Oppositionsführer Yair Lapid sieht derzeit keinerlei Notwendigkeit, den Krieg mit dem Iran wieder aufzunehmen. In einem Interview mit dem israelischen Kanal Reschet Bet sagte die Nummer zwei der Zentrumspartei »Jesch Atid«: »Das sind Versuche, die Lage anzuheizen, aber das wird ihm bei den Wahlen auch nicht helfen. Ich verstehe daher nicht, warum er das tut.« Mit »er« meinte Lapid den amtierenden Premierminister Benjamin Netanjahu.
Anschließend ging Lapid auf die Frage ein, ob der Premierminister und Verteidigungsminister Israel Katz die Iraner provozieren wollten: »Da es keine Informationen gibt, die die Aussagen der beiden rechtfertigen, ist der Grund politisch, wie all die Videos von den Militärbasen zeigen.«
Kampfjets flogen bis an die Grenze des Iran
Zuvor war bekannt geworden, dass Kampfjets der israelischen Luftwaffe einen möglichen Angriff auf Iran simuliert haben könnten. Anfang der Woche seien Dutzende Flieger israelischen Medienberichten zufolge über Syrien und den Irak in Richtung der iranischen Grenze geflogen, kehrten jedoch kurz vor dem Erreichen des iranischen Territoriums um.
Während Israel den Flug als Übung und Machtdemonstration bezeichnete, vermuteten einige amerikanische Beobachter, dass Teheran möglicherweise zu einer Reaktion provoziert werden sollte, die Israel als Rechtfertigung für einen Angriff hätte nutzen können. Die Opposition wirft Netanjahu vor, die Wahlen verzögern zu wollen. Am 27. Oktober wählen die Israelis ein neues Parlament.
Verteidigungsminister Israel Katz jedoch kritisierte Lapids Aussagen scharf: »Jeder Angriff gegen Israel und alle zukünftigen Anschläge – falls dies, Gott bewahre, geschehen sollte – gehen auf die Rechnung von Yair Lapid, Naftali Bennett, Yair Golan und ihren Oppositionsfreunden, denjenigen, die den Premierminister und mich angreifen.« Alle Behauptungen, die der Koalition ausländische Einflussnahme unterstellten, zeugten von einer realitätsfernen und engstirnigen politischen Denkweise derjenigen, die sie äußerten, so Katz weiter. Sie würden der einheimischen Abschreckung und Motivation schaden.
Lapid reagierte auf Katz’ Äußerung: »Die leichtsinnige und hysterische Ankündigung des Verteidigungsministers ist ein Geschenk an Israels Feinde. Wieder einmal sucht die gescheiterte Regierung nach Ausreden und Schuldzuweisungen für das Versagen Netanjahus und seines Gefolges.«
»Sie haben es nicht geschafft, die Hamas zu zerschlagen, den Iran zu schwächen, die Hisbollah zu eliminieren, und sind auf internationaler Ebene gescheitert. Nun geben sie der Opposition dafür die Schuld. Welch eine Feigheit, welch ein Eingeständnis ihrer Unfähigkeit, das Land zu regieren und den Bürgern Sicherheit zu garantieren«, wetterte Lapid.
Gadi Eizenkot: »Die Absurdität, dass ein Verteidigungsminister politische Gegner für feindliche Angriffe verantwortlich macht, bevor die stattgefunden haben, hat es noch nie gegeben.«
Lapid meint, Koalition macht »Sicherheit zum Zirkus«
Und er sagte weiter: »In ihrer Entscheidung, die Wahlniederlage zu vermeiden, machen sie die Sicherheit des Staates Israel zu einem Zirkus. Wenn sie an der Macht bleiben, wird es einen weiteren 7. Oktober geben, einen weiteren Anschlag auf Dubai, eine weitere Stärkung des Irans.«
Auch der Vorsitzende von »Yaschar«, Gadi Eizenkot, äußerte sich zu den Vorwürfen von Katz: Der Verteidigungsminister bereite den Boden für die nächste Katastrophe und wälze die Verantwortung im Voraus ab. »Die Absurdität, dass ein Verteidigungsminister politische Gegner für feindliche Angriffe verantwortlich macht, bevor diese überhaupt stattgefunden haben, hat es noch nie gegeben. Unsere Armee ist stark – aber die Führung ist korrupt und gefährlich. Netanjahu und Katz haben bewiesen, dass ihr politisches Überleben für sie an erster Stelle steht.«