Wirtschaft

Schekel auf 30-Jahres-Höhenflug

Foto: Flash 90

Der israelische Schekel befindet sich auf einem seit Jahrzehnten nicht gesehenen Höhenflug. Im Vergleich zum US-Dollar hat er ein Niveau erreicht, das zuletzt 1995, also vor 31 Jahren, gesehen wurde. Ökonomen werten die Entwicklung als Signal wachsender Investorenzuversicht in die Wirtschaft Israels, zugleich gibt es Sorge um exportorientierte Branchen.

Mit Kursen um etwa 3,05 Schekel pro Dollar ist das 30-Jahreshoch ein bemerkenswerter Kontrast zu den wirtschaftlichen Unsicherheiten der vergangenen Kriegsjahre. Mehrere Faktoren erklären den starken Kurs. Ein zentraler Punkt ist die wirtschaftliche Erholung Israels nach dem Gaza-Krieg: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 um mehr als drei Prozent, und auch für 2026 werden deutliche Zuwächse erwartet. Niedrige Inflation und steigende Investitionen stärken zusätzlich das Vertrauen internationaler Märkte.

»Die Aufwertung spiegelt nicht nur kurzfristige Kapitalbewegungen wider, sondern auch das Vertrauen in die israelische Wirtschaft«, erklärte Andrew Abir, stellvertretender Gouverneur der Zentralbank, kürzlich in einem Interview.

Israels Hightech-Sektor zieht weiterhin Kapital aus dem Ausland an

Hinzu kommen globale Entwicklungen. Der Dollar hat international an Stärke verloren, während gleichzeitig die internationalen Finanzmärkte, insbesondere Technologieaktien, gestiegen sind. Israelische Anleger investieren generell stark im Ausland. Oft sichern sie Währungsrisiken ab, indem sie Dollar verkaufen und Schekel ankaufen. Das erhöht die Nachfrage nach der israelischen Währung und treibt ihren Kurs nach oben.

Auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle: Israels Hightech-Sektor zieht weiterhin Kapital aus dem Ausland an, und Exporteinnahmen aus Energie und Technologie erhöhen den Zufluss von Fremdwährungen ins Land. In Kombination entsteht ein dauerhafter Aufwertungsdruck auf den Schekel.

Für die Israelis bringt die Währungsstärke zunächst kurzfristige Vorteile: Importierte Waren, von Elektronik bis zu Lebensmitteln, könnten billiger werden, wenn die reduzierten Einkaufspreise der Importeure an die Kunden weitergegeben würden. Auch Auslandsreisen sind momentan günstiger zu haben. Gleichzeitig dämpft ein starker Schekel die Inflation, weil importierte Produkte weniger kosten.

Andrew Abir: »Die Aufwertung spiegelt nicht nur kurzfristige Kapitalbewegungen wider, sondern auch das Vertrauen in die israelische Wirtschaft.«

Diese Entwicklung könnte der Zentralbank sogar Spielraum für Zinssenkungen geben. Gerade nach einer Phase hoher Lebenshaltungskosten ist das politisch willkommen.

Volkswirtschaftlich ist die Lage allerdings komplexer: Eine zu starke Währung kann strukturelle Probleme erzeugen. Denn Israel ist stark exportorientiert – Waren- und Dienstleistungsexporte entsprechen rund 38 Prozent der Wirtschaftsleistung. Wenn der Schekel steigt, verteuern sich israelische Produkte im Ausland automatisch. Und das verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen.

Besonders betroffen sind Branchen, die ihre Einnahmen in Dollar erzielen, aber Kosten in Schekel tragen, etwa Hightech-Firmen, Industrieexporteure oder Landwirtschaftsbetriebe. Wenn ein Unternehmen seine Produkte weiterhin zu denselben Dollarpreisen verkauft, erhält es nach der Umrechnung weniger Schekel, während Gehälter und Betriebskosten gleichbleiben oder steigen. Gewinne schrumpfen, und Investitionen könnten zurückgehen.

Wirtschaftsexperten warnen deshalb vor einer sogenannten »klassischen starke-Währung-Falle«: Langfristig könnten sogar Produktion und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, wenn die Differenz zu groß werden sollte.

Die Frage ist, ob Zentralbank eingreifen sollte

Die Frage in Wirtschaftskreisen ist derzeit, ob die Bank of Israel eingreifen sollte. Früher hat sie wiederholt Dollar gekauft, um einen übermäßigen Höhenflug der nationalen Währung zu bremsen und Exporteure zu schützen. In den letzten Jahren geschah dies jedoch zurückhaltender. »Eine anhaltend starke Währung kann die Exportindustrie erheblich belasten, besonders wenn Unternehmen ihre Kosten nicht schnell genug anpassen können«, warnte die frühere Notenbankchefin Karnit Flug.

Der starke Schekel ist somit ein zweischneidiges Phänomen. Einerseits spiegelt er wirtschaftliche Robustheit, Kapitalzuflüsse und Vertrauen in Israels Zukunft wider – bemerkenswert angesichts geopolitischer Spannungen. Andererseits erhöht er den Druck auf exportorientierte Sektoren, die seit Jahrzehnten eine zentrale Säule der israelischen Wirtschaft bilden.

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