Nahost

Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Eine Kirche in Taibe: Der christliche Ort im Westjordanland ist häufig Ziel von Gewalt radikaler israelischer Siedler. Foto: picture alliance / Middle East Images

Eine Gruppe israelischer Siedler hat nach Angaben des israelischen Armeeradios Fahrzeuge europäischer Diplomaten im Westjordanland angegriffen. Wie der Militärkorrespondent Doron Kadosh auf X mitteilte, umstellten nach Angaben von Augenzeugen sieben maskierte Männer mit ihren Geländewagen ein Diplomatenfahrzeug, verlangten Ausweise und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt. Der Vorfall ereignete sich während der Olivenernte nahe der Ortschaft Taibe.

Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach dagegen von einem »mutmaßlichen Angriff auf europäische Diplomaten«. Schwere Vorwürfe erforderten überzeugende Beweise. Die Bilder allein reichten nicht aus, um den vollständigen Ablauf der Ereignisse oder die individuelle Verantwortung zu klären. Diese Umstände würden weiterhin untersucht.

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Dagegen verurteilte Israels Außenminister Gideon Saar »die schweren Gewalttaten israelischer Randalierer« aufs Schärfste. Eine polizeiliche Untersuchung sei eingeleitet worden, erklärte er auf X. Die Strafverfolgungsbehörden arbeiteten daran, die Angreifer zu identifizieren und vor Gericht zu stellen. Saar nannte es bedauerlich, dass der Besuch nicht im Voraus mit der Armee abgestimmt worden sei.

Reporterin bereits am Freitag verletzt

Bereits am Freitag erlitt die US-Fotografin Heidi Levine von der »Washington Post« bei einem Angriff von Siedlern nahe der Ortschaft Abu Falah im Westjordanland Verletzungen. Nach Angaben des Blattes griffen Dutzende maskierte israelische Siedler palästinensische Dorfbewohner an, die Oliven geerntet hätten. Sie hätten Olivenhaine in Brand gesetzt und Steine geworfen.

Levine trug nach Angaben der Zeitung eine Schutzweste, auf deren Vorder- und Rückseite deutlich »PRESS« zu lesen war. Sie sei zu Boden gestoßen und wiederholt getreten worden. Ihr seien die Kamera sowie das Handy weggenommen worden. Levine habe Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Eine Rippe und vier Wirbel seien gebrochen. Ein Finger sei so aufgerissen worden, dass der Knochen freigelegen habe.

In einer Erklärung von Netanjahu auf X heißt es, die Umstände der Auseinandersetzung, bei der Levine angeblich angegriffen worden sei, seien unklar und würden untersucht. Berichten zufolge hätten etwa 200 Araber und linksextreme Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden. Aufnahmen zeigten maskierte Personen auf beiden Seiten, die mit Gegenständen warfen. Berichten zufolge wurden Feuerwerkskörper auf jüdische Jugendliche abgefeuert.

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Auch die israelische Armee (IDF) verurteilte die Gewalt im Westjordanland. Dabei seien »diplomatische Repräsentanten von israelischen Randalierern« angegriffen worden. Polizei und Armee würden nun gemeinsam »mit der Sammlung von Funden und Beweismitteln sowie der Aufnahme von Zeugenaussagen im Rahmen einer eingeleiteten Untersuchung beginnen«, heißt es in dem Statement. dpa/ja

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