Wahlen

»Ein Geschenk an Israels Feinde«

Der Oppositionspolitiker Yair Lapid Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Oppositionsführer Yair Lapid sieht derzeit keinerlei Notwendigkeit, den Krieg mit dem Iran wieder aufzunehmen. In einem Interview mit dem israelischen Kanal Reschet Bet sagte die Nummer zwei der Zentrumspartei »Jesch Atid«: »Das sind Versuche, die Lage anzuheizen, aber das wird ihm bei den Wahlen auch nicht helfen. Ich verstehe daher nicht, warum er das tut.« Mit »er« meinte Lapid den amtierenden Premierminister Benjamin Netanjahu.

Anschließend ging Lapid auf die Frage ein, ob der Premierminister und Verteidigungsminister Israel Katz die Iraner provozieren wollten: »Da es keine Informationen gibt, die die Aussagen der beiden rechtfertigen, ist der Grund politisch, wie all die Videos von den Militärbasen zeigen.«

Kampfjets flogen bis an die Grenze des Iran

Zuvor war bekannt geworden, dass Kampfjets der israelischen Luftwaffe einen möglichen Angriff auf Iran simuliert haben könnten. Anfang der Woche seien Dutzende Flieger israelischen Medienberichten zufolge über Syrien und den Irak in Richtung der iranischen Grenze geflogen, kehrten jedoch kurz vor dem Erreichen des iranischen Territoriums um.

Während Israel den Flug als Übung und Machtdemonstration bezeichnete, vermuteten einige amerikanische Beobachter, dass Teheran möglicherweise zu einer Reaktion provoziert werden sollte, die Israel als Rechtfertigung für einen Angriff hätte nutzen können. Die Opposition wirft Netanjahu vor, die Wahlen verzögern zu wollen.  Am 27. Oktober wählen die Israelis ein neues Parlament.

Lesen Sie auch

Verteidigungsminister Israel Katz jedoch kritisierte Lapids Aussagen scharf: »Jeder Angriff gegen Israel und alle zukünftigen Anschläge – falls dies, Gott bewahre, geschehen sollte – gehen auf die Rechnung von Yair Lapid, Naftali Bennett, Yair Golan und ihren Oppositionsfreunden, denjenigen, die den Premierminister und mich angreifen.« Alle Behauptungen, die der Koalition ausländische Einflussnahme unterstellten, zeugten von einer realitätsfernen und engstirnigen politischen Denkweise derjenigen, die sie äußerten, so Katz weiter. Sie würden der einheimischen Abschreckung und Motivation schaden.

Lapid reagierte auf Katz’ Äußerung: »Die leichtsinnige und hysterische Ankündigung des Verteidigungsministers ist ein Geschenk an Israels Feinde. Wieder einmal sucht die gescheiterte Regierung nach Ausreden und Schuldzuweisungen für das Versagen Netanjahus und seines Gefolges.«

»Sie haben es nicht geschafft, die Hamas zu zerschlagen, den Iran zu schwächen, die Hisbollah zu eliminieren, und sind auf internationaler Ebene gescheitert. Nun geben sie der Opposition dafür die Schuld. Welch eine Feigheit, welch ein Eingeständnis ihrer Unfähigkeit, das Land zu regieren und den Bürgern Sicherheit zu garantieren«, wetterte Lapid.

Gadi Eizenkot: »Die Absurdität, dass ein Verteidigungsminister politische Gegner für feindliche Angriffe verantwortlich macht, bevor die stattgefunden haben, hat es noch nie gegeben.«

Lapid meint, Koalition macht »Sicherheit zum Zirkus«

Und er sagte weiter: »In ihrer Entscheidung, die Wahlniederlage zu vermeiden, machen sie die Sicherheit des Staates Israel zu einem Zirkus. Wenn sie an der Macht bleiben, wird es einen weiteren 7. Oktober geben, einen weiteren Anschlag auf Dubai, eine weitere Stärkung des Irans.«

Auch der Vorsitzende von »Yaschar«, Gadi Eizenkot, äußerte sich zu den Vorwürfen von Katz: Der Verteidigungsminister bereite den Boden für die nächste Katastrophe und wälze die Verantwortung im Voraus ab. »Die Absurdität, dass ein Verteidigungsminister politische Gegner für feindliche Angriffe verantwortlich macht, bevor diese überhaupt stattgefunden haben, hat es noch nie gegeben. Unsere Armee ist stark – aber die Führung ist korrupt und gefährlich. Netanjahu und Katz haben bewiesen, dass ihr politisches Überleben für sie an erster Stelle steht.«

Israel

Gadi Eizenkot stellt klar: »Werde in keine Regierung mit Netanjahu eintreten«

Der Herausforderer des amtierenden Ministerpräsidenten hat ausgeschlossen, mit ihm eine Koalition einzugehen, und kritisiert Benjamin Netanjahu für dessen Versagen vor dem 7. Oktober 2023

von Sabine Brandes  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Nahost

Israelische Kampfjets fliegen bis an iranische Grenze – Sorge vor Eskalation vor der Wahl

Was passierte im Luftraum über Syrien und dem Irak und warum?

 22.10.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Alle Feinde Israels wollen, dass ich verliere«

Der israelische Ministerpräsident wirft Iran und verbündeten Gruppen vor, die bevorstehende Wahl beeinflussen zu wollen

 22.10.2026

Gaza/Jerusalem

Hamas droht mit neuem Angriff nach dem Muster des 7. Oktober

Die palästinensische Terrororganisation soll Israel über einen UN-Vermittler mit einem weiteren Massaker gedroht haben. Die Warnung bezieht sich auf mögliche Anschläge in Israel und im Ausland

 22.10.2026

Israel

Knessetwahl: Soldaten können bereits abstimmen

In weniger als einer Woche wählt Israel ein neues Parlament. Bereits jetzt dürfen Soldaten die Wahlkabinen betreten - diese werden ihnen bis in den Libanon und nach Syrien gebracht

 21.10.2026

New York/Gaza

Frühere Lehrerin aus Gaza warnt vor Judenhass an UNRWA-Schulen

Die Pädagogin sagt, die ideologische Indoktrinierung palästinensischer Kinder könne den Nährboden für ein weiteres Massaker wie das vom 7. Oktober 2023 schaffen

 21.10.2026

Jerusalem

Netanjahu nennt Sturz der iranischen Führung als Ziel

»Ich bin entschlossen, die Aufgabe zu Ende zu bringen«, sagt der israelische Regierungschef

 21.10.2026

Gaza

Israel tötet Hamas-Terroristen, der Shani Louk verschleppte

Tamer Mohammad Ibrahim al-Sabbagh war das letzte lebende Mitglied der Hamas-Zelle, die am 7. Oktober 2023 die deutsch-israelische Geisel entführte

 21.10.2026