

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