Geiselhaft

»Sie benutzten mich wie einen Boxsack«

Elisabeth Tsurkov nach ihrer Freilassung Foto: GPO

Elisabeth Tsurkov, die israelisch-russische Forscherin und Doktorandin der Princeton University, die über zweieinhalb Jahre im Irak als Geisel gehalten wurde, hat ihr Schweigen gebrochen. Sie wurde im März 2023 in Bagdad von der vom Iran unterstützten Miliz Kata’ib Hisbollah entführt, während sie dort Feldforschung betrieb. 903 Tage lang wurde sie an verschiedenen geheimen Orten festgehalten und erlitt, was sie als »systematische Folter« und sexuelle Gewalt beschreibt.

»Sie haben mich wie einen Boxsack benutzt«, sagte Tsurkov gegenüber Reportern. »Als ich ohnmächtig wurde, übergossen sie mich mit Wasser, damit sie weitermachen konnten.« Sie berichtete, geschlagen, von der Decke gehängt und von einem ihrer Entführer, einem Mann, den sie »den Oberst« nannte, sexuell missbraucht worden zu sein. Er sei »sexbesessen« gewesen und habe ihr wiederholt mit Vergewaltigung gedroht. Medizinische Untersuchungen nach ihrer Freilassung ergaben Nervenschäden und bleibende Traumata.

Entführer fanden hebräische Nachrichten

Sobald ihre Entführer erkannten, dass sie Israelin war, verschlimmerte sich die Brutalität. »Sie durchsuchten mein Handy, fanden hebräische Nachrichten und hielten mich für eine Spionin«, berichtete sie. »Da begann der wahre Albtraum.«

Die 37-Jährige wurde im September 2025 nach monatelangem diplomatischem Druck der USA auf die irakischen Behörden freigelassen. Ihre Freilassung wurde von US-Präsident Donald Trump verkündet, der sich persönlich für ihren Fall eingesetzt hatte. Sowohl Tsurkov als auch ihre Schwester Emma dankten ihm persönlich und dem US-Vermittlungsteam öffentlich für ihre, wie sie es nannten, »außergewöhnliche Beharrlichkeit«, die ihr Leben rettete.

»Ich verdanke mein Leben der amerikanischen Seite«, so Tsurkov. »Ich glaube wirklich, dass ich gestorben wäre«, wenn sich Beamte der Trump-Regierung nicht »so konsequent und mit solch unglaublicher Entschlossenheit« für ihre Freilassung eingesetzt hätten. »Sie haben mich nicht vergessen. Sie gaben nicht auf, als alle anderen schon aufgegeben hatten.«

Elisabeth Tsurkov: »Ich hatte das Gefühl, sie interessierten sich mehr für Schlagzeilen als für mein Leben.«

Ihre Dankbarkeit gegenüber der israelischen Führung fiel hingegen deutlich zurückhaltender aus. Obwohl sie kurz nach ihrer Rückkehr Ministerpräsident Benjamin Netanjahu traf und ihm formell dankte, ließ Tsurkov seither ihre Enttäuschung darüber durchblicken, wie die Koalition in Jerusalem mit ihrer Geiselhaft umgegangen war – und über deren politische Ausrichtung im Allgemeinen.

Am 7. Oktober, dem zweiten Jahrestag des Massakers der Hamas, schrieb sie in den sozialen Medien: »Möge Gott den Menschen in Gaza Heilung bringen, den Hungernden, den Verwundeten, den erschöpften Geiseln. Sie alle zahlen einen hohen Preis für Machthaber, denen es nur um den Machterhalt geht.« Obwohl sie Netanjahu nicht direkt nannte, wurde die Äußerung weithin als Kritik an seiner Regierung verstanden.

Netanjahus Büro erklärte, Israel habe »unermüdlich mit internationalen Partnern« an ihrer Freilassung gearbeitet, doch Quellen aus dem Familienumfeld berichten, die größten Anstrengungen seien aus Washington gekommen.

Sie will ihre Promotion abschließen

Tsurkov kritisierte auch Teile der israelischen Medien und reichte Klage gegen Journalisten ein, die ihrer Aussage nach während ihrer Gefangenschaft Falschmeldungen verbreitet und sie und ihre Familie dadurch gefährdet hatten. »Ich hatte das Gefühl, sie interessierten sich mehr für Schlagzeilen als für mein Leben«, begründete sie dies.

Tsurkov erholt sich nun zu Hause bei ihrer Familie und sagt, ihre Geschichte solle eine Warnung und ein Aufruf zur Rechenschaftspflicht sein. »Ich habe überlebt«, sagt sie. »Aber andere sind noch da draußen, vergessen. Wir können nicht so tun, als sei das normal.«

Trotz ihrer traumatischen Erlebnisse will sie ihre Promotion in Princeton abschließen und resümiert: »Sie haben versucht, mich zu vernichten. Aber sie haben nicht gewonnen.«

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