Die Hamas-Führung hat Israel offenbar mit einem weiteren Angriff nach dem Vorbild des 7. Oktober 2023 gedroht. Wie »Ynet« berichtet, erklärten hochrangige Vertreter der Terrororganisation, sie seien bereit, erneut zuzuschlagen, sobald sich eine Gelegenheit biete. Als mögliche Ziele nannten sie demnach Israel und Orte im Ausland.
Diese Botschaft wurde vergangene Woche bei einem Treffen mit Ramiz Alakbarov, dem humanitären UN-Koordinator, übermittelt. Hamas-Vertreter forderten ihn auf, die Warnung an Israel weiterzugeben. Die israelischen Behörden bewerten die Äußerungen dem Bericht zufolge als ungewöhnlich direkte Drohung.
Am Mittwoch informierte Alakbarov den israelischen Generalmajor Yoram Halevy, den Koordinator der Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT), über den Inhalt des Gesprächs. Ein Dokument mit den Drohungen der Hamas-Führung wurde nach israelischen Angaben umgehend an die politische und sicherheitspolitische Führung des Landes weitergeleitet.
Schwindender Einfluss
Nach Darstellung der Hamas-Funktionäre verliert die Organisation zunehmend die Kontrolle über die Lage im Gazastreifen. Als Gründe nannten sie die fortgesetzten israelischen Militäroperationen sowie Veränderungen an der sogenannten Gelben Linie, die israelische Militärstellungen in dem Küstenstreifen markiert. Die Hamas habe deutlich gemacht, dass sie den gegenwärtigen Zustand nicht hinnehmen wolle.
Die Drohung fällt in eine Phase verstärkter israelischer Militäraktionen. Zuletzt nahm die Armee gezielt Mitglieder der Hamas-Eliteeinheit Nukhba und ranghohe Funktionäre der Terrororganisation ins Visier. Zugleich sagte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die für den 28. November vorgesehenen Wahlen der Autonomiebehörde ab.
Auch international wächst der Druck auf die Hamas. Das von den USA initiierte Friedensgremium und diplomatische Vermittler haben die Terroristen aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen. Israelische Sicherheitsvertreter rechnen allerdings nicht damit, dass die Hamas dieser Forderung freiwillig nachkommt. Sie vermuten vielmehr, dass die Terrororganisation mit Verzögerungstaktiken Zeit gewinnen will.
Finanzielle Krise
Parallel dazu bleibt die Frage offen, wer künftig die Verwaltung und die Sicherheitsaufgaben im Gazastreifen übernehmen soll.
Neben den militärischen Rückschlägen ist die Hamas durch eine erhebliche finanzielle Krise belastet. Nach israelischen Einschätzungen benötigt die Terrorgruppe monatlich etwa 90 Millionen Schekel, um ihre Mitarbeiter und »Kämpfer« weiter bezahlen zu können. Das entspricht rund 25,8 Millionen Euro.
Die israelischen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die Hamas im Gazastreifen noch etwa 30.000 Personen beschäftigt. Dazu zählen Verwaltungsmitarbeiter und einfache Funktionäre ebenso wie Mitglieder des militärischen Flügels. Die monatlichen Zahlungen sollen im Durchschnitt bei rund 3.000 Schekel pro Person liegen, umgerechnet etwa 860 Euro. im